Thriller | Deutschland/USA/Frankreich/Mexiko/Bolivien 2016 | 98 Minuten

Regie: Werner Herzog

Drei Wissenschaftler sollen im UN-Auftrag in Südamerika eine Umweltkatastrophe begutachten, werden aber bereits am Flughafen von einer paramilitärischen Gruppe entführt. Ein Art Science-Fiction-Film von Werner Herzog, in dem die Spielhandlung nur als "trojanisches Pferd" für eine ökologische Botschaft dient: Was zunächst als Krimi erscheint, entpuppt sich als Bildungsreise in Sachen Weltuntergang. Entweder über- oder unterforderte Schauspieler langweilen mit hölzernen Dialogen zu großartiger Filmmusik vor der erhabenen Schönheit einer menschenfeindlichen Landschaft. Herzog-Kenner werden immerhin mit allerlei Referenzen ans Frühwerk belohnt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SALT AND FIRE
Produktionsland
Deutschland/USA/Frankreich/Mexiko/Bolivien
Produktionsjahr
2016
Regie
Werner Herzog
Buch
Werner Herzog
Kamera
Peter Zeitlinger
Musik
Ernst Reijseger
Schnitt
Joe Bini
Darsteller
Veronica Ferres (Prof. Laura Sommerfeld) · Michael Shannon (Matt Riley) · Gael García Bernal (Dr. Fabio Cavani) · Lawrence Krauss (Aristidis / Krauss) · Volker Michalowski (Dr. Meier)
Länge
98 Minuten
Kinostart
08.12.2016
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Camino (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
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Diskussion
Es gibt gute Gründe, warum man sich in den vergangenen Jahrzehnten lieber mit dem eigenwilligen Dokumentaristen und Essayisten als mit dem Spielfilm-Regisseur Werner Herzog beschäftigt hat. Seltenen Glückstreffern wie „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ (fd 39 731) oder „My Son, My Son, What Have Ye Done“ (fd 40 284) stehen eine Menge Nichtigkeiten wie „Invincible – Unbesiegbar“ (fd 35 235) oder „Königin der Wüste“ (fd 43 301) entgegen. Manchmal sorgte dabei ein originelles Setting mit einigem Schauwert, gepaart mit einer ordentlichen Portion darstellerischen Wahnsinns für eine atmosphärische Schräglage, die darüber hinwegtäuschte, dass Herzog kein konventioneller Geschichtenerzähler, sondern eher ein improvisierender Impressionist ist, der visuelle und dramaturgische Einfälle zu einem originellen Ganzen collagiert. Das funktioniert nicht immer oder manchmal auch nur zeit- oder teilweise. Selten jedoch war die Naht zwischen den wechselnden Einfällen auf geradezu provokante Weise so sichtbar wie in „Salt and Fire“. Immer wieder spürt man einen gewissen Überdruss, so als habe das Team sich während der Dreharbeiten zu langweilen begonnen und bestimmte Fäden der Handlung oder auch Figuren einfach fallengelassen. Die Plot geht so: Drei Wissenschaftler reisen im Auftrag der Vereinten Nationen nach Südamerika, um eine Umweltkatastrophe gigantischen Ausmaßes zu begutachten, die auf den schröcklichen Namen Diablo Blanco getauft wurde. Schon am Flughafen werden die Wissenschaftler von einer schwerbewaffneten paramilitärischen Gruppe entführt und in ein abgelegenes Landgut verschleppt. Während die beiden Männer des Teams dem Film schon bald auf mehr oder weniger komische Weise abhanden kommen, bereitet sich die Vulkanforscherin Laura Sommerfeld mental auf eine längere Gefangenschaft vor. Doch es geht nicht um Lösegeld, sondern um eine philosophische Unterweisung in Sachen Perspektive und Realitätswahrnehmung und um die Einladung zu einer mehrtägigen Bildungsreise, erzwungen durch den reumütigen Umweltsünder und Firmenboss Matt Riley, der für die sich rapide ausbreitende Salzwüste verantwortlich ist. Ein Ausflug in die mehr als pittoreske Umgebung legt nahe, dass von dem schlafenden Vulkan Uturunku eine ähnliche Gefahr für den Fortbestand der Erde ausgeht, wie vom Diablo Blanco. Um Sommerfeld körperlich mit der drohenden Gefahr bekannt zu machen, setzt Riley sie mit zwei blinden Indio-Jungen auf einer Insel mitten in der Salzwüste aus. Herzog hat davon gesprochen, dass es ihm darum gegangen sei, den Film „schwer ausrechenbar“ zu machen. Der hakenschlagenden Struktur von „Salt and Fire“ sei die Botschaft des Films eingeschrieben. Das klingt weit besser, als es sich ansehen lässt, denn „Salt and Fire“ ist eine augenzwinkernde Zumutung. Ausgangspunkt war die katastrophische Austrocknung des Aral-Sees, dessen visuelles Potential aber als zu gering erachtet wurde, weshalb Herzog sich entschloss, in Bolivien zu drehen. Nachdem er die geeignete Landschaft für seinen Science Fiction-Film gefunden hatte, schaltete Herzog dann aber auf Autopilot. Herzog-Fans werden hier dennoch ihren Spaß haben, denn „Salt and Fire“ steckt voller Referenzen und Reminiszenzen an ältere Herzog-Filme wie „Auch Zwerge haben klein angefangen“ (fd 17 751), „Fata Morgana“ (fd 17 677) und insbesondere „Stroszek“ (fd 20 331). Der Komponist Ernst Reijseger liefert dazu eine Filmmusik, die mehr als nur einmal an die klassischen Herzog-Scores von Popol Vuh gemahnt. Wenn man bedenkt, dass der Filmemacher Mitte der 1970er-Jahre in „Herz aus Glas“ (fd 20 061) die Schauspieler unter Hypnose spielen ließ, muss man schmunzeln, wie Veronica Ferres und Michael Shannon an ihren ganz unterschiedlichen Charakteren auf Augenhöhe scheitern, weil sich das Drehbuch nicht weiter für die Figuren interessiert. In Erinnerung bleibt von „Salt and Fire“ in erster Linie die erhabene Schönheit der menschenfeindlichen Wüste.
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