Komödie | Deutschland 2019 | 80 Minuten

Regie: Franziska Meyer Price

Kinoversion einer Vorabend-Fernsehserie um eine inzwischen 38 Jahre alte Frau, die am Traualtar mit den Ansprüchen ihres ehemaligen Freundes konfrontiert wird. Verwirrt flüchtet sie, verursacht einen Unfall, muss Sozialstunden ableisten und landet im Harz, wo ihr Polizei, Drogenkocher, wütende Hippies und die beiden heiratswilligen Männer auf den Fersen sind. Hanebüchene Komödie, die den Charme der Serie weder einfangen noch für ein älteres Publikum übersetzen kann. Nur animierte Einschübe sorgen gelegentlich für überraschende Absurdität. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Franziska Meyer Price
Buch
David Safier · Ben Safier
Kamera
Stefan Unterberger
Musik
Helmut Zerlett
Schnitt
Nils Landmark · Regina Bärtschi
Darsteller
Felicitas Woll (Lolle) · Dana Janina Uhse (Dana) · Jan Sosniok (Sven) · Matthias Klimsa (Hart) · Sandra Borgmann (Rosalie)
Länge
80 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Kinoversion einer Vorabend-Fernsehserie um eine unkonventionelle Frau, die sich zwischen zwei Männern entscheiden soll.

Diskussion

„Berlin, Berlin“ – da denkt man gleich an die Vorabendserie, die von 2002 bis 2005 in vier Staffeln über die Mattscheiben flimmerte. Im Schnitt erreichte die Serie in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen einen Marktanteil von 16,6 Prozent; auch die Fernsehkritiker waren angetan, weil hier einiges anders war als sonst. Die Sorgen der Hauptfigur Lolle (Felicitas Woll) wurden schnell und hipp, komisch und unterhaltsam erzählt. Besonderes Merkmal waren kurze Cartoons, die mehrfach die Handlung unterbrachen und das Innenleben der Figuren überspitzt nach außen kehrten. Wenn Lolle vor Scham im Boden versinken wollte, weil sie mal wieder in ein Fettnäpfchen getreten war, schlug sie die gezeichnete Lolle mit einem überdimensionalen Hammer in den Boden. Das reichte fast an Tex Avery heran, der für seine Cartoons bei Warner Brothers die physische Realität ablehnte.

Lolle zwischen zwei Männern

Die Idee zu den animierten Zwischenspielen stammte von David Safier, der als Hauptautor wesentlich am Erfolg der Serie beteiligt war, wofür er 2003 einen Grimme-Preis und ein Jahr später sogar den US-amerikanischen Fernsehpreis „Emmy“ erhielt. Nun hat Safier zusammen mit seinem Sohn Ben Safier das Drehbuch für den Kinofilm geschrieben. Franziska Meyer Price, die schon bei der Serie dabei war, führte Regie. Lolle, erneut von Felicitas Woll dargestellt, ist mittlerweile 38 Jahre alt und will eigentlich ihren Freund Hart heiraten. Doch da rauscht Sven (Jan Sosniok) mit dem Motorrad heran und sprengt die Hochzeitsfeier: Nur er sei der Richtige für Lolle. Die sucht erst einmal das Heil in der Flucht, baut einen Unfall und wird vom Richter (Detlev Buck) zu Sozialstunden an einer Schule verdonnert.

Hier lernt sie Dana kennen, eine nicht sehr vertrauenswürdige junge Frau, die ihr bei einer Clubtour durch das nächtliche Berlin KO-Tropfen in den Drink mixt. Lolle wacht auf einer Straße im Harz wieder auf, allerdings in einem Auto, das Dana geklaut und hierherchauffiert hat. Das ruft die Polizei auf den Plan. Später heften sich noch ein Crystal-Meth-Kocher (Armin Rohde), seine maskierten Handlanger und die wütenden Mitglieder einer Hippie-Kommune an ihre Fersen, nicht zu vergessen Hart und Sven, die Lolle immer noch heiraten wollen.

Zeitraffer & ironische Kommentare

Eine solche Inhaltsangabe verpasst dem Film mehr Sinn, als er in Wahrheit hat. Hier passt nichts zusammen, weder die hanebüchene, zusammengestückelte Handlung noch die müden Witze, die viel zu selten zünden. Franziska Meyer Price hat das Unheil wohl vorausgeahnt. Mit Split-Screen-Kompositionen teilt sie das Breitwandbild wie ein Mosaik auf, Zeitraffer sollen dem Film Tempo verleihen, Lolles Off-Kommentar für ironische Distanz sorgen. Doch was nützt das, wenn die Gags so altbacken und abgestanden sind und der Slapstick so lahm und trutschig ist, dass man nicht mehr hinschauen mag?

Nicht einmal der leibhaftige Bär, den Lolle und Dana im Harzer Wald treffen, macht Spaß, weil dieser Einfall – ein Bär im falschen Lebensraum – einfach zu gewollt ist. Am unterhaltsamsten sind noch die Comic-Einschübe, weil sie erneut Realität und Fantasie aufeinanderprallen lassen und so für überraschende Absurditäten sorgen. Wer immer schon einmal wissen wollte, wie die tickende biologische Uhr aussieht, wird hier fündig!

Ein Widerspruch in sich

Ansonsten hat „Berlin, Berlin“ ein riesiges Problem. Die Fernsehserie bezog sich immer auch auf die Lebenswelt der jungen Twens, die sich weigerten, erwachsen zu werden. 15 Jahre später macht das keinen Sinn mehr. Eine 38-jährige Lolle mit Heirats- und Kinderwunsch ist ein Widerspruch in sich.

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