Jonny Greenwood

Mittwoch, 25.04.2018

Ein Porträt des Radiohead-Gitarristen, der in den Filmen von Paul Thomas Anderson und Lynne Ramsay eine erstaunliche Begabung für Filmmusik entwickelt hat

Diskussion

Am Ende von „We Need to Talk About Kevin“ verlässt Tilda Swinton wortlos das Gefängnis, in dem ihr Sohn nach einem Massaker an seinen Mitschülern einsitzt. Regisseurin Lynne Ramsay schickt die Figur in eine Weißblende und gönnt dem am Boden zerstörten Zuschauer während des Abspanns wenigstens ein paar Minuten Dunkelheit. Bis zu diesem Zeitpunkt musste der Komponist Jonny Greenwood nicht viel zu dem Film beitragen. Seine Musik während der zweistündigen Tragödie passte auf eine DIN A4-Seite. Doch jetzt, als die weiße Schrift über die schwarze Leinwand huscht, ist fünf Minuten lang Unterstützung erfordert. Ganz unaufgeregt tönt der Sound aus dem Computer: leicht bedrohlich, auf keinen Fall versöhnlich. Greenwood hat keinen Balsam für die verwundete Seele parat, was richtig ist, da der Film im Finale die aufgeworfenen Fragen nicht auflöst.



Es kommt immer mal wieder vor, dass Musiker den Sprung von der Showbühne ins Filmgeschäft wagen. Trent Reznor ist ein berühmtes Beispiel, der seine Band „Nine Inch Nails“ verließ, um zusammen mit Atticus Ross für David Finchers „The Social Network“ die Musik zu schreiben. Lisa Gerrard und Pieter Bourke von „Dead Can Dance“ sind ein weiteres Beispiel. Ohne sie wären die Filmmusiken zu „Gladiator“ oder „The Insider“ nicht denkbar gewesen. David Byrne, Sting, Pharrell Williams: Die Liste der Popstars im Filmmusik-Business ließe sich endlos fortschreiben. Doch während die einen ihre Melodien in Trickfilmen und Musicals lediglich gewinnbringend vermarkten, haben andere etwas zu sagen. Jonny Greenwood gehört zu letzteren.


Von Radiohead zu „There Will Be Blood“

Bekannt wurde der 1971 in Oxford geborene Musiker als Leadgitarrist der britischen Rockband Radiohead, einer der wenigen Bands, die seit Beginn der 1990er-Jahre auf der wirren Welle der Stile und Strömungen ganz oben surfen. Radiohead avancierte im Bereich des Alternative Rock zu einer Institution. Greenwood ist zwar nicht der Kopf der Band; als solcher fungiert eher der charisma

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