The Danish Woman
Drama | Island/Frankreich/Deutschland 2025 | 306 Minuten
Regie: Benedikt Erlingsson
Filmdaten
- Originaltitel
- DANSKA KONAN
- Produktionsland
- Island/Frankreich/Deutschland
- Produktionsjahr
- 2025
- Produktionsfirma
- Slot Machine/Gullslottid/Zik Zak Filmworks
- Regie
- Benedikt Erlingsson
- Buch
- Benedikt Erlingsson · Ólafur Egill Egilsson
- Kamera
- Bergsteinn Björgúlfsson
- Musik
- Matti Kallio
- Schnitt
- David Alexander Corno
- Darsteller
- Trine Dyrholm (Ditte Jensen) · Kristín Þóra Haraldsdóttir (Gulla) · Hilmar Guðjónsson (Thorir) · Halldóra Geirharðsdóttir (Soffía) · Hjalmar Hjalmarsson (Kristinn)
- Länge
- 306 Minuten
- Kinostart
- -
- Fsk
- ab 12; f
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 14.
- Genre
- Drama | Komödie | Serie
- Externe Links
- IMDb | TMDB | JustWatch
Schwarzhumorige Serie über eine frühere Geheimdienst-Agentin aus Dänemark, die in ihrer neuen Heimat Island rabiat gegen Alltagsrüpel in ihrem Wohnblock vorgeht.
Eigentlich schade, dass Helden wie James Bond, Ethan Hunt und Jack Reacher ihre speziellen „Skill Sets“ vornehmlich im Kampf gegen Superschurken einsetzen. Wäre es nicht schön, auch mal den ganzen Schmalspur-Rüpeln, die einem im Alltag auf die Nerven gehen, mit Agenten-Power Mores zu lehren? Wer diese Wunschfantasie schon mal hatte, sollte sich auf jeden Fall die sechs Episoden von „The Danish Woman“ nicht entgehen lassen. Die von Trine Dyrholm gespielte Hauptfigur, die kürzlich in einen Wohnblock im isländischen Reykjavik gezogen ist, mag zwar aussehen wie eine ganz normale Mittfünfzigerin. Doch Ditte Jensen – so heißt die unwiderstehliche Antiheldin von Benedikt Erlingssons schwarzhumorigem Krimistoff – hat früher als Elitesoldatin und Geheimdienstagentin in den Krisengebieten dieser Welt jede Menge knallharter Dinge gemacht und nichts davon verlernt. Und sie verfügt nicht nur über strikte Vorstellungen von Anstand, sondern hat auch keine Hemmungen, diese zur Not mit krimineller Energie durchzusetzen.
Von der Katze zu menschlichen Übeltätern
Das bekommen bald auch ihre neuen isländischen Nachbarn zu spüren. Zuerst ist es nur die freche Katze, die auf ihr Karottenbeet kackt, die dran glauben muss. Doch bald sind auch menschliche Übeltäter dran. Der Lärmbelästiger, der das Haus noch nach 22 Uhr mit lauter Musik beschallt, bekommt zwar erstmal eine freundliche Mahnung, aber als diese nichts fruchtet, greift Ditte hart durch, was dafür sorgt, dass der rücksichtslose Partylöwe erstmal aus dem Verkehr gezogen ist. Als sie mitbekommt, dass eine jüngere, alleinerziehende Nachbarin mit ihrem Games-süchtigen Teenager-Sohn nicht klarkommt und der Junge sich benimmt wie die Axt im Wald, wendet sie hinter dem Rücken der Mutter Erziehungsmaßnahmen an, bei denen jedem feinfühligen Pädagogen die Haare zu Berge stehen würden, die ihren Zweck aber durchaus erfüllen. Und wehe dem Kerl, der seine Freundin misshandelt!
Zwar ist Erlingssons Protagonistin längst nicht so psychopathisch-enthemmt wie US-Kollege „Dexter“, ihr heimlicher Feldzug gegen unterschiedlichste Formen von asozialem Verhalten, während sie nach außen hin die biedere, nur ein bisschen pedantische Mitbürgerin mimt, funktioniert aber durchaus nach einem ähnlichen Schema und befriedigt ähnliche Rachefantasien. Dabei versteht es Erlingsson, die Figur nicht zu sehr „weich zu waschen“, sondern sorgt zusammen mit der trefflich aufspielenden Trine Dyrholm dafür, dass man von der radikalen Ditte gleichermaßen hingerissen wie schockiert ist. Die Figur strömt eine ähnlich wildentschlossene Power aus wie die Heldin in Erlingssons „Gegen den Strom“. Darüber hinaus überzeugt aber auch die Zeichnung des Wohnblock-Milieus, in das Erlingsson die dänische Kämpferin verpflanzt: In der kleinbürgerlichen Nachbarschaft treffen die unterschiedlichsten Typen aufeinander, was eine Steilvorlage dafür bietet, mit einer Vielzahl von aktuellen Themengebieten zu spielen, die von Umweltverschmutzung bis zu Abschiebung reichen.
Ditte ist ihre Verstrickungen nicht losgeworden
Dramaturgisch balanciert Erlingsson Episodisches und Übergreifendes aus. Pro Folge gelten die Schwerpunkte verschiedenen Missetätern, mit denen Ditte aneinandergerät, während sich die Frage, was Ditte genau für eine Vergangenheit hat und wie die in ihre Gegenwart hineinwirkt, für episodenübergreifenden Drive sorgt. Denn schon gleich zu Beginn steht fest, dass Ditte in Island ihre früheren dänischen Geheimdienst-Verstrickungen nicht losgeworden ist. Sie wird beobachtet; man will noch etwas von ihr. Für den ersten Agenten, der sich traut, sie in ihrem neuen Zuhause zu belästigen, endet das zwar noch mit Prügeln und einem Rauswurf. Doch wenn eine Patriotin wie Ditte, die immer ein bisschen konsterniert ist, wenn ihre isländischen Nachbarn sich weigern, Dänisch mit ihr zu sprechen, vom Vaterland gerufen wird – kann sie dann langfristig nein sagen?
Fast würde man ihr am Ende von Folge 6 eine Fortsetzung wünschen. Warum nicht Ditte als nächstes nach Grönland schicken? Wenn Trump dann käme mit seinen Einverleibungs-Ambitionen, könnte die dänische Moralkeule beweisen, dass sie auch mit Superrüpeln kurzen Prozess macht. Zuzutrauen wäre es ihr.