Neues Kino aus Japan

Donnerstag, 07.06.2018

Eine filmische Nachlese vom "Nippon Connection"-Filmfestival in Frankfurt/Main

Diskussion

Was will man auf einem japanischen Filmfestival sehen: Filme oder Japan? Seit 18 Jahren werden beim „Nippon Connection“-Festival in Frankfurt diese zwei Interessen zusammengeführt, ein bis zwei Jahre Nationalkino zu einem überschaubaren Programm verdichtet und der Kinosaal in eine alternative Landesbotschaft verwandelt: Statt den geschliffenen Worten von Diplomaten zu lauschen, blickt man durch die Augen von Bildermachern in ihre ferne Heimat. Oft zweifelnd, weil Filme und Sorgen projiziert werden und Künstler eher am Rand als in der Mitte der Gesellschaft stehen. Über Tage hinweg beginnt man, überwiegend eine andere Sprache zu hören, bis man mit ihren Rhythmen und Eigenheiten vertraut ist. Wie bei jedem landesspezifischen Festival besteht auch immer die Hoffnung, hinter den Vorhang der eigenen Erwartungen, hinter die europäische Lust an Tourismus und Exotik zu blicken.

In seinem Essay Das japanische Kino als ferner Beobachter schreibt Lukas Foerster: „Wenn das japanische Kino die Landesgrenzen verlässt und sich einem europäischen Publikum vorstellt, dann kalkuliert es seine Wirkung auf dieses Publikum mit ein.“ Kanonisiert und erwünscht sind im Westen tendenziell zwei Modi: Meditative, realistische Familiendramen in der Tradition von Yasujirō Ozu, oder ein Kino der überschwänglichen Absonderlichkeiten, oft Genre- und Anime-Filme, welche die im Westen empfundene Andersartigkeit Japans offen ausstellen. Letztere sind oft eigentlich zugängliche Populärkultur, die erst durch den Blick von außen einzigartig wird.

Ein Kino im Limbo

Thematisch ging es auch in diesem Jahr meist um universelle Fragen. Große Leinwände zeigten beengende Verhältnisse: Starre, immer noch traditionell geprägte Rollenbilder, Konformismus in Alltag und Arbeitswelt, die Einsamkeit einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft. Dabei waren die Filme selten offen politisch oder gar aktivistisch, sondern ließen das Weltgeschehen, etwa die Fukushima-Katastrophe oder Wahlen, eher als Hintergrundrauschen anklingen – ein Ignorieren so unmöglich wie die offene Auseinandersetzung, ein Kino in Limbo.

Das Niveau der Filme war hoch und reichte von formal simplen Publikumslieblingen bis hin zu mutigen Formexp

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