Aus "Der Augenjäger"
Aus "Der Augenjäger" (© Splitter Verlag)

Fitzek als Comic: „Der Augensammler“ und „Der Augenjäger“

Nach „Sebastian Fitzek - Der Augensammler“ präsentiert der Comic-Künstler Frank Schmolke eine Adaption von Fitzeks „Der Augenjäger“

Aktualisiert am
26.05.2026 - 16:45:52
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Nach „Sebastian Fitzek - Der Augensammler“ hat der Comic-Künstler Frank Schmolke auch eine Graphic-Novel von Fitzeks „Der Augenjäger“ vorgelegt. Seine Bildergeschichten lassen Fitzeks Prosa in eine stilisiert-expressive Noir-Ästhetik gerinnen und verdichten sie albtraumhaft.

 

Die düsteren Thriller-Stoffe von Sebastian Fitzek produzieren nicht nur Bilder in den Köpfen der Leserinnen und Lesern, sondern werden immer wieder auch wirklich visuell umgesetzt. Im Zug der Zusammenarbeit des Erfolgsautors mit der Produktionsfirma Ziegler Film und Amazon Prime sind zuletzt die Fitzek-Adaptionen „Die Therapie“ und „Der Heimweg“ entstanden; und aktuell ist mit „Der erste letzte Tag: Kein Thriller“ ein weiteres Verfilmungsprojekt in Arbeit. Obwohl Fitzeks Romane durchaus eine Affinität zum Filmischen haben – man merkt ihnen an, dass der Autor nicht nur von Schriftsteller-Kollegen wie Stephen King beeinflusst ist, sondern auch das Thriller- und Horrorkino, namentlich Werke wie „Angel Heart“, „Das Schweigen der Lämmer“ oder „Sieben“ schätzt – sind diese Adaptionen indes nicht gerade große Würfe: Weder bei „Die Therapie“ noch „Der Heimweg“ ist es den Machern gelungen, aus den Stoffen etwas zu machen, was eigenständig zu atmen beginnt.

Dafür hat das eine andere Form der bildlichen Umsetzung geschafft: Comickünstler Frank Schmolke, der bereits 2021 im Splitter Verlag die Graphic Novel „Sebastian Fitzek – Der Augensammler veröffentlichte und nun im Frühjahr 2026 mit „Sebastian Fitzek – Der Augenjäger“ nachgelegt hat, kreiert keineswegs nur „den Comic zum Buch“, sondern findet eine Form, in der Fitzeks bizarre Serienkiller-Stoffe erst richtig zu sich selbst zu finden scheinen.

Wie schon in seiner großartigen Adaption des Films "Freaks" (erschienen in der Edition Moderne), schafft er es mittels konsequenter Stilisierung und Verdichtung, seinem Material ein eigenes Flair zu geben. Die sehr durchdachte Montage verschiedener Panel-Größen und „Einstellungsgrößen“ – von der Totale zum Detail –, sowie seine Interpretation des in den Romanen angelegten Spiels mit unterschiedlichen Perspektiven gibt den Comic-Adaptionen einen soghaften Erzählrhythmus.

Sowohl in „Der Augensammler“ als auch in der Fortsetzung „Der Augenjäger“ geht es um in mehrfachem Sinn extrem schmerzhafte Stoffe. Schmerzhaft wegen der grausig-bizarren Verbrechen, die in beiden Werken im Mittelpunkt stehen, aber auch wegen der inneren Blessuren, die so ziemlich alle relevanten Figuren mit sich herumschleppen – von den Tätern bis hin zu der in beiden Büchern ermittelnden Detektivfigur Alexander Zorbach, einem Berliner Ex-Polizisten, der nach einem traumatischen Einsatz aus dem Dienst entlassen wurde und sich nun als Reporter durchschlägt.

 

Frei vom Realismus-Zwang

Die klassische Verbrechensaufklärung, das „Whodunit“-Moment, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle; im Zentrum steht eine Art Reise in die Finsternis seelischer Abgründe. Und wie in vielen Fitzek-Stoffen sind es auch hier immer wieder marode Familienbeziehungen, die psychische Deformationen und Gewalt gebären.

Schmolke holt diese Stoffe von jedem Realismus-Anspruch weg und lässt sie in eine in sehr viel Schwarz, grau-beige Zwielichtigkeit und einige starke Farbakzente getauchte, hochartifizielle Noir-Ästhetik gerinnen, in der einen immer wieder filmische Assoziationen geradezu anspringen. Eine expressionistische Herangehensweise, die das Küchenpsychologische mildert, das Fitzeks Prosa teilweise hat, und das Albtraumhafte verstärkt. Zu sehen, wie gut den Texten diese markante visuelle Stilisierung tut, lässt einen fast hoffen, das Film- und Serienmacher sich ein Beispiel daran nehmen mögen: Warum statt der nächsten Fitzek-Realfilmadaption nicht einen Animationsfilm in Angriff nehmen, der ähnlich konsequent die Essenz der Storys in Bilder überführt?

 

 

Bibliografischer Hinweis

Sebastian Fitzek – Der Augensammler. Von Frank Schmolke. Splitter Verlag, Bielfeld 2026. 224 S., 35,00 EUR (Hardcover), 18,00 EUR (Taschenbuch). Bezug: In jeder Buchhandlung oder hier.

Sebastian Fitzek – Der Augenjäger. Von Frank Schmolke. Splitter Verlag, Bielefeld 2026.  208 S., 28,00 EUR. Limitierte Vorzugsausgabe: 45,00 EUR. Bezug: In jeder Buchhandlung oder hier.

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