The Other Side of the Wind

Drama | USA 2018 (1970-1976) | 122 Minuten

Regie: Orson Welles

Anlässlich des Geburtstags eines einst erfolgreichen, nun in die Jahre gekommenen Hollywoodregisseurs kommt im Anwesen einer alten Freundin des Filmemacher-Urgesteins ein buntes Party-Volk zusammen, zu dem neben dem Jubilar und alten Wegbegleitern auch junge Vertreter des „New Hollywood“ gehören. Höhepunkt des Abends, an dem es zu allerlei Reibungen zwischen den Gästen kommt, ist die Präsentation des neuesten Films des Altmeisters, mit dem er den Anschluss an die neue Generation sucht. Ein spielerisch-selbstreflexives Spätwerk von Orson Welles, das fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung dank Unterstützung von Netflix von Cutter Bob Murawski in eine präsentierbare Version gebracht wurde. Ein nach endlosen rechtlichen Querelen zu einem Abschluss gebrachtes „work in progress“ rund um die Reibung des „Citizen Kane“-Regisseurs am „New Hollywood“ und an den anderen filmischen „Neuen Wellen“ der 1960er und 1970er als fazinierendes Kaleidoskop, das als Pseudo-Found-Footage-Film inklusive Film-im-Film unterschiedliche Materialien in Farbe und Schwarz-weiß mischt. Die berühmte Welles'sche „mise en scène“, die Inszenierung in die Tiefe hinein, ist durch eine Montage szenischer Mosaiksteine jenseits klassischer „continuity“ ersetzt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE OTHER SIDE OF THE WIND
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018 (1970-1976)
Regie
Orson Welles
Buch
Orson Welles · Oja Kodar
Kamera
Gary Graver
Musik
Michel Legrand
Schnitt
Orson Welles · Bob Murawski
Darsteller
John Huston (Jake Hannaford) · Robert Random (John Dale) · Peter Bogdanovich (Brooks Otterlake) · Susan Strasberg (Julie Rich) · Oja Kodar (Schauspielerin)
Länge
122 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama
Diskussion

Orson Welles' lange unvollendetes Alterswerk als kühne Kino-Ruine, in der sich der "Citizen Kane"-Regisseur mit dem "New Hollywood" auseinander setzt.

Kinomythen prägten immer schon die Filmgeschichte. Orson Welles (1915 – 1985) war zweifelsohne einer der Kinotitanen, die für solche Mythen besonders gutes Material ablieferten: Sozusagen ein uramerikanischer „bigger-than-life“-Held, der insbesondere als blutjunger Regisseur und Schauspieler die künstlerisch-kreative Magma der Kinematografie im 20. Jahrhundert zum Glühen brachte. Lang ist die Liste seiner Welterfolge (z.B als Hörspielautor von „Der Krieg der Welten“ oder als unvergesslicher Harry Lime in „Der dritte Mann“); aber umso länger ist die Serie seiner Niederlagen und Misserfolge, ehe der manisch produktive, jedoch später jahrzehntelang ziemlich erfolglose Regisseur, Schauspieler, Theater- und Radiomacher Mitte der 1980er Jahre in L.A. mit 70 Jahren und reichlich Gram im Bauch starb.

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Im Zuge dieser extrem unsteten Künstlerkarriere hatte der prometheische Kreativkopf Welles mindestens zwanzig unvollendete Projekte mit ins Grab genommen, von denen manche inzwischen selbst schon wieder zu Kinolegenden geworden sind: Gigantische 30 Jahre arbeitete das einstige Wunderkind zum Beispiel an einer Verfilmung des „Don Quijote“-Stoffs (1955 – 1985). Dazwischen startete Welles extravagante Filmvisionen unter anderem mit Jeanne Moreau (Arbeitstitel: „The Deep“). Außerdem wollte er auf Teufel komm raus und quasi ohne Finanzierung eines seiner Lieblingsbücher („Moby Dick“) adaptieren, was wiederum total danebenging. Zudem versuchte Orson Welles ab dem Ende der 1970er Jahre bis zum seinem Tod – und erneut mehr erfolglos

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