Konfetti 44: Notation

Dienstag, 23.04.2019

In einem minutiösen Vergleich einer Szene aus „Mazurka“ (1935) von Willi Forst mit dem Remake „Confession“ (1937) von Joe May enthüllt Lukas Foerster, wie sich gerade im Bemühen, die Vorlage exakt nachzustellen, Unterschiede in der Interpretation eines Stoffes sichtbar werden

Diskussion
Vom „ureigenen Wesen jeder Melodie, (...) der Einstimmigkeit näherzukommen“, spricht der Pianist und Komponist Grigorij Michailow (Albrecht Schoenhals) im parodistisch überspitzten Dozententonfall. Er steht vor einer Kreidetafel, auf der Notenlinien aufgemalt sind. Nun beginnt er, auf diese hastig eine kurze, beispielhafte Partitur zu skizzieren. Lisa (Ingeborg Theek) wartet derweil schweigend und eingeschüchtert am Rand der Tafel. Sie ist, und das weiß sie auch, nicht als Grigorijs Schülerin, sondern als seine potentielle Geliebte in dieser Szene des Willi-Forst-Klassikers „Mazurka“ (1935) zugegen. Die Worte des Musikers zielen nicht auf ihre Belehrung, sondern auf ihre sexuelle Eroberung.

Dennoch ist die Tafel mitsamt der musikalischen Notation das bestimmende Element der Szene. Sie bildet nicht einfach einen neutralen Hintergrund, sondern definiert ein exakt begrenztes, regelmäßiges Feld, auf dem die Figuren sich bewegen. Beziehungsweise: auf dem sie verzeichnet werden. Die musikalische Notation verwandelt sich in eine filmische. Nicht mehr geht es darum, das Auf und Ab einer Melodie grafisch festzuhalten, sondern darum, die Annäherung zweier Figuren im Bild nachvollziehbar zu machen.


Der Komponist greift nach der Hand der Angebeteten

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