Der neue Blog: Konfetti

Freitag, 20.04.2018

Der erste Beitrag des neuen Siegfried-Kracauer-Stipendiaten Lukas Foerster. Im Mittelpunkt steht eine Szene aus Klaus Lemkes "Sylvie" (1973)

Diskussion

Mit dem Beitrag „Hochhäuser“ startet der „Konfetti“ betitelte Blog des neuen Siegfried-Kracauer-Stipendiaten Lukas Foerster, dessen Beiträge in loser Folge auf filmdienst.de erscheinen. Darin versammelt der Autor Beobachtungen im und ums Kino, aus denen mit der Zeit ein flirrend-klares Bild zeitgenössischer Cinéphilie entstehen soll.


Konfetti sind klein und rund. Zumeist sind sie einfarbig, oder jedenfalls denkbar simpel gestaltet. Ein Konfetti alleine ist nichts, kaum jemand wird es auch nur bemerken, wenn es alleine zu Boden schwebt. Streng genommen ist ein einzelnes Konfetti gar kein Konfetti. Konfetti sind immer viele. Einzeln ist ein Konfetti ausdrucksloses Rauschen, erst in der Masse fügen sie sich zu einem Bild. Das dann im Moment seines Entstehens immer schon wieder am Zerfallen ist. Konfetti sind ein Abbild der modernen Massengesellschaft.

Konfetti sind Abfallprodukte der Papierherstellung, sie entstehen bei der Perforation von Endlospapier (es dürften also auch bei der Herstellung von 35mm-Rohfilm Zelluloidkonfetti produziert werden). Sie lassen sich jedoch auch zuhause herstellen, man muss einfach nur ein Blatt Papier mit einem Locher bearbeiten. Ob das Papier vorher bedruckt war oder nicht, interessiert das Konfetti nicht. Konfetti interessieren sich nicht für Sinn, und sie produzieren auch keinen.

Konfetti sind ihrem Wesen nach flüchtig, ereignishaft und gehören dem Bereich der Ästhetik an. Die flattern ein paar Sekunden lang durch die Luft und bereiten ein paar Menschen dadurch eine kurze, nutzlose Freude. Damit hat sich ihr Daseinszweck auch schon wieder erledigt. Sobald sie zu Boden gesunken sind, werden sie zertrampelt, verwandeln sic

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