Star Trek: Picard

Science-Fiction | USA 2020 | Minuten

Regie: Hanelle M. Culpepper

Spin-off-Serie aus dem „Star Trek“-Universum, zentriert um die Figur des ehemaligen Enterprise-Captains Jean-Luc Picard: Der einstige Raumschiff-Kommandant hat sich nach dem Scheitern einer Rettungsmission erbittert in den Ruhestand auf sein französisches Landgut zurückgezogen, begibt sich wegen einer Androidin aber auf eine gefahrvolle Reise: Mit einer kleinen Crew an Helfern versucht er, die künstliche junge Frau vor Killern zu retten, die aus geheimnisvollen Gründen hinter ihr her sind. Eine mitreißende Erweiterung des Franchise, die die Lust an exotisch-futuristischen außerirdischen Kulturen und Technologien und an Science-Fiction-Action mit einer Prise Nostalgie vereint. Zugleich greift sie im Geist der „Social Science Fiction“ Missstände der Gegenwart auf und wendet sich gegen eine Mentalität, in der aus Angst und Egoismus Feindseligkeit und Gewalt erwachsen. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
STAR TREK: PICARD
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Hanelle M. Culpepper · Jonathan Frakes · Akiva Goldsman · Maja Vrvilo · Douglas Aarniokoski
Buch
Kirsten Beyer · Michael Chabon · Alex Kurtzman
Kamera
Philip Lanyon · Darran Tiernan
Musik
Jeff Russo
Schnitt
Andrew Coutts · Steve Haugen · Sarah C. Reeves
Darsteller
Patrick Stewart (Jean-Luc Picard) · Santiago Cabrera (Cristobal "Chris" Rios) · Isa Briones (Dahj/Soji) · Michelle Hurd (Raffi Musiker) · Alison Pill (Dr. Agnes Jurati)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Science-Fiction | Serie

Eine letzte Mission für den ehemaligen Enterprise-Captain Jean-Luc Picard: Zusammen mit dem Roman „Star Trek: Picard – Die letzte und einzige Hoffnung“ erweiterte die Serie das Science-Fiction-Franchise um neue Abenteuer, in denen nicht zuletzt ein Appell an die Gegenwart steckt.

Diskussion

Hoffnung war sozusagen der WARP-Antrieb, mit dem „Star Trek“ in den 1960er-Jahren durchstartete, um die Popkultur zu erobern. Während in der Realität der Kalte Krieg für Atombomben-Endzeit-Ängste sorgte, entwarf Gene Roddenberry mit seiner 1966 erstmals ausgestrahlten Serie um die Abenteuer des „Raumschiff Enterprise“ eine im 23. Jahrhundert angesiedelte Zukunftsutopie, in der die Menschheit ihre politischen und ethnischen Konflikte überwunden hat. Als Teil einer friedlichen Föderation von Planeten schickt sie Raumschiffe auf Forschungsmissionen in die unbekannten Weiten des Weltraums - voller Neugier auf statt voller Angst vor dem Fremden.

In den jüngsten Fortschreibungen der Science-Fiction-Saga, der Serie „Star Trek: Picard“ und dem Roman „Star Trek: Picard - Die letzte und einzige Hoffnung“, ist diese Utopie einer nicht nur technologisch-wissenschaftlich, sondern auch ethisch-moralisch gereiften Menschheit ins Wanken geraten. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass die Sternenflotte einmal für Angst und Intoleranz steht“, klagt die Hauptfigur Jean-Luc Picard (Patrick Stewart), einst Captain der USS Enterprise, nun aber verbitterter Ruheständler.

Die Integrität der Föderation steht in Frage

Was zu dieser Verdüsterung geführt hat, fasst die Serie in diversen Rückblicken zusammen; der Roman liefert eine vielstimmige Langversion, die sich unschwer als kritische Reflexion über die Gegenwart des 21. Jahrhunderts dechiffrieren lässt. Eine Klimakatastrophe apokalyptischen Ausmaßes (die Sonne im romulanischen Sternenimperium verwandelt sich in eine Supernova) und eine damit einhergehende Flüchtlingskrise erfordern in den 2380er-Jahren die Solidarität der Föderation; doch die zunächst mit großem Engagement in Angriff genommene Rettungsmission unter Picards Leitung gerät immer mehr ins Kreuzfeuer isolationistischer Kritiker, die die Ressourcen des Planetenbundes nicht an eine fremde Macht „verschwendet“ sehen wollen. Als diese Kritiker schließlich politisches Oberwasser gewinnen, weil die Rettungsmission durch einen blutigen Terrorakt der eigens für die Mission kreierten Androiden einen herben Rückschlag erleidet, stellt die Föderation ihr Engagement für die bedrohten Romulaner ein - womit auch Picards Karriere in der Sternenflotte endet.

Aufbruch zu einer neuen Mission

Ein Körnchen Hoffnung verbleibt dennoch, schließlich ist der Mann, der zwischen 1987 und 1994 in der Serie „Star Trek – Das nächste Jahrhundert“ und bis 2002 in mehreren Kinofilmen die humanistischen Ideale der Reihe hochhielt, noch nicht tot! Und so muss man sich in der neuen Serie nicht allzu lange gedulden, bis Picard im Jahr 2399 wieder auf der Brücke eines Raumschiffs steht und mit einem beherzten „Energie!“ dem unfreiwilligen Ruhestand auf seinem französischen Landgut den Rücken kehrt – wenn auch nicht mit der „Enterprise“ oder einem anderen Schiff der Sternenflotte, sondern in einem gecharterten Weltraumkreuzer mit einer bunt zusammengewürfelten Außenseiter-Crew.

Picard kann das, was 14 Jahre zuvor geschah, nicht mehr geraderücken, doch er will wenigstens ein Leben retten: das einer hochentwickelten Androidin in Gestalt einer jungen Frau, die offensichtlich das Produkt illegaler Forschungen ist, da die Entwicklung künstlicher Intelligenz in der Föderation offiziell längst eingestellt wurde. Weil Picard in ihr die „Tochter“ seines einstigen Kollegen und Freundes Commander Data erkennt, setzt er alles daran, um sie vor jenen Killern aufzuspüren, die ihr aus geheimnisvollen Gründen den Garaus machen wollen, und ihr zu helfen, ihren Heimatplaneten zu finden.

Weltraum-Exotik, Abenteuer und ein guter Schuss Nostalgie

Eine Unternehmung, der die Serie reichlich Material für eine opulente Weltraumoper abgewinnt: exotistisch in der Lust an außerirdischen Kulturen (von romulanischen Kriegernonnen bis zu Ex-Borgs auf einem stillgelegten Borg-Kubus), abenteuerlich in der Konfrontation mit immer neuen Gefahren, melodramatisch in den emotionalen Verwicklungen und nicht zuletzt auch nostalgisch, wenn Charaktere ins Spiel kommen, die aus älteren „Star Trek“-Serien bekannt sind, von Hugh alias Third of Five (Jonathan Del Arco) und Annika alias Seven of Nine (Jeri Ryan) über melancholische Erinnerungen an Data (Brent Spiner) bis hin zu einem liebevollen Widersehen mit Picards ehemaliger „Nr. 1“ William Ryker (Jonathan Frakes) und Deanna Troi (Marina Sirtis). Patrick Stewart bildet einmal mehr das Zentrum des ganzen Treibens - vielleicht sogar noch ein Stückchen charismatischer als früher, weil der melancholische Schatten des Scheiterns und die Fragilität des Alters, die die Figur nun umgeben, sie noch interessanter und menschlicher machen.

Der Gegner ist vor allem die Furcht

Aber auch seine neue Crew trägt viel zum Charme und Spannungspotenzial der neuen Serie bei. Etwa Raffi Musiker (Michelle Hurd), die Picard im Roman „Star Trek: Picard - Die letzte und einzige Hoffnung“ bei der Rettungsmission als Nr. 1 zur Seite steht und die man als energische Sternenflotten-Offizierin kennenlernt, bis sie einen so hohen Preis für ihr Engagement zahlt, dass sie in der Serie nun als Schatten ihrer selbst nicht zuletzt auch um ihren verlorenen inneren Frieden kämpft. Oder die Androidin Soji (Isa Briones), um die sich eine Art "Blade Runner"-Drama entfaltet und die in einer gefährlichen Liebesbeziehung mit dem undurchschaubaren Romulaner Narek (großartig: Harry Treadaway) steckt.

Ergänzt durch die auf den ersten Blich nett-harmlos wirkende, aber von einem quälenden inneren Konflikt gebeutelte Wissenschaftlerin Agnes Jurati (Alison Pill), den Raumkreuzer-Captain Chris Rios (Santiago Cabrera), der zusammen mit seinen Hologramm-Doubles lässige Han-Solo-Vibes und etwas „comic relief“ in die Serie einbringt, und einem jungen romulanischen Krieger, der in Picard eine Vaterfigur sieht (Evan Evagora), ergibt sich ein Ensemble, das reichlich Identifikationsangebote und dramaturgische Reibungsflächen bietet.

Sie alle wachsen über sich selbst hinaus, um der mit futuristischem Zauber zelebrierten, aber nicht zuletzt als Appell an die Gegenwart gemeinten Herausforderung zu begegnen: die Angst und die aus ihr geborene Feindseligkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Anderen zu überwinden, um wieder mit Mut, Optimismus und Zutrauen in die Zukunft schauen zu können.

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