Inseln und Räume des Schreibens - Ein Gespräch mit Lukas Foerster (4.4.)

Mittwoch, 04.04.2018

Squirrels to the Nuts - Patrick Holzapfels Blog zum Politischen Kino, Teil 48

Diskussion

Zum Abschluss des „Squirrels to the Nuts“-Blogs steht ein Gespräch mit dem neuen Kracauer-Stipendiaten Lukas Foerster über die Ausrichtung des Blogs, das Thema „Widerstand im Kino“ und die Beiträge des letzten Jahres. Resümee und Reflexion zugleich, geht es auch um das Schreiben über Film, das viele Fragen aufwirft, aber auch Möglichkeiten aufzeigt.


Lukas Foerster:

In einem deiner Blogtexte lese ich: „Allerdings fällt auf (...) dass der Widerstand im Kino einmal ein Widerstand des Kinos per se war und nicht gleichermaßen als Widerstand gegen das dominante Kino verstanden werden musste.“ Der Satz bringt mich auf einen Widerspruch, den ich in einigen deiner Blogtexte auszumachen glaube, insbesondere in jenen, die vor der Neuorientierung zur Mitte des Projekts entstanden sind: Sie sehnen sich nach einem „Widerstand per se“, arbeiten sich aber immer wieder an einem „Widerstand gegen das dominante Kino“ ab. Was auf die eine oder andere Art oft darauf hinausläuft, dass ein Kino verteidigt wird, das mehr oder weniger mit dem in eins fällt, was bei Deleuze unter das „Zeit-Bild“ fällt; und im Gestus an die Autoren der „ästhetischen Linken“ im deutschen Filmdiskurs der 1960er anschließt. Ich würde das die polemische Linie im Blog nennen, und auch wenn Polemik gelegentlich eine notwendige Intervention sein mag (und ich in einigen Fällen ganz auf deiner Seite bin), interessiert mich die andere Linie mehr: diejenige, die induktiv vorgeht, ihren Ausgangspunkt bei Singularitäten nimmt.

Deshalb gefällt mir die zweite Hälfte des Blogs besser. Im diesem vorangestellten Zwischenfazit schreibst du: „Das Blogprojekt läuft Gefahr, eine bloße Wiedergabe meines Filmgeschmacks zu werden. Da dies auf keinen Fall mein Anliegen war, möchte ich für die verbleibenden vierundzwanzig Einträge eine neue Strategie wählen. Ich werde mich ausschließlich mit dem Kino von Angela Schanelec beschäftigen.“ Der Satz würde für mich Sinn ergeben, wenn da statt „Angela Schanelec“ ein Name wie sagen wir mal „Ron Howard“ stünde. Ist es nicht vielmehr so, dass dir die Beschäftigung mit Schanelec gerade erlaubt, über Singularitäten zu schreiben, die dir selbst nahe sind? Das muss ja nicht gleichbedeutend mit einer bloßen „Wiedergabe meines Filmgeschmacks“ sein. Aber zumindest führt es zu einer weiteren Frage: Braucht das Blog den Begriff des Widerstands überhaupt noch, oder auch nur den Begriff des Politischen? Um ehrlich zu sein, gefallen mir die Texte dort besser, wo sie ganz woanders hinwollen.


Patrick Holzapfel:

Ich habe kürzlich John Steinbecks „The Log from the Sea of Cortez“ gelesen. Darin vergleicht er das Vorgehen von sich und seinen Freunden bei der Sammlung von Meereskreaturen mit jenem von Darwin. Er hadert ein bisschen, dass sie so wenig Zeit hätten. So schnell würden sie einfach alles, was ihnen unter die Finger kommt, einsammeln. Er vergleicht ihr Vorgehen mit Darwin, der mehr Zeit gehabt hätte. Er nennt Darwin als ein Beispiel für die Bewegung vom Singulären zum Allgemeinen, wogegen er meint, dass in seiner Zeit vieles vom Allgemeinen ausginge und man sich dann auf etwas Singuläres stürzen würde, um sich zu spezialisieren. Das Problem daran wäre, dass man zuerst verstehen wolle und dann wirklich hinsehe. Ein wenig so vielleicht, wie wenn man Kritiken vor dem Film liest. Da hat er Recht, finde ich; und durchaus kann man meinen ursprünglichen Ansatz damit vergleichen. Ich versuche immer wieder dagegen anzukämpfen, Dinge zu allgemein zu sehen.

Ich höre aus deiner Fragestellung einen gewissen Verdacht heraus. Jenen, dass ich dem dominanten oder industriellen Kino per se eine Absage erteile. Ich höre das öfter. Dem ist mitnichten so. Ich sehe auch Widerstand im kommerziellen Kino. Und um Widerstand ging es hier. In Kategorien wie Gut oder Schlecht würde ich da gar nicht denken. Es stimmt, dass ich oft an der Widersprüchlichkeit von Filmen scheitere, die versuchen, ein möglichst großes Publikum zu erreichen und dabei noch antikapitalistische Themen verhandeln. Das ist nun mal oft ein Paradox oder zumindest sehr halbgar. Ich kann auch Filmen oft nicht glauben, die mir von Menschen erzählen wollen, aber von einer Maschinerie hergestellt wurden. Ich empfinde das als zynisch. Ich finde nicht, dass diese Formen der Kritik historisch sind oder sich an etwas anderem orientieren außer der Erfahrung, eine Kamera auf etwas zu richten. Wie du weißt, mache ich auch selbst Filme. Meine Motivation zu schreiben kommt nicht nur aus einer Lust am Diskurs, sie stellt sich Fragen, die sich für mich aus der Praxis ergeben. Es mag sein, dass das diesel

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