Action | USA/Großbritannien 2021 | 87 Minuten

Regie: Michael Sarnoski

Ein ehemaliger Sternekoch lebt als Einsiedler in den Wäldern Oregons, zusammen mit einem Trüffelschwein als seinem einzigen Gefährten. Als ihm das Tier gestohlen wird, macht er sich mit ziemlich viel Wut im Bauch auf den Weg in die Zivilisation, um seinen animalischen Begleiter zurückzuholen. Der Rachethriller ist auf den Hauptdarsteller Nicolas Cage zugeschnitten, der einmal mehr Gelegenheit für einen exzentrischen Auftritt als rächender Wutbürger erhält. Darüber hinaus entfaltet sich die Handlung etwas überraschungsarm. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
PIG
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2021
Regie
Michael Sarnoski
Buch
Michael Sarnoski
Kamera
Pat Scola
Musik
Alexis Grapsas · Philip Klein
Schnitt
Brett W. Bachman
Darsteller
Nicolas Cage (Rob) · Alex Wolff (Amir) · Cassandra Violet (Lori) · Julia Bray (Bree) · Elijah Ungvary (Scratch)
Länge
87 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Rachedrama | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Leonine
Verleih Blu-ray
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Rachethriller um einen eremitischen Trüffeljäger, dessen Trüffelschwein gestohlen wurde und der alles daransetzt, das Tier zurückzubekommen.

Diskussion

Robin Feld (Nicolas Cage) ist einer dieser Naturburschen, die in einer Hütte im Wald hausen und dabei die glücklichsten Menschen der Welt zu sein scheinen. Alles, was der Mann mit dem ergrauten Bart und den verwegenen Haaren braucht, sind die ausgedehnten Wälder Oregons – und natürlich sein Trüffelschwein. Ab und zu kommt der junge Amir in einem gelben Sportwagen vorbeigeflitzt, um die Trüffel abzukaufen. Abends bereitet Robin für sich und sein Tier eine würzige Pilzpfanne zu.

Dieses Idyll wird jäh zerstört. Zwei Junkies brechen in Robins Behausung ein und entführen das Borstentier. Völlig aufgelöst bleibt der Einsiedler zurück, der von nun an ein gebrochener Mann ist. Jedoch mit ungebrochener Wut. Zum ersten Mal seit Jahren kehrt er nach Portland zurück, dem Ort, an dem er einst als Starkoch reüssierte. Im Gourmetmilieu nimmt Maitre Feld die Fährte des verschwundenen Schweins auf. Seine Geschmackssinne sind noch immer äußerst feinnervig, was auch der Küchenchef eines Nobelrestaurants erfahren muss. Bloß bei der Suche nach dem Trüffelschwein macht Feld kaum Fortschritte.

Nicolas Cage als wütender Berserker

Wenn man Nicolas Cage in dem atmosphärischen Drama „Pig“ von Michael Sarnoski zusieht, fühlt man sich zuweilen an Lee Marvin erinnert. Ähnlich maulfaul marodierte dieser einst durch „Point Blank“ und hatte nur eines im Sinn: „Ich will mein Geld“. Auch Robin ist von einem unbedingten Willen beseelt. Beharrlich bekundet er: „Ich will mein Schwein zurück!“ Was im Laufe des Films auch Amirs skrupelloser Vater Darius (Adam Arkin) herausfindet – ein fieser und sehr mächtiger Geschäftsmann, der Robin mit einer hübschen Summe ruhigzustellen versucht.

Wenn es um sein Schwein geht, kann Robin ziemlich ungemütlich werden. Dafür lässt er sich auch im verruchten Etablissement eines gewissen Edgar krankenhausreif prügeln. Weshalb Nicolas Cage für den Rest des Films mit blutverkrustetem Gesicht zu sehen ist. Die Beziehung zu Amir, den Alex Wolff eindringlich als haltlosen Sohn aus zu reichem Hause spielt, erfährt dabei einige Höhen und Tiefen.

Nach Truffaut sei es ja die Essenz des Kinos, schöne Frauen schöne Dinge tun zu lassen. Schönheit hat aber seitdem an gesellschaftlicher Bedeutung stark eingebüßt. Heute regiert die Wut, und wer wütende Figuren braucht, findet in Nicolas Cage einen unversiegbaren Quell. Ihn beim Berserkern zuzuschauen ist immer wieder ein Vergnügen. Die Dialoge sind allerdings Geschmackssache („Du bist bloß ein Obdachloser, der sein Schwein fickt!“- „Ich ficke mein Schwein nicht!“).

Vom „Nouveau Shamanic“ ist nichts mehr übrig

Irgendwann fragt der nach Jahren heimgekehrte Starkoch einen kleinen Jungen: „Was ist denn aus dem Kaki-Baum dort geworden?“ Spätestens jetzt weiß der Zuschauer, dass er in „Cageland“ gelandet ist, jenem schwerelosen Reich der Fantasie, in dem die Gesetze der Logik außer Kraft gesetzt sind. Und trotzdem keine großen Überraschungen warten. Nichts ist mehr übrig von „Nouveau Shamanic“, jener hyperaktiven Schauspielkunst, als die Cage seinen Stil einst selbst beschrieben hat. Das mag damit zu tun haben, dass „Pig“ (wie schon „Mandy“), nicht mehr in Cages Heimat Louisiana spielt, sondern im pazifischen Nordwesten. Hier schweigen die Menschen lieber, und der schweigsamste von allen ist Robin Feld. Wenigstens einen großen Ausraster schenkt Cage aber auch dieses Mal dem Publikum.

Die Freundschaft von Robin Feld zu „Pig“ ist wunderschön. Umso bedauerlicher, dass das herzerwärmende Nutztier trotz des verheißungsvollen Filmtitels nur wenige Bildschirm-Minuten bekommt. Was Robin antreibt? Es hat wohl mit Liebe zu tun. Der Liebe zum Guten, Schönen, Wahren. Was er im Zweifel in der Küche findet. Nicolas Cage nach ausgelebter Wut beim Kochen zuzuschauen, hat dann in der Tat etwas sehr Meditatives.

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