A Cure for Wellness

Mystery-Film | USA/Deutschland 2017 | 146 Minuten

Regie: Gore Verbinski

Ein junger, aufstrebender Angestellter wird in die Schweiz geschickt, um den Chef seines Unternehmens aus einem Alpen-Sanatorium zurück in die USA zu holen. Doch das Unterfangen erweist sich als schwierig, da die Gäste in dem schlossähnlichen Anwesen auf ungewöhnliche Weise behandelt werden. Der mit großem Aufwand inszenierte Horrorfilm lotst durch eine kafkaesk-monströse Welt, in der nach dem „reinen“ Menschen geforscht wird. Dabei setzt die Inszenierung der wirren Geschichte auf wildes Zitatenkino und das genüssliche Ausbeuten einschlägiger Vorbilder, findet aber zwischen Albtraum und Realität weder eine Verbindung noch eine adäquate Auflösung. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
A CURE FOR WELLNESS
Produktionsland
USA/Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Gore Verbinski
Buch
Justin Haythe
Kamera
Bojan Bazelli
Musik
Benjamin Wallfisch
Schnitt
Pete Beaudreau · Lance Pereira
Darsteller
Dane DeHaan (Lockhart) · Mia Goth (Hannah) · Jason Isaacs (Volmer) · Ivo Nandi (Enrico) · Adrian Schiller (Stellvertretender Direktor)
Länge
146 Minuten
Kinostart
23.02.2017
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Mystery-Film | Thriller

Heimkino

Die Extras enthalten u.a. ein Feature mit einer im Film nicht verwendeten Szene (5 Min.).

Verleih DVD
Fox (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Fox (16:9, 1.78:1, dts-HDMA7.1 engl., dts dt.)
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Horrordrama in einer kafkaesken Wellness-Welt

Diskussion
Die Bedeutung einer feinen, einprägsamen Melodie für das Filmerleben sollte man nie unterschätzen. Wenn sie dann auch noch aus einer Spieldose erklingt, auf der sich eine Ballerina unbeschwert im Kreis dreht, kann man fast sicher sein, dass ein Horrorfilm folgt. „A Cure for Wellness“ ist beseelt von einer kleinen, albtraumhaften Melodie. Ihre Rolle, die im Film jeder zu kennen scheint, und auch die Rolle der immer wieder ins Bild gesetzten Spieldosen-Ballerina wird sich spätestens am Ende offenbaren. Anfangs logiert der Film noch in den Finanztürmen des „Big Business“. Der Protagonist Lockhart befindet sich auf der Überholspur. Seine Firma hält große Stücke auf ihn. Daher beauftragt die Leitung den analytisch-dynamischen Mann mit einer besonderen Mission: Er soll in die Schweiz fliegen und den Vorstandsvorsitzenden Pembroke zurück in die USA holen. Der CEO des Unternehmens weilt seit Längerem in einem luxuriösen Wellness-Resort in den Alpen. Kryptische Briefe von dort verlangen ein schnelles Handeln. Doch gerade das energisch-schnelle Agieren ist in dem idyllisch auf einer Bergkuppel gelegenen Schloss gerade nicht vorgesehen, in dem allenfalls Wählscheibentelefone eine Verbindung zur Zivilisation ermöglichen. Lockhart taucht dort in die blütenweiße Welt der Wellness ein, deren oberster Wächter, Professor Vollmer, besonders darauf erpicht ist, dass seine Gäste möglichst lange von der „hektischen Welt da draußen“ Abstand nehmen – am besten für immer! Nachdem der junge Geschäftsmann zunächst nur für eine Nacht eingecheckt hat, verliert er sich in den elegant aus der Zeit gefallenen Wandelgängen, wo er auf ein geheimnisvolles Mädchen trifft. Mit den beiden taucht auch der Zuschauer in eine Welt aus Petrischalen, Frotteetüchern, Dampfbädern und alten Menschen ein, in der allerdings nichts so sauber ist, wie es scheint. Sanatorium gleich Wahnsinn! Das ist schon seit den Gothic Novels des 19. Jahrhunderts ein Topos und spätestens mit Thomas Manns „Zauberberg“ in der entrückten Einsamkeit der von der Oberschicht bevölkerten Bergwelt verortet. Regisseur Gore Verbinski bedient sich dieser Umstände und setzt dem Aberwitz ein imposantes Denkmal. Er nimmt viel Geld und noch mehr Production Values in die Hand, um einen wunderbar aussehenden, aseptischen, mithin kafkaesken Mummenschanz zu zelebrieren, in dem hinter jedem gütigen Blick einer adretten Krankenschwester ein Dämon lauert. Hier werden hinter dicken Dracula-Mauern nicht nur die Superreichen in die Mangel genommen, hier hat auch der perfideste aller „Mad Scientists“ eine finstere Heimstatt gefunden. Denn unter dem weißen Denkmäntelchen des Gesundheitswahns wird aus dem Heilwasser das Elixier des Teufels gewonnen. Oder nach ewiger Jugend geforscht. Und nach der Reinheit der Rasse. Oder nach einem irgendwie unheimlichen, monströsen, epischen Film. Das Drehbuch zu „A Cure for Wellness“ von Justin Haythe als wirr zu bezeichnen, wäre eine freundliche Untertreibung. Was der Autor will, wird nie ganz klar. Die Intention von Regisseur Verbinski ist indes offensichtlich: eine blendende „Tour de force“ durchs Kino des gepflegten Wahnsinns. Vom „Hammer“-Horror der 1960er-Jahre bis hin zu Martin Scorseses „Shutter Island“ (fd 39 763) wird alles Unheil der Filmgeschichte zusammengeklaubt, um eine bedrückende Atmosphäre zu kreieren. Da gibt es Inzest, ewiges Leben, Frankenstein, das Phantom der Oper und einen verkappten Roderic Usher, der hier als Professor Vollmer nur deshalb experimentiert, um die Blutlinie seiner Familie zu sichern. Alles nur ein Albtraum, alles nicht real? Leider nein. Als trashiges Fantasy-Spektakel besäße der Film seinen Reiz. Doch Verbinski gelingt weder eine logische Verknüpfung mit der Rahmenhandlung noch ein befriedigender Ausstieg. So mäandert der Film kopflos von einem Finale zum anderen und entlässt die Protagonisten irgendwie befreit, aber auch entrückt. Verrückt! Und die Melodie? Oder die Ballerina? Hat der Film komplett vergessen!
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