Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo!

Familienfilm | Deutschland 2019 | 94 Minuten

Regie: Neele Leana Vollmar

In der ersten Verfilmung einer erfolgreichen Kinderbuch-Reihe setzt ein elfjähriges Mädchen alles daran, auf eine Party eingeladen zu werden, bei der sie und ihre beiden Freundinnen nicht willkommen sind. Der unterhaltsame Film zeichnet sich weniger durch seine Story als durch eine originelle Umsetzung aus, in der die Wortspiele der literarischen Vorlage kunstvoll eingearbeitet sind und Textblasen, Pfeile oder Noten die Szenen kommentieren oder konterkarieren. Die Nachwuchsdarstellerinnen sind bisweilen zwar etwas überfordert, doch Ausstattung, Kostüme und Filmmusik tragen zu einer enormen Buntheit und Farbenfröhlichkeit bei. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Neele Leana Vollmar
Buch
Neele Leana Vollmar · Bettina Börgerding
Kamera
Daniel Gottschalk
Musik
Oliver Thiede
Schnitt
Bernd Schlegel
Darsteller
Meggy Hussong (Lotta Petermann) · Yola Streese (Cheyenne Wawrceck) · Laila Ziegler (Berenike von Bödecker) · Levi Kazmaier (Paul Kohlhase) · Cara Vondey (Chanell Wawrceck)
Länge
94 Minuten
Kinostart
29.08.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Familienfilm | Jugendfilm | Komödie
Diskussion

Ein elfjähriges Mädchen und ihre beiden Freundinnen setzen alles daran, auf eine Party eingeladen zu werden, bei der sie nicht willkommen sind. Farbenfroh-freche Adaption einer erfolgreichen Kinderbuch-Reihe.

Wer auf dem deutschen Kinderbuchmarkt erfolgreich sein will, der muss pfiffige Ideen haben, mit neuen Ansätzen überraschen und vor allem den Ton und die Sprache der nachwachsenden Generation treffen. Wenn das auch noch überwiegend heiter und witzig daherkommt, umso besser. Genau das ist der Autorin Alice Pantermüller und der Illustratorin Daniela Kohl mit ihrer „Mein Lotta-Leben“-Reihe geglückt. Allein im deutschsprachigen Raum wurden bislang mehr als 3,6 Millionen Bücher verkauft.

Die Roman-Serie, die sich in erster Linie an Mädchen ab neun Jahre richtet, erhält nun ihre erste Leinwandadaption. Umgesetzt hat sie die in solchen Dingen erfahrene Regisseurin Neele Leana Vollmar, die sich mit den beiden sympathisch-originellen Verfilmungen „Rico, Oscar und die Tieferschatten“ und „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ einen Namen gemacht hat.

Im Schnelldurchlauf

Auch bei „Mein Lotta-Leben“ drückt die Regisseurin gleich zu Beginn mächtig aufs Tempo. Die elfjährige Lotta (Meggy Hussong) filmt sich mit ihrem Handy selbst, rast in der Folge durch das elterliche Häuschen und stellt dabei vor laufender (Wackel-)Kamera und im Schnelldurchlauf nicht nur sich, sondern auch ihre beiden Geschwister sowie ihre esoterisch veranlagte Mutter Sabine (Laura Tonke) und den überarbeiteten Vater Rainer (Oliver Mommsen) vor.

Nach diesem energetischen Teaser wird es etwas gemächlicher; die Kinokamera löst das Smartphone ab, die Bilder werden scharf, die Bewegungen ruhiger. In der Folge wird Lottas Alltag gezeigt, mit der Familie, in der Schule, aber auch mit ihren besten Freunden Paul (Levi Kazmaier) und Cheyenne (Yola Streese), die zusammen die wilde Kaninchen-Bande bilden. Als das Außenseiter-Trio nicht zur piekfeinen Party der ebenso arroganten wie stinkreichen Berenike eingeladen wird, gilt es, Mittel und Wege zu finden, um doch noch am Event des Jahres teilnehmen zu können.

Pfeile, Zahlen, Comic-Blasen

„Mein Lotta-Leben“ fasziniert weniger durch eine innovative Geschichte, und auch die Hakeleien zwischen Lehrern und Schülern, die Eltern-Kind-Probleme sowie die Auseinandersetzungen unterschiedlicher Gruppen wiederholen sich. Was den Film hingegen auszeichnet, ist die Kunst, Wortspiele, Wortverdreher oder absichtlich falsch verstandene Fremdwörter, die die literarische Vorlage so besonders machen, filmisch einzuarbeiten. Gleiches gilt für die unzähligen comichaften Textblasen, Pfeile, Zahlen oder Noten, die je nach Situation Szenen mit weiterführenden Informationen unterstützen oder auch mal konterkarieren.

Spaß machen auch die erwachsenen Hauptdarsteller, vor allem Milan Peschel, der seine Esoterik-Guru-Rolle aus „TKKG“ auf köstlich komische Weise variiert, und Carolin Kebekus, die als fiese, stets schwarz gekleidete Paukerin Frau Kackert ihrem Namen alle Ehre macht.

Sehr vier schwerer tun sich dagegen die drei Protagonistinnen, deren Spiel oft bemüht und gestelzt, aber selten gelöst und natürlich wirkt. Keine besaß zuvor Filmerfahrung, und insbesondere Meggy Hussong musste ein Mammutprogramm absolvieren, da sie in fast jeder Szene zu sehen ist. Wenig aus seiner Rolle macht auch Instagram-Hero Lukas Rieger, dem als snobistischem Popstar Marlon hier alle Mädchen zu Füßen liegen. Doch 1,8 Millionen Follower stellen in diesem Fall wohl potente Publikumswirksamkeit über hehre Schauspielkunst.

Eine enorme Farbenfröhlichkeit

Nichtsdestotrotz ist „Mein Lotta-Leben“ ein veritabler Gute-Laune-Film mit einer ganz normalen Protagonistin, die Rosenkohl hasst und sich sehnlichst ein Haustier wünscht. Auch dank Kostümen, Szenenbild und Filmmusik gewinnt „Mein Lotta-Leben“ eine enorme Farbenfröhlichkeit und Buntheit. Am Ende freut man sich mit der Kaninchen-Gang, dass ihre tiefe Freundschaft aller Unbill zum Trotz irgendwie doch noch gehalten hat.

Kommentar verfassen

Kommentieren