Jugendfilm | Deutschland/Niederlande 2015 | 104 Minuten

Regie: Özgür Yildirim

Ein junger Mann erwacht ohne Gedächtnis in einem U-Bahn-Schacht und muss sich seine jüngste Vergangenheit mühsam zusammenpuzzeln. Dabei kommt er einer ominösen Resozialisierungsanstalt auf die Spur, die jugendliche Delinquenten auf perfide Art zu manipulieren versucht. Der Jugendfilm nach einem Roman von Mirjam Mous mischt Science-Fiction- und Thrillerelemente, wobei es um erste Liebe, die Verweigerung von Konformität sowie Zweifeln an der Erwachsenenwelt geht. Die eher konventionelle Handlung folgt vertrauten Genre-Pfaden, während die gute Inszenierung viel Gespür für Atmosphäre, Kamera und die Führung der ansprechenden Darsteller beweist. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
BOY 7
Produktionsland
Deutschland/Niederlande
Produktionsjahr
2015
Regie
Özgür Yildirim
Buch
Philip Delmaar · Marco van Geffen · Özgür Yildirim
Kamera
Matthias Bolliger
Musik
Timo Pierre Rositzki
Schnitt
Sebastian Thümler
Darsteller
David Kross (Sam (Boy 7)) · Emilia Schüle (Lara (Girl 6)) · Ben Münchow (Louis (Boy 6)) · Jens Harzer (Isaak) · Jörg Hartmann (Direktor Fredersen)
Länge
104 Minuten
Kinostart
20.08.2015
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Jugendfilm | Literaturverfilmung | Science-Fiction | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Koch (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt., dts dt.)
Verleih Blu-ray
Koch (16:9, 2.35:1, dts-HDMA dt.)
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Futuristisches Jugenddrama

Diskussion
Ein junger Mann wacht in einem U-Bahnschacht auf und weiß nicht, wer er ist. Er kann einer Festnahme entkommen, entdeckt in seinen Taschen eine Karte, die ihn zu einem Restaurant führt. Auf der Toilette entdeckt er ein Buch mit seinen Notizen, womit er seine jüngste Vergangenheit wieder zusammenpuzzeln kann. Das ist der spannende, wenngleich nicht sehr originelle Beginn eines Jugendfilms mit Thriller- und Science-Fiction-Elementen, der auf einem Roman der Niederländerin Mirjam Mous basiert. Der Junge heißt Sam und war zu einer Resozialisierung in der „Kooperation X“ verdonnert worden, weil er seine Abiturnoten gehackt hatte. Was wie die Deckfirma eines James-Bond-Bösewichts klingt, erweist sich als perfide Anstalt, die Jugendliche in uniforme Overalls steckt, durchnumeriert und absurd Böses mit ihnen vorhat. Hier lernt Sam, der nunmehr als „Boy 7“ firmiert, die junge Safeknackerin Lara kennen, mit der er das Geheimnis der Anstalt zu entschlüsseln versucht. Die Geschichte hat alle Elemente eines klassischen Jugendfilms: die Verweigerung von Konformität, erste Liebe und den immer nagenden Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verfügung durch „Erwachsene“. Der Plot ist aber auch die Schwachstelle des Films, denn er ist über weite Teile leicht vorhersehbar; man merkt ihm an, dass die Romanautorin Mirjam Mous vieles äußerst naiv verhandelt; ihre Beschreibung des Nicht-Konformen ist überaus konform und frei von jeglichen Ambivalenzen. In gewisser Hinsicht erinnert der Plot an die „Divergent“-Reihe (u.a. fd 42 308), wenngleich „Boy 7“ in sich logischer ist. Was den Film dennoch sehenswert macht, ist die Inszenierung durch Regisseur Özgür Yildirim. Yildirim, der sich schon mit „Chiko“ (fd 38 668) und „Blutzbrüdaz“ (fd 40 822) als einer der wenigen deutschen Genre-Regisseure empfahl, beweist ein gutes Gespür für Atmosphäre, Schauspielführung und Kamera. Es gibt kaum eine Einstellung, die nicht wohlüberlegt oder zumindest originell ist, ohne je zum reinen Selbstzweck zu verkommen. Auch die Wahl der Schauspieler spricht für sich. David Kross spielt glaubwürdig und nuanciert, Emilia Schüle eine attraktive Mischung aus Zartheit und Renitenz. Yildirims Bearbeitung des Stoffes vermag dem schwachen Plot eine gelungene Inszenierung entgegenzusetzen. Wie er erzählt, ist interessanter als das, was erzählt wird. Als Impuls eines wiedererstarkenden deutschen Genrekinos verdient „Boy 7“ und insbesondere Regisseur Yildirim Beachtung.
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