Science-Fiction | USA 2022 | Minuten

Regie: Benjamin Caron

Die im „Star Wars“-Kosmos spielende Serie handelt vom frühen Leben des Rebellen Cassian Andor aus dem Film „Rogue One“ (2016). Der wächst als Mitglied eines indigenen Stammes auf einem Planeten auf, dessen Rohstoffe vom Imperium ausgebeutet werden. Als Erwachsener ist er in halbseidene Geschäfte verwickelt und muss nach einer Gewalttat untertauchen. Die Serie schlägt einen vergleichbar düsteren Ton an und vermittelt aus der Perspektiven der Leidtragenden die Auswirkungen der Sternenkriege. Auch die moralische Integrität des Helden bleibt dabei recht ambivalent. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
ANDOR
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Benjamin Caron · Susanna White · Toby Haynes
Buch
Tony Gilroy · Dan Gilroy · Beau Willimon · Stephen Schiff
Kamera
Adriano Goldman · Damián García · Frank Lamm
Musik
Nicholas Britell
Schnitt
Frances Parker
Darsteller
Diego Luna (Cassian Andor) · Kyle Soller (Syril Karn) · Stellan Skarsgård (Luthen Rael) · Adria Arjona (Bix Caleen) · Genevieve O'Reilly (Mon Mothma)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Science-Fiction | Serie

Serie aus dem „Star Wars“-Kosmos über den Werdegang von Cassian Andor, der sich zum Rebellen gegen das Imperium entwickelt.

Diskussion

Das Universum ist groß, aber das „Star Wars“-Universum ist unendlich viel größer. Es gibt immer noch einen weiteren unbekannten Planeten, auf dem sich irgendeine Nebenhandlung vor, nach oder zwischen den drei Haupttrilogien abspielt. In der neuen Serie „Andor“ steht die Figur Cassian Andor (Diego Luna) im Mittelpunkt, der im Film „Rogue One“ zusammen mit einer Rebellengruppe die Geheimpläne für den Todesstern, die mächtige Waffe des Imperiums, gestohlen hat. Die Serie ist also ein Prequel zum Prequel von „Krieg der Sterne“ – dem ersten „Star Wars“-Film.

Man lernt Cassian auf zwei Zeitebenen kennen. In der Gegenwart lebt er als erwachsener Mann mit seiner Adoptivmutter auf dem Planeten Ferrix, wo sich Müll und Schrott himmelhoch auftürmen und die Menschen in Slums hausen. Cassian sucht nach seiner verschwundenen Schwester und muss untertauchen, nachdem er zwei pöbelnde Männer getötet hat.

Schon in den ersten Szenen wird deutlich, wie sehr sich die „Andor“ von den Kinofilmen und auch der nostalgischen Auskopplung „Obi-Wan Kenobi“ unterscheidet: Die Schlägerei findet im Regen in einer dunklen Straßengasse statt, sie dauert lange und spart nicht an Brutalität. Der Showrunner Tony Gilroy bringt in solchen Szenen sein kinetisches Gespür für Gewalt aus der „Bourne“-Filmreihe ein. Das Resultat des Kampfes ist, dass die Sicherheitstruppen einen Haftbefehl gegen Cassian ins All aussenden.

Intergalaktischer Kolonialismus

Auf der Zeitebene der Vergangenheit sieht man Cassian als Sohn eines indigenen Stamms auf dem bewaldeten Planeten Kenari aufwachsen. Dort erlebt er, wie ein Raumschiff abstürzt und einer der Invasoren ein Stammesmitglied erschießt. Man merkt, dass hier ein Jugendlicher die Ungerechtigkeit des Imperiums zu spüren bekommt. In einer Einstellung schwenkt die Kamera aus dem dichten Wald in die tiefen Minengräben, wo Rohstoffe abgebaut werden. Damit knüpft die Serie unterschwellig an den gegenwärtigen Diskurs über die Entrechtung von indigenen Menschen an. Wie schon in „Rogue One“ wird hier der Sternenkrieg nicht aus der heroischen Perspektive erzählt, sondern aus einem Blickwinkel der „kleinen“ Leute.

Auch in der Gegenwart schlagen sich die Leidtragenden des Imperiums mit dem Recyclen von Müll durch oder wie Cassian mit Diebstahl und Schulden. Im Zuge der Schlägerei hat er eine Box an sich genommen, die er an einen fremden Mann (Stellan Skarsgård) verhökern will. Zu dem Zeitpunkt ist Cassian bereits an die Sicherheitsleute verraten. Der Inspektor erhofft sich von der Festnahme Ansehen unter seinen Kollegen. Verrat und Korrumpierbarkeit zwischen den Menschen tragen ebenfalls zum düsteren Ton der Serie bei.

Neue Helden braucht das Universum

Cassian selbst bleibt bis dato eine ambivalente Heldenfigur, denn einerseits ist er unfreiwilliges Opfer der imperialen Auswüchse und des kolonialen Raubabbaus, anderseits greift er zu fragwürdigen Mitteln. Der Akt des Tötens geschieht hier nicht immer nur im Fall von Verteidigung. Und seine Adoptivmutter, die ihn als Kind gerettet hat, lässt er auf der Flucht zurück. In den bisher einsehbaren Episoden bleibt offen, wie die Charaktere sich entwickeln werden. Eines aber ist sicher: die Entwicklung des Protagonisten zum Rebellen wird blutig verlaufen.

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