Serie | USA 2021 | Minuten

Regie: Matt Ross

In den frühen 1970er-Jahren wird die USA von der Watergate-Affäre erschüttert. Im Zentrum der auf realen Ereignissen fußenden Drama-Miniserie steht die spannungsreiche Beziehung von John Mitchell, einem engen Vertrauten Nixons, und seiner Frau Martha. Diese fällt in der Öffentlichkeit mit offenherzigen Aussagen auf, was ihr eine bösartige Verleumdungskampagne des Weißen Hauses einbrachte, als sie mit ihrem Wissen über Watergate an die Öffentlichkeit ging. Die mit großer Ambivalenz gespielte Serie transportiert gekonnt die Paranoia-Stimmung der Zeit und verhandelt vor dem politischen Hintergrund die Frage, wie schwer es ist, die Wahrheit öffentlich auszusprechen. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
GASLIT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Matt Ross
Buch
Robbie Pickering · Amelia Gray · Anayat Fakhraie · Sofya Levitsky-Weitz · Max Maduka
Kamera
Larkin Seiple
Musik
Mac Quayle
Schnitt
Joe Leonard · Franklin Peterson · Lauren Connelly
Darsteller
Julia Roberts (Martha Mitchell) · Sean Penn (John Mitchell) · Dan Stevens (John Dean) · Betty Gilpin (Maureen Kane Dean) · Shea Whigham (G. Gordon Liddy)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 16.
Genre
Serie

Drama-Serie um die Watergate-Affäre, festgemacht an Martha Mitchell, Frau von John N. Mitchell, der unter Präsident Nixon United States Attorney General war. In der Serie geht es um Martha Mitchells Rolle in der Affäre und eine bösartige Verleumdungskampagne des Weißen Hauses gegen sie.

Diskussion

Wenn der Zweck jedes Mittel heiligt, dann steht es schlecht um das Vertrauen in die Demokratie. Die Watergate-Affäre Anfang der 1970er-Jahre um den US-amerikanischen Präsidenten Richard Nixon und die Republikanische Partei ist einer der berüchtigtsten Vertrauensbrüche einer Polit-Elite mit dem eigenen Volk. In die Filmgeschichte eingegangen ist das Thema mit dem Porträt der investigativen Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein, die die Affäre publik gemacht haben, in „Die Unbestechlichen“ von Alan J. Pakula, und durch die beiden Dekonstruktionen eines Machtmenschen in „Nixon“ von Oliver Stone und in „Frost/Nixon“ von Ron Howard.

In der Serie „Gaslit“ verlagern Regisseur Matt Ross und Serienschöpfer Robbie Pickering den Fokus auf die weniger bekannten Hintermänner und das Ehepaar John und Martha Mitchell, deren spannungsreiche Beziehung zur Aufmerksamkeit für und zur Aufklärung der Watergate-Affäre beigetragen hat. John Mitchell war Nixons Attorney General und Wahlkampfberater. Julia Roberts und Sean Penn verkörpern das republikanische Paar mit großer Ambivalenz. Als Martha Mitchell macht Roberts glaubhaft die Entwicklung von einer selbstgefälligen Celebrity-Frau zur vermeintlich paranoiden Opferrolle durch. Penn mit künstlichem Doppelkinn und Halbglatze schwankt als John Mitchell zwischen Fürsorge und Manipulation.

Der Martha-Mitchell-Effekt

Auf das psychische Manipulieren der Realität spielt der Titel der Serie an: „Gaslighting“. Nach Frau Mitchell wurde sogar der Ausdruck „Martha-Mitchell-Effekt“ benannt, worunter man in der Psychologie eine Fehldiagnose versteht, durch die jemand zu Unrecht als psychisch labil beziehungsweise wahnhaft eingestuft wird. Solch eine Fehldiagnose erfährt die Ehefrau, die kein Blatt vor den Mund nimmt, als sie sich in der Presse gegen den Vietnam-Krieg oder gegen die Korruption der Partei ihres Mannes offen ausspricht. Doch bis es so weit kommt, erscheint sie als lächelnde Gattin in bunten Blumen-Kleidern und schwerem Schmuck.

Die Serie setzt im Januar 1972 vor dem Einbruch im Watergate-Gebäude der Demokraten und vor der anstehenden Präsidentschaftswahl ein. Martha promotet zu dem Zeitpunkt noch fleißig ihren Ehemann im Fernsehen, doch parallel finden im Hinterzimmer des Weißen Hauses die ersten Besprechungen statt, um die gegnerische Partei auszuspionieren. Unter den ausgewählten Mitarbeitern befindet sich John Dean (Dan Stevens), der sich anfangs nervös über die Legitimität des Unternehmens äußert. Doch der Idealist wird schnell beschwichtigt: „Das ist keine Spionage. Wir reden über einfache Wissensbeschaffung.“ Das sieht dann so aus, dass Exil-Kubaner für den Einbruch engagiert werden, dass Beweise verbrannt werden und der FBI-Chef bei externen Untersuchungen bestochen wird.

Paranoia in Amerika

Die Serie punktet nicht nur mit einer detailverliebten 1970er-Vintage-Ausstattung, sondern sie erweckt gleichzeitig die bedrohliche Atmosphäre der damaligen Paranoia-Thriller von „Klute“ bis „Der Dialog“. Vom Einbruch ins Watergate-Gebäude ist hauptsächlich das punktuelle Licht der Taschenlampen zu sehen. Für Martha Mitchell macht sich die Paranoia erst langsam und dann umso extremer in ihrem goldenen Käfig breit. Sie bekommt von den dubiosen Plänen ihres Manns mit, der sie vorsichtshalber auf Urlaub mit der Tochter nach Kalifornien schickt. Dort angekommen, tauscht John Mitchell die Bodyguards aus und sperrt seine Ehefrau im Hotelzimmer ein. Weder ein Zimmermädchen noch ein Doktor glauben Martha. Sie bekommt Tabletten verschrieben und wird geschlagen und betäubt, um sie so mundtot für die Presse zu machen.

Doch da finden die Untersuchungen vom FBI bereits statt. John Dean versucht die Befragungen der Mitarbeiterschaft zu überwachen, indem er den Agenten immer wieder ins Wort fällt. Dass er nicht auf der „richtigen“ Seite der Geschichte steht, wird ihm erst durch seine Frau Mo (Betty Gilpin) klar, die schon von Anfang an kritisch gegenüber Nixon war. Als die Mächtigen ihre Handlager vor dem Gericht fallen lassen wollen, überredet Mo ihren Mann, sich als Zeuge gegen Nixon und seinen inneren Kreis zu stellen. Zu dem gehört mittlerweile auch John Mitchell nicht mehr, was Martha dazu befeuert, mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Ehe der Mitchells geht dabei immer mehr in die Brüche.

Eine Dorne in Nixons Rosengarten

So spielt die Serie eindrucksvoll auf großer politischer sowie auf kleiner privater Ebene durch, was es heißt, sich für die Wahrheit einzusetzen. Immer wieder wird Martha Mitchell in Fernsehshows mit ihrer Alkohol- und Tablettensucht konfrontiert und vor dem Gericht als psychisch instabil wie ihr Vater diskreditiert. Das Überzeugende an der Serie ist, dass sie die Hauptfigur nicht bloß zur Märtyrerin stilisiert. Ihre Widersprüche finden einen berechtigten Platz, wenn es beispielsweise um ihren entfremdeten Sohn geht. Das Tragische an der Figur ist, dass sie dadurch das öffentliche Vertrauen in ihre eigene Person verlor, obwohl sie die entscheidenden Dinge beim Namen genannt hat.

Kommentar verfassen

Kommentieren