Die „Oscar“-Nominierungen 2019

Dienstag, 22.01.2019

Am 22.1. wurden die Kandidaten für die 91. "Academy Awards" bekannt gegeben

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Sowohl Spike Lees „BlacKkKlansman“ als auch Peter Farrellys „Green Book“ gehören zu den Filmen, die im Rahmen der 91. Verleihung der Academy Awards am 24.2. für einen „Oscar“ als bester Film nominiert sind: Das Thema Rassismus, das beide Filme auf hintersinnig-tragikomische Weise aufgreifen, scheint auch für die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die die Auszeichnungen verleiht, besondere Dringlichkeit zu haben. Unter die illustren Acht, die um die Auszeichnung konkurrieren, hat es außerdem auch der „schwarze“ Blockbuster aus dem Marvel-Universum, „Black Panther“, geschafft – nebenbei auch die erste Comic-Verfilmung, der diese Ehre zuteilwird. Barry Jenkins‘ Drama „Beale Street“, das nach James Baldwins gleichnamigem Roman von der fälschlichen Anklage eines Afroamerikaners wegen Vergewaltigung im Harlem der 1970er-Jahre erzählt und durchaus ebenfalls einen würdigen Kandidaten abgegeben hätte, musste sich dagegen mit Nominierungen in den Kategorien „Beste Nebendarstellerin“, „Filmmusik“ und „Adaptiertes Drehbuch“ zufrieden geben. Stattdessen konkurrieren noch Bradley Coopers Neuinterpretation von „A Star Is Born“ und Adam McKays „Vice“ um die „Bester Film“-Ehre.

Rein zahlenmäßige Favoriten bei der kommenden „Oscar“-Verleihung sind zwei Filme, die gar nicht aus den USA stammen, sondern aus Mexiko und aus Großbritannien: Alfonso Cuaróns Netflix-Produktion „Roma“ – die einlenkende Haltung des Streamingdienstes in Sachen Kinoauswertung hat sich sichtlich ausgezahlt – und Yorgos Lanthimos‘ historische Satire „The Favourite“ gehen in jeweils zehn Kategorien ins Rennen, darunter die glamourösen Sparten „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Hauptdarstellerinnen“. Auch Bryan Singers Porträt der Band Queen, „Bohemian Rhapsody“, der dieses Jahr bereits den „Golden Globe“ als bester Film in der Kategorie „Drama“ erhalten hat, kann sich mit fünf Nominierungen, u.a. als bester Film und für den besten Hauptdarsteller, berechtigte Hoffnungen auf einen Preis machen.

Neben Freddie-Mercury-Darsteller Rami Malek haben es auch noch weitere Newcomer in die Darsteller-Auswahl geschafft: So finden sich die „Roma“-Darstellerinnen Yalitza Aparicio und Marina de Tavira und die Musikerin Lady Gaga in ihren Kategorien neben erstmals nominierten Darstellerinnen wie Olivia Colman und Regina King, während sich Glenn Close mit der siebten Nominierung ihrer Karriere für „Die Frau des Nobelpreisträgers“ berechtigte Hoffnungen auf ihre erste Auszeichnung machen kann. Kaum weniger überfällig ist Amy Adams, die in der Nebendarstellerinnen-Kategorie mit „Vice“ zum sechsten Mal ins „Oscar“-Rennen geht. Bei den Nebendarstellern sind u.a. die beiden letzten Preisträger Sam Rockwell und Mahershala Ali erneut dabei, spannend verspricht jedoch vor allem das Hauptdarsteller-Duell zu werden: Neben Rami Malek dürften hier mit Christian Bale (als Dick Cheney) und Willem Dafoe (als Vincent Van Gogh) zwei weitere biografische Leistungen gute Chancen haben.

Mit in die Auswahl geschafft hat es auch ein deutscher Film: Florian Henckel von Donnersmarcks Künstler-Drama „Werk ohne Autor“ gehört neben „Cold War“, „Capernaum“, „Roma“ und „Shoplifters“ zu den Filmen, die um die Trophäe als bester fremdsprachiger Film konkurrieren; zudem hat der Film Caleb Deschanel eine Nominierung für die beste Kameraarbeit eingebracht. Berechtigte Hoffnungen darf sich auch eine sehenswerte deutsche Co-Produktion machen: „Of Fathers and Sons“, ein Film über einen Syrer, der seine zahlreichen Söhne zu radikalen Islamisten erzieht, ist als bester Dokumentarfilm nominiert.

Außerdem bemerkenswert: Eine längst überfällige „Oscar“-Nominierung geht an Regisseur und Autor Paul Schrader. Sein Film „First Reformed“ geht als Anwärter auf eine Auszeichnung fürs beste Originaldrehbuch ins Rennen. Eine mehr als überfällige Ehre für den Mann, der einst mit seinem Skript für „Taxi Driver“ Filmgeschichte schrieb.

Hier die Übersicht über alle Nominierungen.


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