Das ist erst der Anfang

Actionfilm | USA 2017 | 93 Minuten

Regie: Ron Shelton

Der Manager eines luxuriösen Altenheims in Florida versteht es, seiner lebenslustigen Klientel steten Kurzweil zu bieten. Mit seiner sorglos-hedonistischen Haltung ist es allerdings vorbei, als er es mit drei unliebsamen Menschen zu tun bekommt: einem Cowboy, der ihm das Territorium streitig macht, einer strengen Wirtschaftsprüferin, die Unregelmäßigkeiten in seiner Geschäftsführung wittert, und einem trotteligen Killer, der ihm im Auftrag der Mafia ans Leder will. Eine alberne Mischung aus Sexkomödie, Macho-Wettstreit und läppischem Krimi, ohne jeden Esprit und durch die Platzierung in der Weihnachtszeit streckenweise mitunter sogar unerträglich. Die drei namenhaften Darsteller werden weit unter ihrem Wert verkauft.

Filmdaten

Originaltitel
JUST GETTING STARTED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Ron Shelton
Buch
Ron Shelton
Kamera
Barry Peterson
Schnitt
Paul Seydor
Darsteller
Morgan Freeman (Duke Diver) · Tommy Lee Jones (Leo McKay) · Rene Russo (Suzie Quinces) · Glenne Headly (Marguerite) · Joe Pantoliano (Joe)
Länge
93 Minuten
Kinostart
14.06.2018
Fsk
ab 6; f
Genre
Actionfilm | Komödie | Kriminalfilm
Diskussion
Duke Diver ist der Manager der Villa Capri, eines luxuriösen Heims für wohlhabende, so rüstige wie lüsterne Rentner in Florida. Diver versteht seinen Job als „Master of Ceremonies“, der sich und seiner lebensfreudigen Klientel stets Kurzweil und Unterhaltung bietet. Allerdings hat er einiges zu verbergen, etwa seinen wahren Namen und seine Identität. Denn Diver befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm. Trotzdem entdeckt ihn eine Mafiosi-Braut im Fernsehen und schickt ihm einen Killer auf den Hals. Damit nicht genug: Ein Cowboy namens Leo taucht im Heim auf und macht ihm das Territorium streitig. Plötzlich entspinnt sich ein Hahnenkampf zwischen den alternden Machos, den sie auf unterschiedlichen Feldern austragen: Poker, Golf, Schach, Tischtennis, Gewichte heben, Frauen anmachen und Limbo tanzen. Auch Leo hat etwas zu verbergen: Er will die Villa Capri kaufen, weil das Grundstück 50 Millionen Dollar wert ist. Jetzt kommt die resolute Wirtschaftsprüferin Suzie ins Spiel, die Divers nachlässige Geschäftsführung untersuchen soll, ihm aber stattdessen den Kopf verdreht, sehr zum Unwillen von Leo, der auch ein Auge auf die attraktive Frau geworfen hat. Mittlerweile aber fährt der Killer schwereres Geschütz auf, da Giftschlangen, Bomben und Gewehrschüsse bislang ihr Ziel verfehlten: Er entführt Suzie, um sie gegen Diver einzutauschen. US-Regisseur Ron Shelton hat zu Beginn seiner Karriere mit angenehm unterhaltsamen und anspruchsvollen Komödie von sich reden gemacht, die starke Frauen ins Zentrum der Erzählung rückten: Susan Sarandon, Lolita Davidovich, Rosie Perez und René Russo boten in Filmen wie „Annies Männer“ (fd 27 535) , „Blaze“ (fd 28 257), „Weiße Jungen bringen’s nicht“ (fd 30 029) oder „Tin Cup“ (fd 32 165) den Männern nicht nur Paroli, sondern agierten auf Augenhöhe. Das ist in Sheltons neuem Film nicht mehr so. Schlimmer noch: Was sich der Regisseur hier nach 14-jähriger Pause leistet, ist eine echte Frechheit. Das beginnt mit dem schlüpfrigen Sexismus, den Morgan Freeman als Diver zelebrieren darf. In Boulevard-Theater-Manier hetzt er zu Beginn des Films zwischen zwei willigen Frauen hin und her, um sich dann doch für ein Poker-Spiel zu entscheiden. Eine der beiden Frauen ist Glenne Headly, die 2017 mit 62 Jahren verstarb. Wenn sie auf einer Leiter steht und sich von Freeman lasziv mustern lassen muss, ist das schlicht ein trauriger Moment. Schade ist es auch um René Russo, die zunächst als selbstbewusste Macherin eingeführt wird, um dann als unsicheres Nervenbündel desavouiert zu werden. Dass der Sexismus auch die Männer trifft, macht die Sache nicht besser; die zweideutigen Witze über ihr Alter und ihre Potenz kommen altbacken und lahm daher. Auch dramaturgisch hapert es an allen Ecken und Enden. Der Film beginnt als geschmacklose Sexkomödie, wandelt sich zum albernen Macho-Wettstreit, um dann als langweiliger Krimi mit staubiger Verfolgungsjagd und läppischem Shoot-out zu enden. Selten war eine Giftschlange so ungefährlich, eine Explosion so folgenlos oder ein Heckenschütze so unkonzentriert. Zu allem Überfluss findet das Geschehen auch noch zur Weihnachtszeit statt, mit entsprechendem Liedgut, kitschigen Weihnachtsbäumen, turbulenten Bescherungen und dämlichen Verkleidungen. Das ist im Rahmen einer Sexkomödie, die auch Krimi sein will, schlicht unerträglich. „Das ist erst der Anfang! Mission Ruhestand“ hat nichts zu erzählen, weder über Lebenslust im Alter noch über späte Liebe, weder über falsche Identität noch über Konkurrenz unter Männern; überdies vermag der Film auch nicht zu unterhalten. Lustlos mäandert die Inszenierung vor sich hin, und man fragt sich unwillkürlich, warum Ron Shelton, der immerhin auch schon 72 Jahre alt ist, für diesen Unsinn seinen Ruhestand verlassen hat.
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