Komödie | Deutschland 2019 | 89 Minuten

Regie: Thomas Scherer

Drei einfache Waldarbeiter finden im Wald einen Koffer mit einer Million Euro und teilen das Geld unter sich auf. Als der Gangsterboss, dem das Geld gehört, sie ausfindig macht, zwingt er das Trio, für ihn Kunstgegenstände zu stehlen. Die erste Krimikomödie in saarländischer Mundart ist als Liebeserklärung an das Saarland und seine Bewohner sympathisch und entbehrt nicht einer gewissen Drolligkeit und Originalität, bietet aber nichts, was über reine Unterhaltung hinausgeht. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Thomas Scherer
Buch
Thomas Scherer
Kamera
David Hugle
Musik
Michael Firmont · Lars Hempel
Schnitt
David Kassung
Darsteller
Bejo Dohmen (Boris) · Gerhard Polacek (Paul) · Fridolin Sandmeyer (Kalle) · Alice Hoffmann (Marianne) · Elisabeth Brück (Madame Liuba)
Länge
89 Minuten
Kinostart
11.06.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Eine Kriminalkomödie in saarländischer Mundart um drei schusselige Waldarbeiter, die das Geld von Ganoven veruntreuen.

Diskussion

„Gunn Dach, ich hann gesindischd, Herr Parrer.“ – „Das hann ich mir gedenkt, schwätz offe.“ So beginnt „Unter Tannen“, im Beichtstuhl in einer katholischen Kirche. Ein Spielfilm auf Saarländisch, gedreht im Saarland, von einem Saarländer, eine Komödie natürlich. Und es geht munter so weiter. „Du bischd mir e scheener Schlawiner, dei Sünde sinn dir verzieh“, sagt der Pfarrer, ohne dass ihm Paul auch nur ein Wörtchen davon erzählt hat, was er verbrochen hat. „Bin jo noch gar nit fertich“, sagt Paul. Wer das versteht, braucht vielleicht gar keine deutschen Untertitel, wenn der Sünder in Rückblenden die Geschichte mit dem Koffer rausrückt.

„Unter Tannen“ ist der erste saarländische Spielfilm, der ins Kino kommt. 1999 gab es schon einen halbherzigen Versuch, den plumpen Heinz-Becker-Film „Tach, Herr Dokter!“, aber der wurde in München gedreht – und hauptsächlich in Hochdeutsch. Seitdem wagte sich kein Saarländer mehr an einen langen Mundartfilm. Der bislang nur mit Kurzfilmen in Erscheinung getretene Regisseur Thomas Scherer (Jahrgang 1989), Absolvent der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, liebt seine Heimat. Er will sie populär machen, nicht lächerlich.

Die einen Bach in den Wald machen

Seine Krimikomödie wirkt authentisch, was die drei Hauptfiguren angeht: Drei einfache Waldarbeiter, zwei junge und ein älterer. Beim „Bach machen im Wald“ (pinkeln) findet einer von ihnen einen Koffer mit einer Million Euro. Die drei behalten den Koffer, womit der „Huddel“ (Ärger) beginnt und eine Gangsterkomödie mit dem Phlegma der bayerischen Heimatkrimikomödien à la „Leberkäsjunkie“ anhebt, denn auch hier stehen Typen im Mittelpunkt. Schräge Männer, ein bisschen einfältig, ein bisschen erfinderisch, auf jeden Fall originell – inklusive des dicken Kommissars mit Bart, langen Haaren und Pferdeschwanz, den nichts aus der Ruhe bringt, selbst ein Sonderermittler aus Pirmasens in der Pfalz nicht (Pfälzer und Saarländer mögen sich nicht wirklich).

Was authentisch war, wird volksstückhaft, als der nichtsaarländische Gangsterboss mit seinen Gehilfen auftaucht und sein Geld zurückhaben will. Denn das besitzen die Männer nicht mehr. Kalle hat seinen Anteil der Chefin des Mundart-Amateurtheaters „Hinkel“ (Huhn) gegeben, Paul der Wirtin seiner Stammkneipe, die vor der Pleite steht, und Boris hat einer Freundin davon erzählt, die sich mit seinem Anteil davonmacht.

Dass die Männer, allesamt Verlierertypen, das Geld nicht für sich wollten, macht aus der Komödie ums Geld eine über Frauen, Kleinganoven und das Saarland.  Natürlich gibt es auch überkandidelte Frauen à la Ohnsorg-Theater wie etwa die größenwahnsinnige Chefin des Amateurtheaters, die scheinheilige Freundin einer Waldarbeiterin und die doch sehr naive Wirtin (Alice Hoffmann, der einzige weibliche saarländische Mundartstar), die aber immer noch nicht so naiv ist wie die Waldarbeiter, die fortan für die Kleingangster ein Gemälde aus einer Galerie und ein Madonnenrelief aus der Kirche stehlen, was nicht ohne Blessuren und Tote abgeht.

Der schwarze Humor kommt mehr zum Tragen

Der Film lebt vom saarländischen Langmut, auch von einer gewissen Behäbigkeit, dem weichen Klang des Dialektes, den ländlichen Schauplätzen und einer Musik zwischen Märchen und Jazz, die alles ins Spielerische hebt. So ist „Unter Tannen“ auch entstanden. Ursprünglich war der Film eine Miniserie, die 2017 zwischen Weihnachten und Silvester im Saarländischen Rundfunk lief. Zu den damals drei Folgen kamen 2019 zwei weitere dazu. Aus den 120 Minuten hat Thomas Scherer nun einen 90-minütigen Spielfilm geschnitten, der temporeicher und pointierter ist als die fünf Einzelepisoden. Vor allem der schwarze Humor kommt mehr zum Tragen. Zwar ist „Unter Tannen“ keine filmische Offenbarung, besitzt keinen Tiefgang und nicht einmal einen Hauch von Gesellschaftskritik, aber die saarländische Mentalität trifft der Film besser als alle Heinz-Becker-Sketche.

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