Drama | Südkorea 2021 | 91 Minuten

Regie: Kim Changju

Als ein Banker seine Kinder in die Schule fahren will, informiert ihn ein anonymer Anrufer darüber, dass sich eine Bombe unter den Sitzen befindet, die explodiert, sobald jemand das Fahrzeug verlässt. Um zu überleben, muss der Familienvater innerhalb kurzer Zeit einen Millionenbetrag überweisen, ohne sich vom Steuer zu bewegen. Minimalistischer, fast ausschließlich im Inneren des Autos angesiedelter Thriller, der sich mit der Zeit zu einer melodramatischen Schuld-und-Sühne-Geschichte entwickelt. Trotz grob gezeichneter Figuren und abenteuerlich konstruierter Wendungen gelingt es dem Film immer wieder, aus seiner ausweglosen Situation dichte Genremomente zu schaffen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BALSINJEHAN
Produktionsland
Südkorea
Produktionsjahr
2021
Regie
Kim Changju
Buch
Kim Changju
Kamera
Kim Tae-soo
Musik
Kim Tae-seong
Schnitt
Kim Chang-ju
Darsteller
Jo Woo-jin (Sung Gyu) · Ji Chang-wook (Jin Woo) · Kim Ji-ho (Yeon Soo) · Kyung Jin (Ban) · Lee Jae-in (Lee Hye-in)
Länge
91 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Capelight
Verleih Blu-ray
Capelight
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Ein Familienvater hat seine zwei Kinder im Auto – und eine Bombe, mit der ein Erpresser den Mann dazu zwingen will, einen Millionenbetrag zu überweisen: Effektives südkoreanisches Remake eines spanischen Thrillers.

Diskussion

In einem denkbar harmlosen und alltäglichen Moment tut sich vor Sung-Gyu (Jo Woo-Jin) ein tiefer Abgrund auf. Auf dem Weg zur Arbeit will der Bank-Filialleiter noch schnell seine Kinder vor der Schule absetzen, als er einen Anruf bekommt. Die unbekannte Männerstimme behauptet, dass eine unter den Sitzen befestigte Bombe in die Luft fliegt, sobald jemand das Auto verlässt. Verhindern kann Sung-Gyu dies nur, falls es ihm innerhalb kürzester Zeit gelingt, einen hohen Millionenbetrag zu überweisen, ohne das Fahrzeug zu verlassen.

Für den Familienvater bleibt das für eine Weile noch eine leere Drohung. Als jedoch das Auto eines Kollegen explodiert, stehen plötzlich alle Zeichen auf Eskalation. Nicht nur die Streicher-Klänge des Soundtracks, deren Zupfen gerade noch leise das Ticken der Bombe imitierte, entladen sich plötzlich zu bombastischer Spannungsmusik. Auch die Stimmung im Fahrzeug kippt: die Teenager-Tochter (Lee Jae-in) weint überfordert, der durch die Explosion verletzte Sohn (Kim Tae-yool) muss eigentlich ins Krankenhaus, und der Vater versucht schwitzend, sowohl das Auto zu lenken als auch die Kinder zu beruhigen.

Inszenatorische Reduktion und emotionale Intensität

Kim Changjus Debütfilm folgt einem einfachen und mittlerweile mehrfach bewährtem Rezept. „Hard Hit“ basiert auf dem spanischen Thriller „Anrufer unbekannt“ (2015), von dem der Deutsche Christian Alvart bereits drei Jahre später ein Remake namens „Steig. Nicht. Aus!“ drehte und der dieses Jahr noch ein weiteres Mal mit Liam Neeson in der Hauptrolle verfilmt wird. Das Konzept verbindet inszenatorische Reduktion mit emotionaler Intensität und funktioniert damit wie ein mobiles Kammerspiel. Während vor den Autofenstern die trügerisch sonnige Küstenstadt Busan vorbeizieht, bleibt die Familie auf engstem Raum ihrer Ohnmacht ausgesetzt. Mit immer aufgeregteren Telefonaten versucht Sung-Gyu dabei die Arbeit an Kollegen oder seine Frau zu delegieren. Den Erpresser hat er währenddessen als allwissenden Beobachter ständig in der Leitung.

Sobald die minimalistische Situation trotz zwischenzeitlicher Explosionen und Verfolgungsjagden droht, monoton zu werden, ändert sich das Setting. Plötzlich steht Sung-Gyu mit seinem SUV umringt von Polizisten am Strand. Während unzählige Waffen auf ihn gerichtet sind, befindet sich sein Widersacher in der Anonymität der schaulustigen Menge. Dieser Mittelteil mag, was die Bewegungsfreiheit angeht, recht statisch sein, ist tatsächlich aber am spannendsten. Der zwischen feindlichen Fronten hängende Held kann zu dieser Zeit scheinbar nur noch verlieren. Aber der Überlebenstrieb und die Liebe zu seinen Kindern machen ihn stark und erfinderisch. Manches dramaturgische Manöver wirkt dabei arg an den Haaren herbeigezogen, aber je dichter der Film wird, desto leichter lässt sich das vergessen.

Was Extremsituationen aus Menschen machen

Der Film sucht nicht nur nach einem strategischen Ausweg, sondern interessiert sich auch dafür, was die Extremsituation mit seinem Protagonisten macht. Erst am Rande des Nervenzusammenbruchs scheint Sung-Gyu wieder den guten Kerl in sich reanimieren zu können. Hat er seine Kinder zuvor noch vernachlässigt, einigt er sich mit seiner Tochter im Angesicht der Katastrophe gleich mal auf einen gemeinsamen Filmabend. Im drohenden Verlust erkennt „Hard Hit“ therapeutische Kraft.

Diese Tendenz führt Kim sogar noch einen Schritt weiter. Immer stärker zeichnet sich ab, dass der wohlhabende Familienvater im gut sitzenden Anzug auch seine Leichen im Keller hat und der Anrufer in Wahrheit eine alte Rechnung begleichen will. „Hard Hit“ wandelt sich dadurch immer stärker zur melodramatisch aufgepeitschten Schuld-und-Sühne-Geschichte. Dass der moralische Konflikt ziemlich schablonenhaft bleibt, liegt daran, dass sich in der ständigen Aufregung kaum Zeit findet, den Figuren ein wenig Tiefe zu verleihen. Die Momente, in denen sich die Schlinge immer enger um den Hals seines Helden zieht, kostet der Film dafür aber durchaus effektiv aus.

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