Unaufhaltsame Expansion

Freitag, 05.04.2019

Die Streamingdienste besetzen ständig neue Nischen und gewinnen immer mehr Zuspruch

Diskussion

Der Bewegtbild-Markt befindet sich im rasanten Umbruch. Auf ihren Erfolgen können sich die Branchenführer Netflix und Amazon nicht ausruhen. Denn neue Anbieter drängen aufs Feld: Majors wie Disney, Arthouse-Zusammenschlüsse und Fernsehanstalten, aber auch eine Kooperation der Filmemacher wie LaCinethek.


Der Bewegtbildmarkt befindet sich in einem rasanten Umbruch: Das klassische Fernsehen verliert ebenso Konsumenten wie das Kino. Dagegen werden Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime Video, die jetzt schon weit über 100 Millionen Abonnenten haben, immer beliebter. Neben diesen Online-Giganten hat sich aber auch eine breite und stetig weiter aufblühende Palette von Video-on-Demand-Anbietern etabliert, die spezielle filmische Vorlieben bedienen. Auf ihren Erfolgen sollten sich die Branchenführer besser nicht ausruhen, denn es wird eng im Streaming-Markt: gleich mehrere große Player stehen in den Startlöchern, um mit neuen Portalen den Markt aufzumischen.

Aktuell lässt der Technologiekonzern Apple, der mit einem Börsenwert von 920 Milliarden Dollar gerade Microsoft als wertvollstes Unternehmen an der New Yorker Wall Street abgelöst hat, die Muskeln spielen. Der IT-Konzern stellte soeben einen eigenen Streamingdienst namens Apple TV+ vor, der im Herbst in mehr als 100 Ländern an den Start gehen soll. Über seine iTunes-Plattform konnten Apple-Kunden bislang schon Filme und Serien kostenpflichtig abrufen, allerdings nicht per Flatrate; in den USA war das seit 2005 möglich, hierzulande seit 2008. Nun erneuert der Konzern aber seine Apple-TV-App, die es Nutzern in den USA ermöglichen soll, auch Bezahlsender und Videoportale wie HBO, Showtime und Hulu zu abonnieren. Diese bislang nur in zehn Ländern verfügbare App soll bald weltweit genutzt werden können.

Steven Spielberg dreht für Apple eine Fortsetzung seiner Serie "Amazing Stories"
Steven Spielberg dreht für Apple eine Fortsetzung seiner Serie "Amazing Stories"

Nach dem Vorbild von Netflix produziert Apple seit Monaten eigene Serien und Filme, mit zugkräftigen Stars wie Jennifer Aniston und Reese Witherspoon sowie den Regisseuren Steven Spielberg, J. J. Abrams und M. Night Shyamalan. Das Produktionsbudget wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. Das ist zwar deutlich weniger als bei Netflix, wo 2018 rund 12 Milliarden Dollar für neue Programme zur Verfügung standen und 2019 voraussichtlich sogar 15 Milliarden investiert werden sollen. Dafür aber besitzt Apple Zugriff auf 1,4 Milliarden Hightech-Geräte, die seine Kunden bei dem Konzern gekauft haben; außerdem sitzt die Firma auf einem Barvermögen von 250 Milliarden US-Dollar. Mit Apple TV+ will das Unternehmen offensichtlich seine Abhängigkeit vom Hardware-Verkauf verringern und sich als Unterhaltungskonzern neu positionieren.


Attacke auf den Platzhirsch

Mit Apple bekommt Netflix einen Rivalen, der schon durch seine schiere Größe in einer anderen Liga spielt. Während Netflix im Jahr 2018 insgesamt 16 Milliarden Dollar umgesetzt hat, erreichte der Umsatz bei Apple 266 Milliarden, also fast das 17-fache. Der Online-Shopping-Konzern Amazon folgt mit einem Umsatz von 232 Milliarden; bei Amazon ist das Streaming aber wie bei Apple nur ein Geschäftsfeld unter vielen. Für Netflix hängt Wohl und Wehe hingegen ausschließlich am Videostreaming. Für 2018 hat das Unternehmen zwar einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar ausgewiesen, doch zugleich schiebt es einen gewaltigen Schuldenberg vor sich her.

Das ist bislang kein Problem; die Netflix-Strategie geht dank der vielen Abonnenten auf. Die Firma kann es sich leisten, viel Geld in exklusive Inhalte zu stecken. Und weil diese Inhalte recht erfolgreich sind, gewinnt Netflix weitere Abonnenten. Doch was passiert, wenn große Content-Produzenten wie Disney und Warner ihre attraktiven Filme, Serien und Fernseh-Produktionen abziehen? Es spricht einiges dafür, dass diese Unterhaltungskonzerne ihre Inhalte für konkurrierende Plattformen sperren und ihre geplanten eigenen Streamingdienste stärken, indem sie Filme und Serien dort exklusiv zeigen. Ein Indiz dafür ist, dass seit Jahresbeginn bei Amazon Prime keine Warner-Filme mehr gekauft oder geliehen werden können. Spezialisten der Londoner Firma Ampere Analysis kalkulieren, dass Netflix etwa ein Fünftel seiner Bibliothek verlieren könnte, wenn Konzerne wie Disney, Warner und NBC Universal ihre Inhalte zurückziehen.


Disney & Warner vor dem Start

Disney will noch in diesem Jahr seine eigene Plattform Disney+ an den Start bringen. Der Konzern geht gestärkt in den Wettbewerb im Content-Geschäft, seitdem die Übernahme großer Teile des Konkurrenten Twentieth Century Fox abgeschlossen ist. Damit hat Disney unter anderem den TV-Sender Fox und die attraktive Beteiligung am Streamingdienst Hulu unter seine Kontrolle gebracht. Medienberichten zufolge will das neue Portal potenzielle Kunden unter anderem mit neuen Star-Wars- und Marvel-Serien anlocken. Zudem soll Disney+ diverse Themen-Welten kreieren, die neue Kundengruppen ansprechen.

Versammelt alle Disney-Filme: Disney+
Versammelt alle Disney-Filme: Disney+

Auch Warner Media, eine Tochter des US-Medienkonzerns AT&T, will 2020 einen eigenen Streamingdienst auf den Markt bringen; den Start der Beta-Version stellte der Warner Media-Manager Kevin Reilly für das vierte Quartal 2019 in Aussicht. Reilly: „Wir haben so viele Marken aufgebaut, die dann an das SVOD (Suscription-Video-on-Demand, also ein Abo-Modell) verkauft wurden, wo sie nicht mehr zu uns sprechen und uns nicht mehr zugeschrieben werden, weil sie separat konsumiert werden. Wir werden aber bald in der Lage sein, dieses Loch zu schließen.“

Im Januar kündigte zudem die Comcast-Tochter NBC Universal an, 2020 ebenfalls einen Streamingdienst zu starten. Er soll angeblich zunächst 1500 Stunden NBC-Shows sowie Universal-Filme bieten. Vorgesehen ist, dass der Dienst für die Abonnenten von Comcast und Sky in den USA und anderen Ländern kostenfrei sein soll. Unklar ist jedoch, wie dies auf dem deutschsprachigen Markt gehandhabt werden soll, auf dem NBC Universal Pay-TV-Programme anbietet.

Experten wie Philipp Hoffmann, der als Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Rushlake Media die Plattform Kino on Demand gegründet hat, bewerten die Aussichten der neuen Großportale unterschiedlich. „Die besten Chancen hat bei den Riesen Disney. Denn Disney ist ja selbst eine Marke. Jedes Kind weiß, was ein Disneyfilm ist. Zudem hat sich Disney durch die Akquise von Lucasfilm oder Pixar gezielt andere starke Marken ins Haus geholt. Bei Warner ist die Lage schwieriger, weil es zwar als Studio bekannt ist, aber kaum als Programmmarke. Welche Filme hat Warner? Da müssen viele Konsumenten erst einmal nachdenken.“


Dominanz der US-Konzerne

Wenn auf dem Streamingmarkt tatsächlich neue Branchenriesen aus den USA aktiv werden, lässt sich eines schon jetzt absehen: Das große Geschäft dürften auch in Deutschland und Europa vor allem die global operierende US-Konzerne machen. Es verwundert deshalb nicht, dass die Idee einer europäischen Super-Mediathek oder eines „europäischen YouTube“, wie es ARD-Intendant Ulrich Wilhelm formuliert hat, viel Zuspruch erfährt – vor allem in Frankreich, wo sich France Televisions bereits mit den beiden größten privaten Sendern TF1 und M6 zusammengeschlossen hat, um mit salto.fr eine Streaming-Alternative zu Netflix & Co zu etablieren.

Eine ähnliche Allianz haben im Februar die BBC und die britische Sendergruppe ITV geschlossen; sie wollen mit der gemeinsamen Online-Video-Plattform Britbox ebenfalls Netflix Paroli bieten. Das kostenpflichtige Angebot soll im zweiten Halbjahr in Betrieb gehen und sich auf heimische Filme und Serien konzentrieren.


Bestandsaufnahme der Sehgewohnheiten

Vor allen Spekulationen über künftige Entwicklungen lohnt jedoch ein Blick auf den Ist-Zustand: Wie haben sich die Gewohnheiten bei der Nutzung von Bewegtbild-Inhalten hierzulande in den letzten Jahren verändert? Untern Strich sank die traditionelle Fernsehnutzung in Deutschland 2017 gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent; Video-on-Demand legte hingegen um fast 30 Prozent zu. Ein weiterer markanter Trend: Gut 29 Millionen Personen ab 14 Jahren nutzen in Deutschland mindestens einmal im Monat Video-on-Demand-Angebote. Dabei dominieren die Angebote der US-amerikanischen Unternehmen wie Netflix, Amazon oder YouTube. Zwar werden die Mediatheken der Fernsehsender ebenfalls von einem knappen Drittel der Bevölkerung regelmäßig genutzt, insbesondere die VoD-Seiten der privaten TV-Sender bleiben mit einem Nutzeranteil von 16,5 % jedoch weit dahinter.

Vor allem junge Leute wandern zu den Streamingdiensten ab. Fast zwei Drittel der 14- bis 29-Jährigen geben an, vorzugsweise nicht-lineare Angebote zu nutzen. Dabei dominiert die Video-on-Demand-Nutzung (VoD). Bei den 14- bis 29-Jährigen nimmt VoD mittlerweile mehr als die Hälfte (56 Prozent) der gesamten für Filmkonsum aufgewendeten Zeit ein. Der Anteil des „klassischen“ linearen Fernsehens hat sich dagegen innerhalb der letzten beiden Jahre von knapp der Hälfte (47 Prozent) auf etwas mehr als ein Viertel (29 Prozent) des Zeitbudgets verringert.


Bündnis statt Alleingang

Die Abwanderung vom linearen Fernsehen setzt nicht zuletzt die deutschen Anbieter unter Druck. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben ihre Mediatheken, auf die hier aus Platzgründen nicht näher eingegangen wird, bereits ausgebaut. Die beiden großen kommerziellen Senderketten RTL und ProSiebenSat.1 arbeiten mit Nachdruck daran, ihre Online-Plattformen aufzurüsten, verfolgen dabei aber unterschiedliche Strategien. Während RTL in Wettstreit mit Netflix und anderen ausschließlich auf eigene Kräfte setzt, hat sich ProSiebenSat.1 Verbündete gesucht.

RTL Deutschland hat seine Mediathek TV Now zu einem umfassenden Streamingdienst umgebaut und unter diesem Dach die Angebote der Kanäle RTL, RTL2 und Vox gebündelt. Das kostenpflichtige Premium-Paket von TV Now startete mit einem Kampfpreis von 4,99 Euro im Monat, also deutlich unter den Preisen der großen kommerziellen Konkurrenten. Die RTL Group will in den nächsten drei Jahren mindestens 350 Millionen Euro zusätzlich in den Ausbau der eigenen Streamingdienste investieren. Bei der jüngsten Jahresbilanz formulierte die Bertelsmann-Tochter einen hohen Anspruch: „Wir wollen in jedem unserer Märkte unter den größten drei Streaming-Plattformen sein.“

Das Münchner Unternehmen ProSiebenSat.1, das mit Maxdome bereits einen VoD-Dienst besitzt, setzt hingegen auf Kooperation mit anderen Firmen. In diesem Jahr will es den zusammen mit Discovery betriebenen Streamingdienst 7TV deutlich ausbauen. Die Plattform soll im Sommer unter einem neuem Namen neu starten. Mit an Bord sind voraussichtlich Partner wie ZDF, Axel Springer SE und Constantin Medien. ProSiebenSat.1 und Discovery wollen im laufenden Jahr bis zu 100 Millionen Euro in die neue Streaming-Plattform investieren.

Moritz Bleibtreu in "M - Eine Stadt sucht einen Mörder"
Moritz Bleibtreu in "M - Eine Stadt sucht einen Mörder"

Um mit der ausländischen Konkurrenz mithalten zu können, sehen sich die Sender gezwungen, mehr eigenproduzierte Inhalte herstellen zu lassen. So konzentriert sich RTL schon seit einem Jahr verstärkt auf Eigenproduktionen. Und TV Now wirbt mit der eigenproduzierten Serie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von David Schalko mit Moritz Bleibtreu.


Anbieter mit klarem Profil

Wer heute in Deutschland Filme, Videos, Serien und andere Fernsehformate aus dem Netz abrufen will, hat die Qual der Wahl. Allein die Webseite www.werstreamt.es listet 30 Anbieter von alleskino und Amazon bis Wakanim und Watchbox. Um die Bandbreite zu verdeutlichen, werden einige ausgewählte Anbieter hier vorgestellt.

Das jüngste Streaming-Pflänzchen ist LaCinetek.de. Das Portal macht internationale Filmklassiker des 20. Jahrhunderts einem breiten Publikum in Deutschland und Österreich zugänglich. Vorgestellt wurde die Website von Vertretern der französischen Nonprofit-Organisation La Cinémathèque des Réalisateurs, der Deutschen Kinemathek und EYZ Media im Februar diesen Jahres während der „Berlinale“ (siehe „Startschuss für LaCinethek.de“). Ins Leben gerufen wurde LaCinetek von den Filmschaffenden Pascale Ferran, Laurent Cantet und Cédric Klapisch, die alle Mitglieder von La Cinémathèque sind.

Das Besondere an dieser Website: Die angebotenen Filme werden von namhaften Regisseur/innen ausgewählt und kommentiert. Bisher haben mehr als 60 Regie-Talente von Maren Ade über Aki Kaurismäki bis zu Park Chan-woo oder Christian Petzold mehr als 1000 Filme zusammengestellt. Davon sind 250 nur über LaCinetek zugänglich. Jeden Monat kommt ein neuer Regisseur oder eine neue Regisseurin hinzu, der eine Liste mit 50 Filmen aus dem 20. Jahrhunderts vorschlägt, die sie inspiriert haben.


Die Liebe zum Kino

Von Jean-Baptiste Viaud, dem Geschäftsführer der Cinémathèque des Réalisateurs, war in Berlin zu erfahren, dass in Frankreich in 2018 rund 30.000 Filme über das Portal abgerufen wurden, gerade auch von jungen, internetaffinen Filmliebhabern. Anlässlich des Portalstarts erklärte die Filmemacherin Maren Ade: „Ich kann mir kein interessanteres Geschenk für junge Leute auf der Suche nach Inspiration vorstellen als dieses Archiv. Es ist der pure Ausdruck von Liebe zum Kino.“ Alle Filme des LaCinetek-Katalogs sind ohne Abonnement in SD und HD verfügbar. Man kann einzelne Filme ab 2,99 Euro streamen oder ab 7,99 Euro per Download erwerben. Andreas Wildfang, der Projektleiter von LaCinetek Deutschland und Österreich, betonte, dass der Abonnement-Bereich in Frankreich bereits sehr erfolgreich sei. Man wolle das zugrundeliegende Kuratierungsprinzip ebenfalls nach Deutschland bringen, so dass in den nächsten sechs Monaten mit themengebundenen Sammelangeboten wie in Frankreich zu rechnen sei. Besonders angetan von der Initiative zeigte sich Wim Wenders, der hervorhob: „Damit geht ein Traum in Erfüllung. Jetzt gibt es Filmgeschichte für alle!“

Mit einem klaren Profil geht das Portal alleskino.de ins Rennen um die Zuschauergunst. Das 2011 von den Filmproduzenten Hans W. Geißendörfer und Joachim von Vietinghoff sowie dem Medienunternehmer Andreas Vogel gegründete Unternehmen hat sich dem Anliegen verschrieben, das deutsche Filmerbe online zugänglich zu machen. Als Alleinstellungsmerkmal hebt alleskino hervor, dass die Filme durch vertiefende Informationen über die Filmschaffenden in einen filmhistorischen Kontext gestellt werden. Das Redaktionssystem erlaubt es, Filme zu Specials zusammenzufassen, diese individuell zu designen und externe Quellen wie Interviews einzufügen. Alle ausgewählten Filme können für 48 Stunden geliehen, viele auch gekauft werden. Zudem gibt es für 7,99 Euro im Monat eine große Zahl von Filmen im Abo-Angebot „Filmclub“. Seit Herbst 2018 ist alleskino auch als Streaming-Channel für Amazon-Prime-Mitglieder in Deutschland und Österreich verfügbar.

Angebote für Cineasten: mubi.com
Angebote für Cineasten: mubi.com

Auf internationale Arthouse-Filme hat sich das SVOD-Portal mubi.com spezialisiert, das 2007 von dem türkischstämmigen Unternehmer Efe Cakarel ins Leben gerufen wurde. Seit 2012 zeigt mubi in einem rotierenden System ein kuratiertes Programm aus 30 Filmen zum Ansehen und Downloaden. Jeden Tag kommt ein neuer Film hinzu, der einen anderen aus der Liste ersetzt und für 30 Tage abrufbar bleibt. Zu vielen Filmen gibt es reichhaltige Hintergrundinformationen. Seit 2018 sind Inhalte, Webseite und App in elf Sprachen erhältlich. Inzwischen hat der in London und New York beheimatete Dienst weltweit mehr als acht Millionen registrierte Mitglieder.


Nur Indie-Filme

„Unabhängig. Fair. International.“ Diesem Wahlspruch folgt die Berliner VoD-Plattform realeyz.de. Sie hat sich dem unabhängigen internationalen Film verschrieben und umfasst rund 1700 Titel. Für 5,50 Euro im Monat bietet das selbst ernannte „Indie Film Network“ der Firma EYZ Media „aufregenden, innovativen, intelligenten Content jenseits des Mainstreams“. Gemeint sind damit Debüt-, Genre-, Kunst- oder Low Budget-Filme, Festivalgewinner, Mumblecore und Cinéma vérité. realeyz ist inzwischen auch als Amazon Channel verfügbar.

Bei sparsamen Kunden dürfte insbesondere netzkino.de punkten. Das werbefinanzierte Video-on-Demand-Portal der Spotfilm Networx GmbH in Berlin ist kostenlos. Das 2010 aus einem YouTube-Filmkanal entstandene Netzkino entwickelte sich bald zu einem Multiplattform-Service. Aktuelle Blockbuster und US-Mainstream sucht man hier vergebens; stattdessen findet man vor allem Nischen- und Genrekino. Derzeit umfasst der Katalog 2500 Spielfilme. Ende 2017 legte sich der Anbieter den bezahlpflichtigen Abo-Service NetzkinoPlus mit einem Monatspreis von aktuell 4,99 Euro zu.

Neben den etablierten Portalen und den angekündigten neuen Diensten großer Konzerne gibt es immer wieder neue Initiativen und Startups, die mit speziellen Geschäftsideen punkten wollen. Manche Konzepte haben Erfolg, andere verschwinden schnell wieder. So wie Indieswitch, das als „erstes redaktionell gestaltetes Video-on-Demand-Portal für den Independent-Film“ im Oktober 2017 auf den Hofer Filmtagen präsentiert wurde. Die Initiatoren Jürgen Fabritius, Michael Bischoff und Jochen Kröhne hatten es als Transactional-Video-On-Demand-Portal (TVOD) angelegt, bei dem man Spielfilme einzeln abrufen konnte.

Die große Besonderheit bestand in einer kuratierten Auswahl: „Wir empfehlen und liefern jede Woche vier handverlesene Spielfilm-Highlights zu einem spannenden Leitthema.“ Zum Start im Januar 2018 gab es vier Filme zum Thema „Kunst und ihr Ausdruck“, begleitet von einem Blogbeitrag, der den Nutzern Gelegenheit zum Gedankenaustausch über das Programm bot. Doch auf dem Markt konnte sich das ambitionierte Konzept nicht durchsetzen. Die Homepage ist stillgelegt.


Starke Polarisierung

Doch wie geht es nun weiter bei der Entwicklung des VoD-Marktes? Streaming-Experten wie Philipp Hoffmann sehen vor allem eine wachsende Polarisierung. „Es gibt eine Tendenz zugunsten der großen Schlachtschiffe, die sich den Markt zunehmend aufteilen. Zu den riesigen Anbietern werden perspektivisch noch einige dazukommen, während es auf der anderen Seite wahrscheinlich einige weitere sehr gezielt positionierte Nischenangebote geben wird. Schwer wird es dagegen wahrscheinlich im Mittelfeld.“ Nach Ansicht von Hoffmann lässt sich in der Branche zudem seit einigen Monaten die Bereitschaft zu weitere SVOD-Angebote, also Abonnement-Modellen, beobachten. Das bekannteste Beispiel sei Disney.

„Man sucht sein Heil offensichtlich in Abonnementdiensten nach dem Vorbild Netflix.“ Hoffmann betrachtet diese Entwicklung allerdings als problematisch: „Wenn ich mir die grundlegende Frage stelle: Wie viele Abos möchte der Konsument denn abschließen? Mehr als zwei oder drei Abos sind kaum vorstellbar. Die Masse der Bevölkerung kann es sich neben Kabel-, Fernseh- und Internetgebühren nicht leisten, mehrere teure Anbieter gleichzeitig zu abonnieren. Deshalb bin ich gespannt, wie sich das mittel- bis langfristig entwickelt. Wahrscheinlich werden Nicht-Abo-Dienste wieder bessere Chancen haben. Denn hier kann man Filme ja individuell aussuchen.“


„Content is King“

Eine Schlüsselfrage stellt die Exklusivität der Inhalte dar. „Hier bestätigt sich das geflügelte Wort: Content is King“, vermutet Hoffmann. „Exklusivangebote sind auch in Zukunft sehr wichtig. Für viele Anbieter ist es sehr schwer, sich über Inhalte zu definieren, wenn diese nicht exklusiv sind. Arthouse-Portale haben trotz individueller Akzente alle mehr oder weniger dieselben Inhalte.“

Nützlicher Service: werstreamt.es
Nützlicher Service: werstreamt.es

Bei den Abo-Diensten à la Netflix, so Hoffmann, sei der Druck, exklusiven Content anzubieten, größer. „Die Nutzer müssen ja überzeugen werden, dass sie monatlich acht oder zehn Euro zahlen. In der Welt der Einzelabrufe ist das anders. Da kann ich mir gezielt den Anbieter suchen, der einen bestimmten Film im Programm hat. Wenn ich einen Film von Akira Kurosawa sehen möchte, leisten Metasuchmaschinen wie justwatch.com/de oder werstreamt.es gute Dienste.“


Foto: Artwork zu „Stranger Things – Staffel 3“. © Netflix

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