Mutters Courage

Literaturverfilmung | Deutschland/Großbritannien/Österreich 1995 | 92 Minuten

Regie: Michael Verhoeven

Auf der Grundlage von George Taboris Erzählung "Mutters Courage" schildert der Film den Tag im Leben von Taboris Mutter Elsa, an dem sie verhaftet und nach Auschwitz verfrachtet wurde. Durch eine Unbotmäßigkeit an der Grenzstation gelingt es ihr jedoch, dem Todeszug zu entkommen. Erste deutsche "schwarze Komödie über den Holocaust", deren groteske und slapstickhafte Momente im Wissen um die "jüdische" Autorenschaft der Vorlage nicht weiter aufstoßen. Beeindruckend sowohl als ernsthafter Versuch, das komplizierte Räderwerk der Vernichtungsmaschinerie aufzudecken als auch im Bestreben, dem Unvorstellbaren Gestalt zu verleihen. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Großbritannien/Österreich
Produktionsjahr
1995
Regie
Michael Verhoeven
Buch
Michael Verhoeven
Kamera
Michael Epp · Theo Bierkens
Musik
Julian Nott · Simon Verhoeven
Schnitt
David Freeman
Darsteller
George Tabori (Tabori) · Pauline Collins (Mutter) · Ulrich Tukur (Offizier) · Natalie Morse (Maria) · Heribert Sasse (Kelemen)
Länge
92 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Literaturverfilmung

Heimkino

Bei Kinowelt ist eine Verhoeven-DVD-Box (4DVDs) erschienen, die die Filme "Das schreckliche Mädchen", "Die weiße Rose" und "Mutters Courage" kompiliert. Diese drei Filme werden auf der mit großem Engagement und viel Sachkenntnis konzipierten Edition durch erhellende Interview-Passagen mit Michael Verhoeven sowie zahlreichen weiteren Extras ergänzt, u.a. geschnittene Szenen, Kurzfilme ("Frau Goldmann und der liebe Herrgott") und dokumentarische Fernsehbeträge Michael Verhoevens (darunter "Die kleine Schwester", eine bewegende Ergänzung zur aktuellen Wahrnehmung von "Die weiße Rose"). Im Mittelpunkt der vierten DVD steht der Dokumentarfilm "Die Verhoevens" von Felix Moeller (Dt. 2003, 75 Min.), ein aufschlussreiches Gruppenporträt der Künstlerfamilie Verhoeven, deren Mitglieder bereits in der dritten Generation vor und hinter der Kamera stehen. Alle Filme sind ebenfalls als Einzel-DVD erhältlich. Wegen des sich ergänzenden Informationswertes ist die mustergültige DVD-Box mit dem "Silberling 2004" ausgezeichnet.

Verleih DVD
Kinowelt (16:9, 2.35:1, Mono dt.)
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Diskussion
Es gibt Tabus, die zerstört werden müssen, wenn wir nicht ewig daran würgen sollen." Falsches Betroffenheitspathos oder ästhetische Verbote haben George Tabori nie in Bann geschlagen. Sein erstes Theaterstück auf deutschen Bühnen, "Die Kannibalen" 1969 in Berlin, handelte von der Ermordung seines. Vaters Cornelius im Konzentrationslager, "My Mother's Courage" 1979 in München davon, wie es seiner Mutter Elsa gelang, aus dem Todeszug nach Auschwitz zu entkommen. Statt elegischer Trauer oder wütender Attacken setzte der 1914 in Budapest geborene Tabori auf Ironie und Sarkasmus, provozierte mit seiner Verbindung von Tragikomödie und Judenvernichtung, die nicht nur bürgerlichem Kunstgenuß schwer im Magen lag. Wenn man anerkenne, daß der Inhalt eines jeden Witzes eine Katastrophe sei, so Tabori, läge die Umkehrung nicht fern: Todernstem im Witz und mit (Galgen-)Humor zu begegnen. Die ironisch-skeptische Distanz, die eine solche Haltung der Wirklichkeit gegenüber erlaubt, hat den Stoff wohl auch für Michael Verhoeven interessant gemacht, der Taboris 1981 veröffentlichte Erzählungfassung "Mutters Courage" für die Leinwand adaptierte. Mit "Die weiße Rose" (fd 23 649) und "Das schreckliche Mädche

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