Das Leben ist ein Fest

Komödie | Frankreich/Kanada/Belgien 2017 | 116 Minuten

Regie: Eric Toledano

Nach 30 Jahren im Dienst rauschender Hochzeiten will ein französischer Eventmanager sein florierendes Unternehmen verkaufen. Doch bei der letzten, wie immer akribisch durchgeplanten Veranstaltung auf einem barocken Schloss geht alles schief, was schiefgehen kann. Die schwungvolle Komödie porträtiert einen ganzen Mikrokosmos an menschlichen Gefühlen und Reaktionen mit großer Hingabe und einem enormen Gespür für die komischen Folgen von Fehltritten. Ein Feuerwerk aus Klamauk und Slapstick, das gelegentlich übers Ziel hinausschießt, aber immer nahe an den Figuren bleibt und dadurch eine eigenwillige Schönheit entfaltet.

Filmdaten

Originaltitel
LE SENS DE LA FÊTE
Produktionsland
Frankreich/Kanada/Belgien
Produktionsjahr
2017
Regie
Eric Toledano · Olivier Nakache
Buch
Eric Toledano · Olivier Nakache
Kamera
David Chizallet
Schnitt
Dorian Rigal-Ansous
Darsteller
Jean-Pierre Bacri (Max Angély) · Gilles Lellouche (James) · Jean-Paul Rouve (Guy) · Vincent Macaigne (Julien) · Alban Ivanov (Samy)
Länge
116 Minuten
Kinostart
01.02.2018
Fsk
ab 0; f
Genre
Komödie
Diskussion
Hochzeiten, das hat schon Robert Altman in „Eine Hochzeit“ (fd 21 080) durchgespielt, sind ideale Feste, um eine Gruppe von Menschen an einem Ort zu versammeln und ihren gesellschaftlichen Mikrokosmos zu beobachten. Das betrifft nicht nur die Gäste, sondern wie in Jean Renoirs „Die Spielregel“ (fd 15 271) auch die Menschen hinter den Kulissen, die das Gelingen einer Feier erst garantieren. Oder dies zumindest versuchen. „Das Leben ist ein Fest“ von Olivier Nakache und Eric Toledano rückt einen Hochzeitsplaner in den Mittelpunkt, der kein Hochzeitsplaner mehr sein möchte. Max, wundervoll vielschichtig gespielt von Jean-Pierre Bacri, kann nicht mehr. 30 Jahre lang hat er für zahlungskräftige Kunden die schönsten Feiern ausgerichtet. Sparsamen jungen Paaren, die wenig Geld ausgeben wollen, lässt er seine ganze Verachtung spüren. Nun soll Schluss sein. Die Verhandlungen über den Verkauf seiner Firma stehen kurz vor dem Abschluss. Ein letzter Auftrag steht aber noch an: die feierliche Eheschließung von Pierre und Héléna, außerhalb von Paris, in einem barocken Schloss mit großem Garten. Alles ist akribisch vorbereitet. Doch man ahnt es: Was schiefgehen kann, geht schief, das Chaos nimmt seinen Lauf. Das beginnt mit den Angestellten, die für Max arbeiten. Adèle, seine eigentlich kompetente Assistentin, legt sich mit ihren Wutanfällen und der ausfallenden Wortwahl mit jedem an. Sänger James, als Ersatz für den ausgefallenen DJ engagiert, hat keine Lust auf Partyspäße und würde musikalisch am liebsten seinen eigenen Vorlieben frönen. Fotograf Guy, ein alter Freund von Max, interessiert sich mehr für das Buffet und die weiblichen Gäste als für die Arbeit. Julien, Max’ doofer Schwager, erkennt in der Braut seine verschollene Jugendliebe wieder. Und Josiane, Max’ Geliebte und eigentliche Organisatorin des Events, gibt ihm mitten in den Vorbereitungen den Laufpass, um mit einem jungen Kellner zu flirten. Dummerweise ist der Hauptgang, einer Unachtsamkeit wegen, verdorben. Ersatz muss her, und zwar schnell. Und damit ist dieser Abend noch lange nicht zu Ende. Ein Ort, viele Gäste. Elegant, fast schwebend wandert die Kamera von einem Grüppchen zum nächsten, von einer Person zur anderen, von einem Handlungselement zum folgenden, von der Küche ins Esszimmer bis in den Garten. Streitereien, Diskussionen, Eitelkeiten, Flirts, Spaß und Ärger; Nakache und Toledano, die auch das Drehbuch geschrieben haben, decken eine erstaunliche Bandbreite an menschlichen Gefühlen und Reaktionen ab. Sie schauen ihren Figuren genau zu und registrieren jeden Fehltritt, mit vorwiegend komischen Folgen. Dabei geht es auch um die Tücke des Objekts: ein versehentlich gezogener Kühlschrank-Stecker, ein Kurzschluss und ein zur Unzeit entfachtes Feuerwerk sorgen für Klamauk und Slapstick, mal albern, mal witzig. Höhepunkt ist die abschließende Performance des Bräutigams, die natürlich schiefgeht und gerade dadurch eine eigenwillige Schönheit entfaltet. In ihrem Bemühen, die Figuren griffig zu gestalten, schießen die Regisseure gelegentlich übers Ziel hinaus. So ist Adèle für ihren Job, der soziale Kompetenz verlangt, viel zu aggressiv und vulgär. Julien ist so trottelig, dass man sich fragen muss, warum Max ihn überhaupt beschäftigt. Das gilt auch für Guy, dessen unprofessionelles Verhalten jeder Beschreibung spottet. Jean-Pierre Bacri ist als Max hingegen der vielschichtigste Charakter. Ein erfahrener Profi, der gut vorbereitet ist und stets weiß, was zu tun ist, auch in Notsituationen. Er liebt seine Mitarbeiter und lässt ihnen darum so manches durchgehen. Er hat ein großes Herz, und dass er seine Firma verkauft, will man gar nicht glauben.

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