Hello again - Ein Tag für immer

Komödie | Deutschland 2020 | 92 Minuten

Regie: Maggie Peren

Eine von der Liebe enttäuschte Single-Frau will die Hochzeit ihres Jugendfreundes verhindern, kommt aber zu spät. Frustriert betrinkt sie sich, verwandelt die Feier in ein Chaos und erwacht am Morgen des Hochzeitstages aufs Neue. Amüsante Beziehungskomödie, die den Zeitschleifen-Topos mit seinen überraschenden Abweichungen nutzt, um über Beziehungsängste junger Menschen und die mangelnde Vorbildfunktion der Eltern nachzudenken. Mit überzeugenden Darstellern und viel Situationskomik unterhält der Film auf charmant-intelligente Weise. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Maggie Peren
Buch
Maggie Peren
Kamera
Marc Achenbach
Schnitt
Robert Hauser
Darsteller
Alicia von Rittberg (Zazie) · Edin Hasanovic (Anton) · Tim Oliver Schultz (Philipp) · Samuel Schneider (Patrick) · Emilia Schüle (Franziska)
Länge
92 Minuten
Kinostart
17.09.2020
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie | Liebesfilm

Eine beziehungsgestörte Single-Frau will die Hochzeit ihres Sandkastenfreundes verhindern, kommt aber zu spät – und das jeden Tag aufs Neue.

Diskussion

In der Liebe ist Zazie, obwohl erst Mitte 20, ein gebranntes Kind. Ihre Eltern stritten sich oft und laut, was nicht gerade vorbildlich war. Anlässlich eines Valentinstags hätte sie selbst fast ihre Schule abgefackelt. Ihr Sandkastenfreund Philipp wollte irgendwann mehr. Das war Zazie nicht geheuer. Nun lebt sie platonisch in einer Dreier-WG mit Anton und Patrick. Während der eine aufgrund einer Narkolepsie in den unmöglichsten Momenten stehend einschläft, liebt der andere unverbindliche One-Night-Stands.

Eine WG der Beziehungsunfähigen also. Die Liebe ist den Ärger, den sie mit sich bringt, nicht wert. Bis Zazie im überquellenden Briefkasten die Einladung zu einer Hochzeit vorfindet. Philipp heiratet, und zwar morgen. Und auch nicht irgendeine, sondern Franziska, ein sadistisches Scheusal, wie man in Rückblenden erfährt. Zazie fällt aus allen Wolken. Diese Hochzeit muss verhindert werden, und Anton soll ihr dabei helfen.

Ein Tag wie ein Albtraum

Doch am nächsten Tag geht alles schief. Zazie verschläft. Auf dem Roller rast sie mit Anton durch die Hamburger Innenstadt Richtung Hafen. Zu spät: Philipp und Franziska haben sich bereits das Jawort auf dem Deck eines Schiffs gegeben. Frustriert betrinkt sich Zazie mit rosa Schaumwein, kotzt der Braut aufs Hochzeitskleid und hinterlässt ein veritables Chaos.

Als sie am nächsten Morgen erwacht, wähnt sie sich in einem Albtraum: Der Tag der Hochzeit beginnt noch einmal von vorn.

Nicht von ungefähr hat die Autorin und Regisseurin Maggie Peren ihre weibliche Hauptfigur „Zazie“ genannt, nach Louis Malles zauberhaftem Film aus dem Jahr 1960. So wie dort die Realität von Raum und Zeit durch zahlreiche Stilmittel aufgelöst wurde, hält Peren die Zeit einfach an und spult sie zurück, um die Protagonistin in einer Zeitschleife gefangen zu halten. Das ist keine neue Dramaturgie; Bill Murray musste sie schon 1992 in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ durchleiden, zuletzt kam sie sogar in einem Tatort („Murot und das Murmeltier“) zum Einsatz. So wie die Figur von Bill Murray zum besseren (und liebenswerten) Menschen wurde, kann hier die Protagonistin gleich mehrere Dinge über sich herausfinden: Was stört sie an der Hochzeit ihres Jugendfreundes so sehr? Was kann sie tun, um seine Liebe zu gewinnen? Und wen liebt sie eigentlich wirklich?

Wenn die Porzellanfigur zu fallen droht

Die Zeitschleifen-Dramaturgie führt wie schon in den filmischen Vorbildern zu kleinen, aber überraschenden Abweichungen. Zazie lernt aus ihren Erfahrungen. Sie sammelt gezielt Informationen, um sie anderntags verwenden zu können. Unvermeidliche Folge: Sie weiß mehr als die Hochzeitsgäste, die sie Tag für Tag trifft. Dieses Informationsgefälle sorgt für viel Situationskomik, die auf charmant-intelligente, raffiniert-witzige Weise unterhält. So beginnt der Tag beispielsweise stets mit dem ruppigen Liebesspiel von Patrick, bei dem jedes Mal in Zazies Zimmer eine Porzellanfigur vom Regal fällt – bis sich die junge Frau die Mühe macht, sie aufzufangen oder weich fallen zu lassen.

Zum Gelingen des Films tragen auch die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen bei. Alicia von Rittberg überzeugt durch bezaubernden Charme und nervöse Verwirrtheit, Edin Hasanovic darf als stoffeliger Softie mit langer Leitung und kurzen Schlafattacken für den nötigen Slapstick sorgen.

Maggie Peren verhandelt leichtfüßig ein zeitgemäßes Problem: Immer mehr junge Menschen haben Angst, sich fest zu binden. Auf die Eltern und ihre Vorbildfunktion ist kein Verlass. Wie soll man an eine dauerhafte Beziehung glauben, wenn das schlimmste Kindheitstrauma die Trennung der eigenen Eltern war? Zazie, Anton und Patrick sind „Versehrte“. Doch zur Konstruktion der Zeitschleifen-Falle gehört auch, dass sie sich verändern und aus ihrem Dilemma befreien. Bill Murray hat es vorgemacht.

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