Die Frauen waren dabei

Mittwoch, 28.08.2019

Eine neu erschienene Buchpublikation und eine Filmreihe in Berlin erinnern an die wenig bekannte, durchaus komplexe Rolle von DDR-Filmemacherinnen in der von Männern beherrschten DEFA

Diskussion

Das neu erschienene Buch „Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme“ trägt in vielen Einzel-Porträts und zwei DVDs mit Filmbeispielen der durchaus bedeutenden Rolle Rechnung, die Filmemacherinnen im Kino der DDR einnahmen. Zusammen mit einer kleinen Retrospektive im Berliner Zeughauskino ab dem 29. August zeichnet die Publikation ein komplexes Bild von Frauen in der vorrangig von Männern geleiteten DEFA.


„Die volle Gleichberechtigung der Frau ist nur dann gewährleistet, wenn sie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens mitarbeiten kann.“ Dieser Satz klingt wie aus der Präambel eines Gesetzes, stammt aber aus einem der ersten Filme einer DEFA-Regisseurin. Ella Ensink realisierte den Film „Unsere Frauen im neuen Leben“ (1951) gemeinsam mit ihrem Kollegen Erwin Anders.

Als Ensink 1946 bei der frisch gegründeten DEFA anfing, war sie bereits eine Veteranin des Films. Seit den frühen 1910er-Jahren hatte sie bei der Decla gearbeitet, unter Erich Pommer und später mit allen Größen des deutschen Stummfilms. Ensink war bei der Ufa als Regieassistentin beschäftigt, bei der Tobis als Chefschnittmeisterin und trat nicht selten als treibende Kraft hinter den Produktionen in Erscheinung: „Die Regisseure gingen immer schon früher weg, und ich machte den Film zu Ende.“

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Ensinks Film sollte ursprünglich den schlichteren Titel „Die Frauen sind dabei“ tragen, was von der DEFA-Leitung aber verworfen wurde. Der Film mag von heute aus betrachtet recht staatstragend wirken. Ensink zeigt Frauen in Ingenieurberufen und an Werkbänken und Maschinen. Der Erfolg der Frauen erlaubt ihnen, ihre Männer bei einem Kulturabend auch mal auszulüften. Die Männer mögen den Frauen an den Werkbänken und Maschinen auffällig oft über die Schulter blicken, ein Blick nach Westdeutschland macht dennoch deutlich, dass das Frauenbild in der DDR der frühen Jahre progressiver war. In der BRD drehte Hanna Hirsch, eine der wenigen Frauen, die in den 1950er Jahren überhaupt als Dokumentarfilmregisseurin arbeiten konnte, im Auftrag einer Porzellanmanufaktur filmische Tipps zum schön gedeckten Tisch.

Werbung für die Gleichberechtigung der Frau

„Die Frauen sind dabei“ wäre der bessere Titel gewesen für das, was die frühen Filme von DEFA-Regisseurinnen eint: die Betonung der formalen Gleichberechtigung, die berufliche Gleichstellung, die vor allem in den Köpfen erst noch ankommen musste. Eva Fritzsche lässt es sich in „Die Brücke von Caputh“ (1949) nicht nehmen, die Mitarbeit von Frauen am Aufbau nach dem Krieg zu betonen. Sie fügt die „Grobschmiedinnen“ beispielhaft ein in die Gemeinschaftsleistung des Aufbaus und in die Würdigung der Arbeit, die den Film als roter Faden durchziehen. Gleichberechtigung wird in jenen Jahren vor allem durch gleichberechtigt „werktätige“ Frauen auf die Leinwand gebracht.

„Die Gleichberechtigung der Frau in der Familie ist besonders schwierig zu verwirklichen, weil hier die hartnäckigsten Rückstände im Bewusstsein zu überwinden sind“, führte die DDR-Justizministerin Hilde Benjamin im Januar 1958 auf einem Frauenseminar des Zentralkomitees aus. 1951 zeigte Marion Keller in „Kindergärten“ die Bedeutung der Kindergärten für arbeitende Frauen. Was in Westdeutschland erst in den 1960er-Jahren im Zuge der Kinderladenbewegung auf die Tagesordnung rückte, wird hier schon thematisch ausgebreitet. Statt jedoch wie in den westdeutschen Filmen des frühen Feminismus die Kindererziehung als geschlechterpolitische Verteilungsfrage zu thematisieren, rückt Keller den Kindergarten als staatliche Dienstleistung ins Zentrum. Auf die Präsentation der politischen Grundlagen folgt die Schilderung eines Tagesablaufs in einem Kindergarten.

Die promovierte Physikerin Keller hatte gemeinsam mit ihrem Mann Kurt Maetzig die Wochenschau der DEFA begründet, deren Namen „Der Augenzeuge“ von Keller stammt. Von 1947 bis 1949 war sie die Chefredakteurin des „Augenzeugen“, wurde nach sich verstärkenden Spannungen aber im Oktober 1949 durch Günter Klein ersetzt und Ende März 1950 gekündigt. Keller arbeitete zunächst freiberuflich als Journalistin und verließ 1955 die DDR.

Zu sehen in der Reihe im Zeughauskino: "Seitensprung" (1979) von Evelyn Schmidt
Zu sehen in der Reihe im Zeughauskino: "Seitensprung" (1979) von Evelyn Schmidt

Dass die Geschichte der DEFA-Regisseurinnen nach vielen Jahren allmählich sichtbar wird, verdankt sich einem langjährigen Projekt von Cornelia Klauß von der Akademie der Künste in Berlin und Ralf Schenk, dem Leiter der DEFA-Stiftung. Nach vier Jahren Vorarbeit erschien in diesem Jahr das Buch „Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme“ (bei Bertz & Fischer) mit einer Vielzahl von Porträts. Jeder Beitrag ist durch eine Filmografie ergänzt, die das Sichten der Filme erheblich erleichtert. Das Buch ist für sich schon ein Meilenstein, das zudem um zwei reich mit Filmen gefüllten DVDs ergänzt ist.

Flankierend zur Publikation startet am 29. August im Zeughauskino in Berlin eine Mini-Retrospektive, die in sechs Programmen einen Bogen über weniger bekannte Filme von DEFA-Regisseurinnen schlägt. Herausgekommen ist ein komplexes Bild von Frauen in der vorrangig von Männern geleiteten DEFA. Blickt man auf die Regisseurinnen, gibt es vor allem in den Anfangsjahren mehr Frauen, die Filme realisieren konnten als in der BRD. Ein Ungleichgewicht, das sich in späteren Jahren eher ausgleicht. Blickt man auf die Gewerke des Films, den Schnitt, Trick, Kostüme usw. waren Frauen sowohl bei der DEFA wie in Westdeutschland ohnehin kontinuierlich präsent. Ähnlich wie in Westdeutschland waren Frauen im Film der DEFA im Spielfilm schwach und dafür im Dokumentar- und Animationsfilm etwas stärker vertreten. Zugleich waren die Regisseurinnen der DEFA als Frauen jedoch rechtlich besser gestellt, als Frauen in der BRD es lange waren. Cornelia Klauß formuliert es in der Einleitung des Bandes so, dass „die politisch definierte Gleichberechtigung von Frauen [...] als Möglichkeit der Selbstbestimmung empfunden wurde.“

Gitta Nickels „Wir verstehen uns“

Turnübungen, Knetmasse und Kinderlieder. Gitta Nickels Regiedebüt „Wir verstehen uns“ (1965) zeigt den Alltag in einem deutsch-sowjetischen Kindergarten. Gleich mit ihrem ersten Film etablierte Nickels präzise Alltagsbeobachtungen und führte das empathische Augenmerk auf Frauen am Arbeitsplatz fort, das viele Filme von DEFA-Regisseurinnen prägt. Nickel schloss 1957 ihr Studium der Pädagogik an der Humboldt-Universität ab und begann als Regieassistentin im Studio für populärwissenschaftliche Filme, später für Spielfilme. Ihr Weg zum Dokumentarfilm startete mit einem Wechsel in die Gruppe von Karl Gass. Nickel arbeitet kontinuierlich, stellt jedes Jahr mindestens einen, oft auch mehrere Filme fertig. Die politisch schwierige Zeit nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Jahr 1965, dem berüchtigten Verbotsplenum, umschiffte sie geschickt mit einer Reihe von Filmen über deutsch-sowjetische Themen.

Die Filmreihe im Zeughauskino läuft vom 29.8. bis 14.9.
Die Filmreihe im Zeughauskino läuft vom 29.8. bis 14.9.

Nachdem sie 1966 in „... dann springt mein Herz“ die DDR-Tournee eines Kulturensembles der sowjetischen Streitkräfte begleitet und die Musiker porträtiert hatte, wandte sie sich 1968 mit „Lieder machen Leute“ dem Oktoberklub und der Singebewegung zu. Der Film führte mehrere Linien zusammen, die Nickels Filme prägen. Das Porträt des Berliner Ensembles führt keine propagandistischen Helden, sondern ernsthaft arbeitende junge Menschen vor. Die Mitglieder des Oktoberklubs sinnieren über die Veränderungen, die die Mitwirkung in der Polit-Pop-Combo mit sich bringt, über neue Beziehungen und Haarschnitte (kein Yeah! Yeah! Yeah!). Nickels zeigt den Oktoberklub bei der Arbeit an den Liedern, bei Stimmübungen und der Diskussion von Liedtexten. Bei letzteren verrennt sich Hartmut König, der Star des Ensembles, der später zum staatstragenden Politbarden aufquellen sollte, in schwülstige Formulierungen.

Auch in „Lieder machen Leute“ liegt das Augenmerk auf den weiblichen Mitgliedern des Oktoberklubs. In den Bildern ihrer Auftritte, den Selbstauskünfte oder den Blicken, mit denen sie Königs Lesung eines neuen Liedtextes begleiten, werden die Oktoberklub-Frauen als Gegenpol zur Darstellung des kleinen Stars König inszeniert. Mit seinen Schwarz-weiß-Bildern, durch die ein Hauch Existentialismus weht, unterstreicht der Film, wie sehr der Oktoberklub auf der Höhe der Zeit ist.

Dass Nickel diese Tendenz zur oberflächlichen Zeitgeistigkeit etwas überzieht, ist auch eine der größten Schwächen von „Sie“, in dem sie 1970 Frauen verschiedener Lebenswege befragt. Die präzisen Alltagsbeobachtungen und Gespräche über konkrete Probleme vertragen sich nicht so recht mit dem gewollten Pep, den die Titelsequenz aus Pop-Art-Schrift und graphisch eindrücklichen weiblichen Gesichtsdetails sowie ähnlich gestaltete Zwischensequenzen in den Film bringen will. Viele von Nickels späteren Fernsehporträts über Frauen, zunächst in der DDR, später im wiedervereinigten Deutschland, erweisen sich als weit aussagekräftiger für die Lebensumstände von Frauen in Gesellschaften, die nur nominell nicht patriarchal sind.

Nur nominell nicht patriarchal

Dennoch ist „Sie“ im Blick auf die Arbeit von DEFA-Regisseurinnen und die Repräsentation von Frauen im DEFA-Dokumentarfilm ein wichtiger Schritt. Wenige Filme haben die Verrenkung, die Gleichberechtigung ausschließlich als Frauenfrage zu verhandeln, so zentral in den Blick genommen. Wenige Filme markieren mit dem Blick auf "Sie" und nicht auf ihn die Unterschiede zum aufkommenden Westfeminismus jener Jahre so deutlich.

Der erste DEFA-Spielfilm einer Regisseurin: "Wir lassen uns scheiden"
Der erste DEFA-Spielfilm einer Regisseurin: "Wir lassen uns scheiden"

Während Frauen in vielen Gewerken der DEFA von Anfang an mit dabei sind und sich im Dokumentar- und Animationsfilm auch als Regisseurinnen behaupten, war das Studio für Spielfilme lange eine reine Männerbastion. Es dauerte bis ins Jahr 1967, ehe Ingrid Reschke mit „Wir lassen uns scheiden“ als erste Frau einen Spielfilm verantwortete.

Auf Reschke folgte eine ganze Reihe von Regisseurinnen, die eindrückliche Spielfilme realisierten. Iris Gusner debütierte 1973 mit „Die Taube auf dem Dach“, einem Porträt einer jungen Bauingenieurin (Heidemarie Wenzel). Die junge Frau kann sich ebenso für den Baubrigadier Hans Böwe wie für den Baustudenten Daniel erwärmen. Entscheiden möchte sie sich aber für keinen der beiden. Ihre Arbeit und ihr eigenes Leben sind ihr einstweilen genug. „Die Taube auf dem Dach“ wurde nach der Fertigstellung verboten und das Material fast vollständig vernichtet. Heute ist nur eine Schwarzweiß-Fassung erhalten, da die Arbeitskopie 1990 aufgrund technischer Schäden nur auf diese Weise umkopiert werden konnte.

Es folgten Jahre voller Querelen. 1980 gelang Gusner mit dem Film „Alle meine Mädchen“ endlich ein großer Erfolg. Ein Filmstudent soll eine Frauenbrigade des Glühlampenwerks NARVA porträtieren. Bei der Arbeit lernt er die Brigadistinnen näher kennen, was Gusner erlaubt, die Frauen und ihre Lebenswege zu zeigen. „Alle meine Mädchen“ ist ein quicklebendiges Gruppenporträt von Frauen.

Etwa zeitgleich mit Iris Gusner fand Evelyn Schmidt nach einigen Jahren beim DDR-Fernsehen einen Weg ins DEFA-Studio für Spielfilme. In ihrem Erstling „Seitensprung“ (1979) erzählt sie die Geschichte eines moralischen Dilemmas. Was kein Zufall war, da das polnische Kino der moralischen Unruhe für die Regisseurin während der Arbeit an dem Film einen Fluchtpunkt darstellte. Eine scheinbar heile Ehe wird durch einen Seitensprung in Frage gestellt. Eine Frau entdeckt, dass sie ihr Ehemann seit Jahren mit einer früheren Freundin betrügt. Als die Geliebte bei einem Unfall stirbt, bleibt eine außereheliche Tochter zurück. Die Frage, ob das Mädchen einen Platz in der kriselnden Familie erhalten soll, wird für die Protagonistin zum Ausgangspunkt einer Selbstreflexion. „Seitensprung“ lief beim Internationalen Forum des Jungen Films auf der „Berlinale“ und fand darüber internationale Anerkennung.

Offiziell nicht vorgesehen

Schmidts darauffolgender Film „Das Fahrrad“ (1981) porträtiert eine alleinerziehende Frau (Heidemarie Schneider), die in wechselnden Jobs ihren Unterhalt erkämpfen muss. Sie schlägt sich durchs den DDR-Alltag und führt ein Leben, das offiziell nicht vorgesehen war. Die abendlichen Disco-Besuche sind ein Ritual, das ihr Halt gibt. „Das Fahrrad“ ist ein Film voller New Wave-Zeitgeist mit einer sprühend lebendigen Hauptdarstellerin. Die individuelle Suche nach Selbstbestimmtheit stieß auf offizieller Seite nicht auf Gegenliebe - zu weit war die Protagonistin vom damals gewünschten Bild der Frau im Dienste des Aufbaus des Sozialismus entfernt.. Erst nachdem auch dieser Film im Ausland Erfolg hatte, wurde er auch in der DDR rehabilitiert.

"Winter adé" von Heike Misselwitz
"Winter adé" von Helke Misselwitz

Zeitgleich drehte Helke Misselwitz nacheinander erste Kurzfilme. „Aktfotografie, z.B. Gundula Schulze“ (1983) nimmt eine Begegnung mit der Fotografin Gundula Schulze zum Ausgangspunkt für Überlegungen über Bilder des weiblichen Körpers in der DDR. Misselwitz verbindet die Reflexion der Fotografin über die Darstellung von Frauen auf Fotos mit Aufnahmen von Kassiererinnen in einem Supermarkt und konfrontiert so Idealbilder weiblicher Körper mit weiblichen Lebensrealitäten. Im Jahr darauf widmet sich Misselwitz in „TangoTraum“ dem Tango als Schnittpunkt von Sehnsüchten, Fernweh und einer konkreten politischen Entstehungsgeschichte.

In den 1980er-Jahren war im Dokumentarfilm eine größere Freiheit möglich. Unzählige Kurzfilmen erweisen sich in der Rückschau als präzise Seismographen der DDR-Gesellschaft jener Zeit.

Welche große Rolle Musik dabei als Freiheitsraum spielte, zeigt sich nicht nur in „Winter adé“ (1988), mit dem Heike Misselwitz auch international reüssierte, sondern beispielsweise auch in den Filmen ihrer Dokumentarfilmkollegin Petra Tschörtner. In „Das freie Orchester“ (1989) nutzt sie die etablierte und in der Produktionslogik der DEFA akzeptierte Form des Porträts, um eine avantgardistische Punk-Band zu zeigen. Tschörtner heftet sich eingangs an die Protagonistin des Films, die in einem Baumarkt arbeitet. Als sie das Schraubenangebot durchgeht und sich der Wechsel zwischen „Ham wa“ und „Ham wa nich“ zu einem „Ha wa nich“-Stakkato verdichtet, hat der Film seinen roten Faden gefunden.

In den Porträts werden die Absurditäten in der Arbeitslogik der späten DDR gestreift. So wird die Protagonistin als Auszeichnung für gute Arbeit mit einem Deo-Stift prämiert . Nach den Porträts der drei Mitmusiker führt der Film die vier auf der Bühne eines Jugendclubs zusammen. Das „Ha wa nich“ wird beim Konzert dann zu einer für das Publikum unmittelbar verständlichen Beschreibung des DDR-Alltags.

Schließt die Reihe im Zeughauskino ab: "Der schwarze Kasten" (1992) von Tamara Trampe
Schließt die Reihe im Zeughauskino ab: "Der schwarze Kasten" (1992) von Tamara Trampe

Differenzen zwischen Ost und West

Blättert man in dem Band die Biografien der DEFA-Regisseurinnen durch, wird einerseits deutlich, dass es auch in der DDR keine Selbstverständlichkeit war, dass Frauen als Regisseurinnen selbstständig Filme verantworteten.

Während die Filme der Regisseurinnen des DEFA-Spielfilms halbwegs umfassend beleuchtet sind, steht eine ähnliche Würdigung für die Regisseurinnen von Dokumentar- und Animationsfilmen noch aus. Angesichts des geringeren Augenmerks auf diese beiden Filmgattungen im Umgang mit dem Filmerbe steht zu befürchten, dass sich das auch nicht allzu schnell ändern wird. Dabei wäre hier noch viel zu entdecken, wie die kleine Retrospektive im Zeughauskino beweist. Der kurze abstrakte Animationsfilm „David und Goliath“ (1981) von Sabine Meienreis zählt beispielsweise zu den Entdeckungen. Aus Seidenpapier und Wollfäden konstruierte die Regisseurin mit umwerfenden Bildern eine politisch-historische Parabel.

Noch mehr Handlungsbedarf besteht auf dem Feld des Experimentalfilms. Cornelia Klauß hat vor einigen Jahren im Rahmen eines Symposiums beim goEast-Festival in Wiesbaden skizziert, inwiefern sich DDR-Experimentalfilmerinnen auf Konzepte des Feminismus bezogen haben. Durch die Konzentration auf Regisseurinnen der DEFA ist dieser Teil der DDR-Filmproduktion kaum sichtbar. Steht zu hoffen, dass sich auch das noch ändert.


Hinweise

Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme. Von Cornelia Klauß und Ralf Schenk (Hrsg). 416 S., 59 Fotos, 2 DVDs mit 18 Filmen. Bertz & Fischer, Berlin 2019. 29 EUR. Bezugsquelle: hier.

Filmreihe „Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihren Filme“. 29. August bis 14. September 2019, Zeughauskino Berlin. Weitere Informationen und Programm: www.zeughauskino.de


Foto aus „Alle meine Mädchen“: Zeughauskino/DEFA-Stiftung_Wolfgang-Ebert


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