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Gundermann

Donnerstag, 22.09.2022

Biografischer Film über den DDR-Liedermacher - bis 29.9. in der 3sat-Mediathek

Diskussion

Ein biografischer Film über das kurze und intensive Leben des Baggerfahrers und Liedermachers Gerhard „Gundi“ Gundermann (1955-1998), seine komplexe Persönlichkeit wie die Widersprüchlichkeit des Lebens in der DDR. Regie des vielfach ausgezeichneten Werks führte Andreas Dresen.

Ein paar Jahre nach dem Mauerfall arbeitet Gerhard Gundermann 1992 immer noch im Tagebau in Hoyerswerda. Der Mittdreißiger möchte eine neue Band gründen und auf Tour gehen. Seine Texte über „einfache Menschen, Ausbeutung und Ökologie“ sprachen dem Publikum schon immer aus der Seele. Dennoch behielt der Musiker seinen Job als Baggerfahrer bei, um unabhängig vom Erfolg seiner Kunst zu sein.

Doch die Vergangenheit holt Gundermann ein, als herauskommt, dass er ein Informant der Stasi war. Während immer mehr von seiner IM-Tätigkeit ans Licht kommt, zerbricht Gundermanns Bild nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch seine eigene Sicht auf sich selbst.

Parallel dazu erzählt der Film Ereignisse aus Gundermanns Leben im Jahr 1975. Der Querdenker ist gerade aus der Volksarmee geworfen worden und tritt mit einer Werkband auf, unter denen auch seine Jugendliebe Conny ist, die ihn später heiratet.

„Gundermann“ erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt, der ein Poet ist und ein Idealist. „Er träumt und hofft und liebt und kämpft, ein Spitzel, der bespitzelt wird, ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß - ein Zerrissener.“ Ein Liebes- und Musikfilm, ein Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen.

Die achronologische Dramaturgie will über den eigensinnigen Freigeist und IM nicht urteilen, sondern sich von seiner inneren Zerrissenheit berühren lassen. Eine aus Alltagsbeobachtungen entwickelte, in der Hauptrolle von Alexander Scheer schlicht großartige Annäherung an einen vielschichtigen Menschen in einem untergegangenen Land. - Sehenswert ab 14.

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