Dan - Mitten im Leben

Komödie | USA 2007 | 98 Minuten

Regie: Peter Hedges

Ein unter dem Tod seiner Frau leidender Witwer kümmert sich um seine drei durch den Verlust traumatisierte Töchter. Beim ungeliebten Wochenendtreffen der Großfamilie verliebt er sich ausgerechnet in die Verlobte seines Bruders. Die abgründige Komödie hinterfragt pointiert das Idealbild einer intakten Familie. Zwar wird die Handlung durch den Hang zur Harmonie verwässert, dennoch nimmt der Film durch einfühlsame Charakterstudien und den überzeugenden Hauptdarsteller für sich ein. - Ab 14.
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Filmdaten

Originaltitel
DAN IN REAL LIFE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2007
Produktionsfirma
Touchstone Pic./Focus Features
Regie
Peter Hedges
Buch
Pierce Gardner · Peter Hedges
Kamera
Lawrence Sher
Musik
Sondre Lerche
Schnitt
Sarah Flack
Darsteller
Steve Carell (Dan Burns) · Juliette Binoche (Marie) · Dane Cook (Mitch Burns) · Alison Pill (Jane Burns) · Brittany Robertson (Cara Burns)
Länge
98 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie
Externe Links
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Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen Audiokommentar des Regisseurs und ein Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen (21 Min.).

Verleih DVD
Concorde/Eurovideo (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt., dts dt.)
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Diskussion
Weckerklingeln! Augen auf! Sekundenlang starrt Dan an die Schlafzimmerdecke. Sein stumpfer Blick spricht Bände: Wozu aufstehen? Schließlich rafft Dan sich hoch, beantwortet Mails, leert den Wäschetrockner und macht Frühstück für seine drei Töchter. Der Mittvierziger trauert um seine verstorbene Frau und versucht, den Kindern ein perfekter Vater zu sein – eine Selbstüberforderung, die ihm sichtlich Energien raubt. Mitten im Leben tummelt sich nur sein Autoren-Ich, das so muntere wie beliebte Zeitungskolumnen zu Familienthemen abspult. Welcher Kontrast zum wirklichen Dan, dessen Alltag nur aus diffusen Ängsten und Pflichten zu bestehen scheint. Zum Beispiel muss das alljährliche Großfamilienwochenende abgehakt werden. So verfrachtet Dan die murrenden Töchter ins Auto, um ans Meer zu Eltern, Geschwistern, Neffen und Nichten zu fahren. Peter Hedges schnürt die typische Familienpackung aus freudiger Erwartung, Aufgekratztheit, Gezeter und leiser Dissonanz, und ihm gelingt das ohne Übertreibungen oder hyperaktiven Slapstick. Das Multitalent hat sich schon früher als Spezialist für Verwandtschaftsturbulenzen hervorgetan – Romanvorlage und Drehbuch von „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ (fd 30 735) stammen von Hedges, und mit „Pieces of April – Ein Tag mit April Burns“ (fd 36 364) gelang dem Regie-Debütanten vor vier Jahren das schräge Low-Budget-Porträt einer Familie. In seiner zweiten, für ein breiteres Publikum konzipierten Regiearbeit steckt mehr Geld und weniger Experimentierfreude. Und dennoch ist „Dan – Mitten im Leben“ eine ansprechende, durchaus tiefgründige Filmkomödie, ein Familienfilm der bösen Seitenblicke, der giftigen Nebenbemerkungen und lächelnden Duellanten. Kaum etwas läuft bei diesem Familientreffen nach Plan. Dan fühlt sich von den Aufmunterungsversuchen seiner Lieben allzu bedrängt und fährt zum Luftschnappen allein an den Hafen. Dort lernt er die bezaubernde Französin Marie kennen. Dan schüttet sein Witwerherz aus, es funkt beidseitig, doch die Schöne hat es plötzlich eilig und verschwindet wie Aschenputtel im Märchen. Sie hinterlässt keinen Schuh, aber einen in Liebe entflammten Dan. Unerwartet taucht Marie als Verlobte seines Bruders Mitch wieder auf. Ehrensache für Dan: die Braut ist tabu. Ein (für den Zuschauer) vergnügliches Versteckspiel auf engstem Raum beginnt, gemeinschaftliche Mahlzeiten, Familienspiele und Trimm-Dich-Übungen geraten zum Wechselbad der Gefühle für das Liebespaar wider Willen. Mitch ahnt nichts, weil Marie und Dan sich zunächst zusammenreißen und versuchen, sich ihre gegenseitige Zuneigung nicht anmerken zu lassen. Dans Töchter bekommen wiederum den nun potenzierten Frust ihres Vaters zu spüren, der Jane den Umgang mit ihrem Lover, Cara das Autofahren und Nesthäkchen Lilly das selbstständige Denken untersagt. Natürlich platzen zum Ende hin diverse Knoten, müssen Marie und Dan einander und der Familie ihre Liebe gestehen. Dass Mitch sich flugs mit einer Nachbarstochter tröstet, denunziert die Bruderfigur als einfältig und hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Derart harmoniesüchtig, ganz ohne jeden Hauch von Tragik muss auch eine Familienkomödie nicht zu Ende gehen. Merkwürdig auch, dass Mitch jenes Verlustgefühl nicht zugestanden wird, das Dan über weite Strecken des Films begleitet. Dieser Trauerrand, die melancholische Grundierung, färbt doch eigentlich den ganzen Film ein: Herbst- und Regenstimmungen herrschen vor, feuchte Schwaden ziehen über die US-Ostküste hinweg. Das Holzhaus der Burns’ wirkt heimelig und bedrückend eng zugleich. Die Matriarchin, herzhaft gespielt von Dianne Wiest, lässt mit jedem gutgemeinten Spruch auch eine Spur Kontrollwahn einfließen. Ihr Mann (John Mahoney) hat nicht viel zu melden. Juliette Binoche verleiht der weiblichen „Gast“-Rolle jene Nonchalance, die Marie wohl benötigt, um das Familientheater länger als einen Tag zu ertragen. Vor allem aber Titeldarsteller Steve Carrell, der große Melancholiker unter den US-Comedians, fast schon ein Wiedergänger von „Stoneface“ Buster Keaton, sorgt dafür, dass man Dan und seine Lieben so schnell nicht vergessen wird.
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