Abenteuer | USA 2020 | 91 Minuten

Regie: David Oyelowo

Ein Elfjähriger fühlt sich hilflos, als seine Mutter an Leukämie erkrankt. Als er von einer Jugendlichen die Legende eines alten Bergmanns hört, der mit Hilfe eines magischen Steins Tote zum Leben erwecken können soll, schöpft er Hoffnung und macht sich mit ihr auf die Suche. Das in eine Abenteuerreise mündende Drama lebt von seiner genauen atmosphärischen Beobachtung und wartet mit schönen Bildideen auf, in denen Realität und Imagination verschmelzen. In der zweiten Hälfte gelingt es dem Film jedoch nicht, die Spannung anzuziehen, und letztlich wirkt er angesichts seines Themas etwas zu forciert versöhnlich und oberflächlich. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
THE WATER MAN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
David Oyelowo
Buch
Emma Needell
Kamera
Matthew J. Lloyd
Musik
Peter Baert
Schnitt
Blu Murray
Darsteller
Lonnie Chavis (Gunner Boone) · Amiah Miller (Jo Riley) · David Oyelowo (Amos Boone) · Rosario Dawson (Mary Boone) · Maria Bello (Sheriff Goodwin)
Länge
91 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Abenteuer | Drama

Ein Abenteuer- und Familiendrama um einen Jungen, der sich für die Heilung seiner kranken Mutter auf die Suche nach einer mystischen Figur macht, die angeblich Tote zum Leben erwecken kann.

Diskussion

Wie lässt sich für Kinder und Jugendliche das Leid ertragen, wenn eine Mutter sterbenskrank ist? Im Kino gab es darauf in den vergangenen Jahren zwei sehr ähnliche Antworten: Sowohl in „Sieben Minuten nach Mitternacht‟ als auch in „I Kill Giants‟ flüchten sich die jungen Protagonisten in Fantasiewelten. Sie fühlen sich von unheimlichen Baumgeistern oder Riesen bedroht und müssen lernen, sich ihrer Angst – und vor allem der verdrängten Wirklichkeit – zu stellen. So geht es auch Gunner in „The Water Man‟, dem Regiedebüt des britischen Schauspielers David Oyelowo.

Eine Legende als Hoffnungsanker

Als seine Mutter an Leukämie erkrankt, versucht der elfjährige Junge (gespielt von Newcomer Lonnie Chavis) seinem Schmerz zunächst Herr zu werden, indem er eine Graphic Novel über einen Detektiv schreibt, der die Ursachen seines eigenen Todes erforscht. Obwohl seine Eltern ihm noch nicht erzählt haben, wie gravierend die Erkrankung ist, spürt Gunner dies schon. Trotzdem ist es ein großer Schock, als er seine Mutter zum ersten Mal mit kahlem Kopf sieht. Für die Krimis, die er so sehr liebt, ist von nun an kein Platz mehr. Sie werden ersetzt durch Bücher über Leukämie. Aber auch mit seinem neu angelesenen Wissen kann er seiner Mutter nicht helfen. Dann hört er zufällig, wie eine Jugendliche mit blau gefärbten Haaren über die Legende des Water Man erzählt, eines Bergmanns, der nach einer verheerenden Flutkatastrophe erst gestorben und dann auf mysteriöse Weise wieder zurück ins Leben gekehrt ist und nun nach seiner verschollenen Frau sucht, um sie mit Hilfe eines magischen Steins ebenfalls wieder zum Leben zu erwecken. Dieser Stein könnte die Rettung für Gunners Mutter sein.

Unaufgeregt inszeniert Oyelowo, der auch die Rolle von Gunners überfordertem Vater spielt, das US-amerikanische Kleinstadtsetting, das alle Klischees erfüllt. Lange Holzfällertrucks bestimmen das Straßenbild, im kleinen Hardware-Store hört ein mürrischer, bärtiger Vietnam-Veteran Countrymusik, umgeben wird der Ort von weiten, dunklen Wäldern, „Twin Peaks‟ ohne Surrealismus und Soap Opera. Die Atmosphäre trägt den durch starke Kontraste geprägten Film, der sich schließlich zum Abenteuertrip zweier Jugendlicher wandelt, ganz ähnlich wie in „Nachtwald‟, aber auch mit einer Analogie zur nächtlichen Flucht der Kinder in „Die Nacht des Jägers‟. Die Teenagerin Jo, die nie von ihrer Familie erzählt und eine lange, frische Narbe am Hals trägt, lässt sich von Gunner dafür bezahlen, ihm den Weg nach Wild Horse zu zeigen, wo der Water Man sich aufhalten soll.

Immer wieder findet der Film schöne Bilder, die die Wirklichkeit aufbrechen. Comiczeichnungen von Gunner werden lebendig, Realfilm und 2D-Animationssequenzen gehen fließend ineinander über. Das beschreibt ganz gut, wie Gunner die Welt wahrnimmt, wie er sich in dieser fühlt und wie er sie für sich verständlich macht. Aber „The Water Man‟ fehlt auch etwas. Die Handlung plätschert ein wenig vor sich hin und gewinnt kaum Fahrt. Man folgt Jo und Gunner gerne – und gut ist auch, dass das Drehbuch nicht versucht, alles und jedes zu erklären. Richtige Spannung jedoch entsteht nicht. Und auch die Fallhöhe wirkt nicht so groß wie in „Sieben Minuten nach Mitternacht‟ oder „I Kill Giants‟. Im Vergleich wirkt Gunner relativ abgeklärt.

Anstatt der großen Szenen, der Effekte, der tiefen Wut und Verzweiflung bleibt „The Water Man‟ an der Oberfläche – und in jeder Hinsicht sehr versöhnlich und fast schon unpassend optimistisch.

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