Literaturverfilmung | USA 2021 | (zehn Episoden) Minuten

Regie: Amanda Marsalis

Eine außerirdische Spezies startet eine Invasion der Erde, wobei sie die globale Gesellschaft nach und nach immer nachhaltiger infiltriert. Die Science-Fiction-Serie schildert dies aus der Perspektive mehrerer Personen auf verschiedenen Kontinenten, die in sehr unterschiedlichen Situationen von der Katastrophe überrascht werden. Zunächst mehr ein Arthouse-Drama als ein Science-Fiction-Spektakel, punktet die Serie mit einfühlsam gezeichneten Figuren und einem interessanten Zugriff auf das Alien-Invasion-Motiv mit beunruhigenden Öko-Horror-Einsprengseln, gerät jedoch bald in konventionellere Fahrwasser. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
INVASION
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Amanda Marsalis · Jamie Payne · Jakob Verbruggen
Buch
Simon Kinberg · David Weil
Kamera
Julian Court · Laurie Rose · Armando Salas · Tim Ives
Musik
Max Richter
Schnitt
John Petaja · Eleanor Infante · Michelle Rueda
Darsteller
Sam Neill (Sheriff John Bell Tyson) · Shamier Anderson (Trevante Ward) · Golshifteh Farahani (Aneesha Malik) · Firas Nassar (Ahmed Malik) · Tara Moayedi (Sarah Malik)
Länge
(zehn Episoden) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Literaturverfilmung | Science-Fiction | Serie

Science-Fiction-Serie um eine außerirdische Spezies, die auf der Erde landet und subtil die Gesellschaften infiltriert, erzählt aus der Perspektive einer Vielzahl an Personen rund um den Globus.

Diskussion

Unser Alltag ist stressig und beschwerlich; er lässt wenig Spielraum, um auch noch eine Alien-Invasion sinnvoll in die Zeitabläufe und den persönlichen Seelenhaushalt zu integrieren. Dem Personal der Serie „Infiltration“ bleibt allerdings nichts anderes übrig. Ihre zwischenmenschlichen Querelen werden durch das jähe Auftreten einer extraterrestrischen Spezies durcheinandergewirbelt, deren Absicht bei Ankunft auf der Erde zunächst alles andere als klar erscheint.

Der Handlungsraum von „Infiltration“ erstreckt sich über den gesamten Planeten; jeder der Erzählstränge spielt auf einem anderen Kontinent. USA, England, Afghanistan und Japan sind dabei die Schauplätze des Spektakels, das sich anfangs gar nicht so spektakulär ausnimmt.

Subtiles Einschleichen ins gesellschaftliche Gewebe

Im filmischen Kontext von Alien-Invasionen fallen einem meist krachende Filme wie „Independence Day“, „Krieg der Welten“ oder der abseitigere Außerirdischen-Horror „Sie leben“ von John Carpenter ein. Die dezidierten Auslöschungs- und Übernahmevorhaben einer zivilisatorisch hochüberlegenen Besucherschaft nehmen sich in „Infiltration“ jedoch weit weniger eindeutig aus.

Der US-amerikanische Originaltitel der Serie lautet „Invasion“, doch der deutsche Titel „Infiltration“ trifft den Sachverhalt der ersten Episoden genauer. Denn die Neuankömmlinge machen nicht ausschließlich durch Feuerkraft auf sich aufmerksam; ihr Programm ist wesentlich subtiler und vollzieht sich mitunter auf zellulärer Ebene – eine gezielte Injektion, ein Eindringen in das Gewebe der globalen menschlichen Gesellschaft, deren Lebensader, das weltweite datengetragene System zum Informationsaustausch, bald vollständig zum Erliegen gebracht wird.

Der globale Shutdown ist ein zentrales Motiv der Showrunner Simon Kinberg und David Weil, die ihre Serie während der weltweiten Coronakrise verwirklichten. „Infiltration“ erzählt vom Versuch, sich angesichts einer zerrütteten Welt weiter durchzuschlagen. Zu den Protagonisten zählt Aneesha (Golshifteh Farahani). Die junge Mutter lebt mit ihrer Familie auf Long Island, bevor sie von der Untreue ihres Ehemanns erfährt, der sie mit einer jüngeren Influencerin betrügt. Er will die Familie verlassen. Zu den Trümmern ihrer privaten Existenz gesellen sich bald die einer darniederliegenden Zivilisation. In all dem Unheil und Chaos versucht Aneesha, sich mit ihren beiden Kindern durchzuschlagen. Der Sohn macht auf der Flucht einen bemerkenswerten Fund, ein außerirdisches Artefakt, das sich im Abwehrkampf gegen die Eindringlinge als recht nützlich erweist.

Begegnungen der dritten Art

Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von den Ereignissen rund um eine geniale, aber weltentrückte Wissenschaftlerin. Hinata (Rinko Kikuchi) arbeitet für die japanische Weltraumbehörde und muss mitansehen, wie ihre Geliebte (Shioli Kutsuna) inmitten des Alien-Ansturms als Astronautin im Weltall verloren geht. Die trauernde Gefährtin wird die Kontaktaufnahme mit den außerirdischen Besuchern entscheidend voranbringen.

Derweil wird eine Londoner Schülergruppe bei einem Landausflug in einen Unfall verwickelt; „etwas“ hat ihren Bus attackiert und von der Straße abgebracht. Nach dem Crash muss sich der junge Caspar (Billy Barratt), der an epileptischen Anfällen, gepaart mit dunklen Vorahnungen, leidet, gegen den Schulrowdy Monty (Paddy Holland) zur Wehr setzen. Auf seinem Weg zurück nach London stellt sich dann heraus, dass Caspar auf unheimliche Weise mit den fremden Besuchern in Kontakt steht.

In London macht er dann Bekanntschaft mit dem US-Soldaten Trevante (Shamier Anderson), der bei einem Einsatz in Afghanistan eine unheimliche Begegnung der dritten Art erlebte; seine gesamte Einheit kam dabei ums Leben. Doch dies ist nicht der einzige Schmerz im Leben des Soldaten, der ihn antreibt, einen Weg zurück nach Hause zu finden. Beim Zusammentreffen mit dem jungen Caspar findet er Gelegenheit, seine Menschlichkeit unter Beweis zu stellen.

Menschlich-allzu menschliche Aspekte

Bei „Infiltration“ handelt es sich um eine Außerirdischen-Serie, bei der die Aliens nicht im Vordergrund stehen, sondern menschlich-allzu menschliche Aspekte. Allerdings fehlt es der Inszenierung an Konsequenz, um am durchaus reizvollen Vorhaben eines „Alien Arthouse“ festzuhalten. In späteren Episoden verwandelt sich das Science-Fiction-Drama samt seinen zutiefst beunruhigenden Öko-Horror-Einsprengseln in ein eher gewöhnlich geartetes Invasions-Geschehen mit generischen Konventionen.

Die schönste Szene der Serie spielt in einer Nacht inmitten der afghanischen Wüste. Trevante lernt auf seiner Odyssee einen Einheimischen kennen. Gemeinsam sitzen sie am Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel und beginnen, nachdem sie eine Weile aneinander vorbeigesprochen haben, einander doch zu verstehen, obwohl sie verschiedene Sprachen sprechen. Was unschwer als Metapher für die menschliche Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren, zu erkennen ist. Doch kurz bevor man in der Lage wäre, die intergalaktische Malaise zu überwinden, verfällt wieder mal jemand auf die brillante Idee, eine große Bombe ins Weltall zu schicken. Dabei hätte es vielleicht nur einen Moment länger am kosmischen Lagerfeuer gebraucht, um sich gegenseitig die Lage begreiflich zu machen.

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