The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

Abenteuer | USA 2022 | 112 Minuten

Regie: Aaron Nee

Eine erfolgreiche Autorin von Liebes- und Abenteuerromanen wird bei einer Lesetour von einem exzentrischen Milliardär entführt, der sich von ihr Erkenntnisse über eine verlorene Stadt mit riesengroßem Schatz erhofft. Plötzlich findet sie sich die Autorin zusammen mit dem männlichen Cover-Model ihrer Bücher im Urwald einer Pazifik-Insel wieder und muss um ihr Überleben kämpfen. Schematisch entwickelte, alberne und belanglose Abenteuerkomödie, die sich zahlreicher Versatzstücke des Genres bedient und nur in wenigen Momenten überzeugen kann. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE LOST CITY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Aaron Nee · Adam Nee
Buch
Oren Uziel · Dana Fox · Adam Nee · Aaron Nee
Kamera
Jonathan Sela
Musik
Pinar Toprak
Schnitt
Craig Alpert
Darsteller
Sandra Bullock (Loretta Sage) · Channing Tatum (Alan) · Daniel Radcliffe (Fairfax) · Oscar Nuñez (Oscar) · Brad Pitt (Jack Trainer)
Länge
112 Minuten
Kinostart
21.04.2022
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Abenteuer | Action | Komödie

Abenteuerkomödie um eine Bestsellerautorin und ein Cover-Model, die im Urwald auf einer Pazifik-Insel nach einem Schatz sucht.

Diskussion

Der weinrote, glitzernde Jumpsuit, den Sandra Bullock in diesem Film trägt, ist sehr eng und sehr auffällig. Ein erotischer Blickfang, der die Figur der Schauspielerin wie eine zweite Haut nachzeichnet. Das grelle Outfit könnte auch so etwas wie Lockerheit, Lebensfreude und Verführbarkeit signalisieren. Denn dieser Anzug ist dazu geschaffen, die Blicke auf sich zu ziehen und Begehrlichkeiten zu wecken. Allerdings spielt „The Lost City“ überwiegend im Urwald einer Pazifik-Insel. Einteiler, die die Bewegungsfreiheit einschränken, sind da äußerst unpraktisch. Die Signalwirkung verpufft folgenlos. Da ist niemand, der Sandra Bullock ein Kompliment machen oder ihre erotische Ausstrahlung zur Kenntnis nehmen könnte. Bis auf den Kinozuschauer natürlich. Ein fast schon surrealer Moment.

Die hadernde Autorin und das Cover-Model

Bullock spielt Loretta Sage, eine griesgrämige, aber sehr erfolgreiche Autorin von Liebes- und Abenteuerromanen. Der Kummer über den überraschenden Tod ihres Mannes bedroht allerdings ihre Karriere, Loretta hat für die Oberflächlichkeit ihrer Bücher nur noch Verachtung übrig. Da kommt ihre Agentin auf die Idee, sie zusammen mit dem Model Alan (Channing Tatum), der die Cover ihrer Bücher ziert, anlässlich ihres letzten Buches auf Lesereise zu schicken.

Dummerweise wird Loretta während der Tour von einem exzentrischen Milliardär namens Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt. Fairfax erhofft sich von ihr Erkenntnisse über den genauen Standort einer verlorenen Stadt, in der ein riesengroßer Schatz versteckt sein soll. Der nicht sehr helle, aber doch verantwortungsvolle und sensible Alan fliegt der Entführten mit heroischen Rettungsabsichten hinterher. Plötzlich findet sich das ungleiche Paar mitten in einem unwegsamen Dschungel wieder und kämpft ums Überleben.

Genau das, was man erwartet

Eine Bestsellerautorin mit männlichem Partner auf der Suche nach einem Schatz? Das erinnert selbstverständlich an Kathleen Turner und Michael Douglas in Robert Zemeckis’ Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten. Auch Steven Spielbergs Jäger des verlorenen Schatzes (mit Harrison Ford und Karen Allen) sowie zahlreiche weitere Abenteuerkomödien kommen einem in den Sinn. Spätestens, wenn man aus der Ferne die kleine Insel mit dem gefährlich brodelnden Vulkan entdeckt, weiß man, was von nun an passieren wird. Die Autoren und Regisseure Adam und Aaron Nee geben dem Zuschauer genau das, was er erwartet. Sie kennen jedes Versatzstück, von der unwilligen Heldin über den skrupellosen Bösewicht bis hin zum attraktiven Drehort.

Natürlich kann man darin so etwas wie Vertrautheit und Behaglichkeit entdecken – bloß keine Experimente, die den Zuschauer verschrecken und aus seiner angenehmen Rezeptionshaltung reißen könnten. Doch was „The Lost City“, im Gegensatz zu den Vorbildern, fehlt, sind Leichtigkeit und Rasanz, Action und Spannung, Charme und Selbstironie. Viel zu schematisch, albern und belanglos treibt das Regie-Tandem die Geschehnisse voran.

Brad Pitt und der Einteiler überraschen

Dabei ist der Film paradoxerweise immer dann am besten, wenn er den Zuschauer nicht umschmeichelt, sondern überrascht, zum Beispiel mit einem denkwürdigen Cameo von Brad Pitt als Meditations-Guru und Nahkampf-Experte oder eben mit der Sinnlosigkeit von Lorettas grellem Einteiler. Dabei gehört er nicht einmal ihr. Der Jumpsuit ist nur von einem Kostümverleih geborgt und sollte idealerweise in tadellosem Zustand zurückgegeben werden. Doch man ahnt es schon: Im Lauf der Geschehnisse verliert er nicht nur Arme und Beine, sondern auch seine Form und somit seine erotische Aufladung. Loretta Sage ist endlich wieder sie selbst.

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