Komödie | Deutschland 2020 | 104 Minuten

Regie: Sönke Wortmann

Ein zynischer Juraprofessor der Uni Frankfurt muss eine aus prekären Verhältnissen stammende, aber hochbegabte Studentin für einen Debattierwettbewerb coachen, weil er sie rassistisch beleidigt hat. Die Neuverfilmung einer französischen Tragikomödie setzt unspektakulär auf die Dramaturgie eines sich zusammenraufenden Teams und bietet kaum Überraschungen. Trotz guter Darsteller fehlt es an Reibung und Widerhaken, an deren Stelle sich Vereinfachungen und Stereotypen breitmachen. Statt scharfer dialogischer Finessen oder politischer Untertöne erschöpft sich der Film in einer unterhaltsam-versöhnlichen Wohlfühlgeschichte. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Sönke Wortmann
Buch
Doron Wisotzky
Kamera
Holly Fink
Musik
Martin Todsharow
Schnitt
Martin Wolf
Darsteller
Christoph Maria Herbst (Richard Pohl) · Nilam Farooq (Naima) · Hassan Akkouch (Mo) · Ernst Stötzner (Präsident Prof. Dr. Alexander Lamprecht) · Stefan Gorski (Benjamin)
Länge
104 Minuten
Kinostart
28.10.2021
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie

Neuverfilmung einer französischen Tragikomödie, bei der ein Juraprofessor verdonnert wird, eine aus prekären Verhältnissen stammende Studentin rhetorisch zu schulen, weil er sie rassistisch beleidigt hat.

Diskussion

Es ist ein weiter Weg, den die Studentin Naima zurücklegen muss, über viele Treppen und Brücken, durch endlose Gänge und unzählige Türen. Das ist sinnbildlich zu verstehen, für den langen, mühsamen Bildungsweg eines Menschen, der einem migrantischen Kontext entstammt. Nach dem nicht enden wollenden Weg, mit dem „Contra“ beginnt, kommt sie endlich am rechtswissenschaftlichen Institut der Uni in Frankfurt an. Das Intro ist keine allzu subtile, aber eindrücklich gefilmte und montierte Sequenz urbaner Bilder, unterlegt mit Rap-Musik; ein starker Einstieg.

Später legt der Film ein solches Stilbewusstsein oder ein ähnliches Engagement bei der Suche nach sprechenden Bildern eher nicht mehr an den Tag. Die Tragikomödie „Contra“, eine Adaption des französischen Films „Die brillante Mademoiselle Neila“, erzählt die Geschichte der Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die aus Marokko stammt und für ihr Auskommen hart arbeiten muss. Schon am ersten Tag kommt Naima zur spät zur Vorlesung, weil sie sich zuvor um ihren jüngeren Bruder kümmern musste; der andere Bruder, ein Tunichtgut, hatte sie im Stich gelassen. Vor den vollbesetzten Rängen des Hörsaals wird sie vom Professor rassistisch beleidigt und provoziert. Ein Zwischenfall, der über die Smartphones der Kommilitonen den Weg schnell ins Netz findet.

Nachhilfe in Überredungskunst

Der schon früher negativ aufgefallene Professor Pohl wird daher vor den Disziplinarausschuss der Uni geladen. Um Pohls Ruf und Karriere zu retten, schlägt ihm der Uni-Präsident vor, Naima für einen Debattierwettbewerb zu trainieren. Mit diesem vermeintlich selbstlosen Einsatz für die aus prekären Verhältnissen stammende Studentin soll er sich „reinwaschen“, so das zynische Kalkül. Widerwillig lässt sich Pohl auf den Deal ein und schafft es schließlich auch, die nicht minder widerwillige Naima von den Nachhilfestunden in Sachen Überzeugungskunst zu überzeugen.

Fortan treffen sich Pohl und Naima zum Rhetorikunterricht. Es entspricht den Genre-Vorgaben, dass die anfänglichen Sticheleien und offenen Beleidigungen zwischen dem Mann, der seine Vorurteile gegen die vermeintliche Tyrannei der Political Correctness hochhalten zu müssen glaubt, und der intelligenten Studentin irgendwann gegenseitiger Akzeptanz und wachsendem Respekt Platz machen. Zumal sich die ersten Erfolge bei Debattierwettbewerben einstellen. Doch als Naima erfährt, aus welchem Grund Pohl sie unterrichtet, fühlt sie sich verraten und gibt auf.

Die Dramaturgie eines Teams, das sich für den gemeinsamen Sieg zunächst zusammenraufen muss, ist etwa aus Sportfilmen hinlänglich bekannt und auch in „Contra“ recht erwartbar entwickelt. Blöd nur, dass der Film abgesehen von seiner Story kaum Überraschendes zu bieten hat. Brav und eher uninspiriert wird die Geschichte erzählt, mit Dialogen, die nach mehr Schärfe, Geschliffenheit und Experimentierfreude verlangt hätten. Immerhin ist Pohls und Naimas Thema ja die Sprache und deren spielerischer, argumentativer, manipulativer Einsatz.

Mit Vereinfachungen und Stereotypen

Man merkt es der Tragikomödie stark an, dass mit Vereinfachungen und Stereotypen auf ein größtmögliches Publikum geschielt wird und primär eine unterhaltsam-versöhnliche Feel-Good-Story erzählt werden soll. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, doch wenn eine solche Strategie nicht mit Raffinesse, Zwischentönen oder auch mal dem Mut zur Lücke einhergeht, kommt vor allem gepflegte Langeweile dabei heraus.

Selbst die Bilder des renommierten Kameramanns Holly Fink wirken abgesehen von der Eingangssequenz eher uninspiriert. Selbst die Zwischenbilder der Frankfurter Skyline oder der Studenten auf dem Uni-Campus atmen vor allem Mainstreamtauglichkeit.

Die beiden Hauptfiguren sind in der Darstellung von Nilam Farooq und Christoph Maria Herbst zwar durchaus überzeugend gezeichnet und gespielt; doch so richtig zünden will die Chemie zwischen den beiden nicht. Was unter anderem daran liegt, dass die Ecken und Kanten des französischen Originals in „Contra“ deutlich abgeschliffen wurden. Wobei es bei der Schauspielführung generell hakt, da auch Ernst Stötzner (als Uni-Präsident) mit einer unstimmigen Leistung weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Bei Nebenrollen greifen Drehbuch und Regie tief in die Mottenkiste und ziehen platte Protagonisten wie Naimas intriganten Kommilitonen Benjamin oder eine ungeniert rassistische Debattiergegnerin heraus.

Inhaltlich und künstlerisch kein Zugewinn

„Contra“ besitzt durchaus starke Momente, etwa in der Darstellung von Naimas Milieu, ihrem Leben und ihren Freunden, mit denen sie auf dem Spielplatz „Werwolf“ spielt; generell überzeugt die frische weibliche Hauptfigur. Auch manches rhetorische Scharmützel ist gelungen. Doch insgesamt bleibt vor allem der Eindruck haften, dass Regisseur Sönke Wortmann hier wie schon in „Der Vorname“ einen französischen Erfolgsfilm deutlich flacher für den deutschen Markt aufbereitet. Das mag sich zwar ökonomisch rechnen, ist inhaltlich und künstlerisch aber kein Zugewinn.

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