© StudioCanal (aus "Citizen Kane")

Die besten Heimkino-Editionen: "Silberlinge"

Dienstag, 07.12.2021

Besondere DVDs, Blu-rays oder4k-UHD-Veröffentlichungen werden mit dem Gütesiegel "Silberling" ausgezeichnet

Diskussion

DVDs, Blu-rays und 4K-UHD-Scheiben sind im besten Fall nicht nur Trägermedien für Filme, sondern bieten durch ihre Aufmachung und ihr Bonusmaterial einen beträchtlichen Mehrwert. Die besten dieser Editionen werden von filmdienst.de mit dem „Silberling“ ausgezeichnet. Dieses Gütesiegel hat sich im Jahr 2021 unter anderem eine Edition mit einer neuen 4K-Abtastung des Klassikers „Citizen Kane“ verdient, auf der sich ein vorzüglicher Audiokommentar des kürzlich verstorbenen Peter Bogdanovich findet.


„Ich bin ein absoluter Fan von Heimkino-Veröffentlichungen. Die beigefügten Dokumentationen zum Film, Outtakes und Audiokommentare geben einem mitunter vergessenen Film einen ganz neuen Auftrieb. Sie sind eine Wohltat für jeden Filmliebhaber“. Peter Bogdanovich, von dem dieses Zitat stammt, genoß solche Ergänzungen nicht nur als Zuschauer, sondern er trug auch selbst eifrig zu ihrem Zustandekommen bei. Zu vier seiner eigenen Filme hat der am 6. Januar 2022 verstorbene Filmemacher, der auch Filmkritiker und vor allem Filmenthusiast war, einen Audiokommentar eingesprochen. Darüber hinaus hat er das Bonusmaterial zahlreicher DVDs und Blu-rays mit Werken anderer Filmemacher durch seine Einsichten bereichert.

Einer seiner Lieblingsfilme gilt auch heute noch vielen Kritikern als der wichtigste Film aller Zeiten: „Citizen Kane“. Bogdanovich war erst zwei Jahre alt, als Orson Welles’ Meisterwerk in die Kinos kam. Es waren nur wenige Kinos, denn die Welt befand sich 1941 im Krieg. Außerdem wollten es sich die Kinobetreiber nicht mit jenem Mann verscherzen, dem der Film ein fiktionalisiertes, wenig schmeichelhaftes Denkmal setzte: dem Verleger und Meinungsmacher William Randolph Hearst. Zwei verschlungene Stunden lang folgt "Citizen Kane" einem charismatischen, aber keineswegs sympathischen Mann, der sich anschickt, die Vereinigten Staaten nach seinem Gutdünken zu formen.

Der Film ist wesentlich sprödere Kost als etwa „Die Spur des Falken“ von John Huston oder John Fords „Schlagende Wetter“, der seinerzeit bei der „Oscar“-Verleihung „Citizen Kane“ überflügelte. In den späten 1950er-Jahren wurde der Film dann aber wiederentdeckt und wertgeschätzt. Für eine neue Generation von Filmemachern, zu der auch Peter Bogdanovich gehörte, der mit Orson Welles eine enge Freundschaft pflegte, wurde er zum wichtigen Referenzpunkt.



Die „Erfindung“ der von Bogdanovich so wertgeschätzten, aufwändigen digitalen Heimkino-Editionen tragen das ihre dazu bei, dass der Ruhm von "Citizen Cane" nicht abklingt. Es sind schon diverse prächtige DVD- und Blu-ray-Editionen von „Citizen Kane“ erschienen. Für die 2001 in der USA veröffentlichte „60th Anniversary Collector’s Edition DVD“ hat Peter Bogdanovich einen exzellenten Audiokommentar eingesprochen, der 2015 auch auf der in Deutschland vertriebenen Blu-ray enthalten war. Im Zuge einer neuen 4K-Abtastung des Films mit einer nahezu perfekten Bild- und Ton-Restaurierung wurden Bogdanovichs Gedanken über "Citizen Kane" jetzt erneut veröffentlicht.

Bogdanovich kannte Orson Welles gut; man meint in seinen Sequenzanalysen den 1985 verstorbenen Welles beinahe selbst sprechen zu hören, der nie die Chance gehabt hatte, eines seiner Werke auf DVD oder Blu-ray persönlich zu kommentieren.

Während der Filmkritiker Roger Ebert in seinem ebenfalls in der 4K-Edition enthaltenen Audiokommentar kaum eine Sekunde Atem holt, agiert Bogdanovich verhaltener, im Tonfall etwas monotoner, aber auch bestimmter. Er nimmt sich Zeit, um zu erklären, mit wieviel Akribie Welles seine berühmten tiefenscharfen Bildkompositionen „baute“, die mit der Kameratechnik von 1941 nicht zu realisieren waren. Wie Welles Kameras in den Boden einließ, um in seinen Froschperspektiven nicht nur die Darsteller, sondern auch die Decken der Räume ins 4:3-Filmbild quetschen zu können.

Wenn im letzten Viertel von "Citizen Kane" einmal kurz ein weißer Kakadu durchs Bild fliegt, weist Ebert zurecht auf den Special-Effect-Fehler hin, durch den man durch das Auge des Vogels den Bildhintergrund sehen konnte. Auch Bogdanovich erwähnt kurz die überforderte Special-Effects-Crew, um dann aber sogleich die Anekdote zum Besten zu geben, warum Welles überhaupt den Kakadu durchs Bild kreischen ließ: um die Zuschauer nach einem gefühlten Marathon aus Dialogen aus dem Dämmerschlaf aufzuschrecken und für das Finale vorzubereiten.

Die 4K-Abtastung von „Citizen Kane“ ist beim Label Warner erschienen. Neben den Audiokommentaren von Peter Bogdanovich und Roger Ebert enthält die Edition auch noch Textkarten zur Premiere des Films in den USA sowie Fotos und Storyboard-Zeichnungen zu Szenen, die der Zensur zum Opfer gefallen sind. In einem etwa zehnminütigen Feature erläutert Roger Ebert zudem eine Bildergalerie mit Filmstills. Die meisterhaften Dokumentarfilme über den Film („The Battle over Citizen Kane“) sowie den Regisseur („Orson Welles - The One Man Band“) sind als Bonusmaterial allerdings weiterhin nur auf der Blu-ray-Special Edition von StudioCanal enthalten.



Diskografische Hinweise

Citizen Kane. USA 1941. Regie: Orsen Welles. Mit Orson Welles, Joseph Cotten, Doroth Comingore. FSK: ab 12; 4KUHD / BD. Anbieter & Bezug: Warner


Auf deutschen Veröffentlichungen erschienen, lieferte Peter Bogdanovich Audiokommentare zu seinen eigenen Filmen:

Bewegliche Ziele (DVD)

Is’ was, Doc? (Blu-ray)

Die letzte Vorstellung (Blu-ray)

Paper Moon (DVD)


Weitere Silberlinge 2021

"Hair" - Mediabook

Irgendjemand hat bei den Studiobossen in Hollywood wohl die Mutmaßung geäußert, dass Musicals ganz groß im Kommen seien. Anders ist es kaum zu erklären, dass aktuell im Kino auffällig viel gesungen wird. Für Fans ist das eine Wonne, denn im Zuge von „In the Heights“, „Dear Evan Hansen“ und „Annette“ rückt auch im Heimkino Altbewährtes wieder in den Fokus.

Den Anfang macht das Mediabook von „Hair“. Dabei erregte nicht nur der Metallic-Look des Covers Aufsehen, sondern vor allem der Umstand, dass auch der deutsche Ton ein 5.1-Upgrade erfahren hat und mit der englischen Tonspur gleichzieht. Die Blu-ray-Ausgabe von 2011 verfügte nur über einen 2.0 Surroundton. Für Filme, die sich maßgeblich über den Gesang definieren, ist das durchaus ein gewichtiges Plus gegenüber älteren Ausgaben.

Die Ton- und Produktionstechniker haben dabei ganze Arbeit geleistet und die suppige, wenig dynamische deutsche Synchronisation gut und organisch der Originaltonspur angeglichen. Von der lausigen Vorspannsequenz sollte man sich vor allem bildtechnisch nicht abschrecken lassen. Man glaubt fast, dass die Ouvertüre, in der der Protagonist aus Oklahoma ins quirlige New York reist, um in den Vietnamkrieg zu ziehen, absichtlich grobkörnig und unscharf gestaltet wurde, nur um mit der Bildpracht im Central Park umso wuchtiger „The Age of Aquarius“ ausrufen zu können. Daraus folgt dann ein Rausch aus wunderbarer Hippie-Musik, mit der eine Gruppe von fünf Outlaws und einer Millionärstochter durch das vom Vietnamkrieg traumatisierte Land führen.

Natürlich kann man sich fragen, ob ein Musical über die Subkultur der 1960er-Jahre, das 1979 Premiere feierte und 2021 fürs Heimkino aufbereitet wurde, noch zeitgemäß ist. In inszenatorischer Hinsicht lässt sich das auf jeden Fall bejahen, etwa durch die mitreißende Choreografie von „Hair“. Doch auch in politischer Hinsicht hat der Film nichts an Sprengkraft verloren.



Auch im Bonusmaterial der „3 Disc Limited Collector’s Edition“ schmerzt zwar das Fehlen von Bonusmaterial (so ist in den USA kürzlich eine Edition mit einem brillanten Audiokommentar von Regieassistent Michael Hausman und Hauptdarsteller Treat Williams erschienen), doch man geht auch beim Mediabook von Capelight nicht gänzlich leer aus. Neben der DVD und Blu-ray von „Hair“ gibt es den Original-Soundtrack auf einer separaten CD sowie ein 24-seitiges Booklet zum Film. Der Essay „Haare machen Leute – Eine kleine Haarspalterei zu ‚Hair‘“ von der Kulturwissenschaftlerin Laura Erler ist dabei nicht der übliche Lückenfüller zwischen netten Bildern zum Film. Ausführlich und fundiert geht sie der Rezeptionsgeschichte des Musicals wie seiner Verfilmung durch Milos Forman nach und erlaubt sich in entscheidenden Passagen durchaus eine eigene Deutung des Stoffs.

In dem eng bedruckten, kurzweiligen und mit vielen Referenzen auf die Songtexte versehenen Booklet gibt es auch einen Exkurs zur Bedeutung von Haaren in Religion und Politik sowie zur politischen Sprengkraft des Films wie des Bühnenmusicals. Auf die musikalische Extravaganz wird dabei zwar nicht eingegangen, doch dafür kann man sich von der mitreißenden Inszenierung inspirieren und die Sonne wortwörtlich in sein Herz lassen: „Let the Sunshine in!“


Diskografische Hinweise

Hair. USA 1977. Regie: Milos Forman. Mit John Savage, Treat Williams, Beverly D’Angelo. FSK: ab 6; f. 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (BD/DVD/Soundtrack-CD). Anbieter & Bezug: Capelight

"Moby Dick" - Mediabook


„Hört mich an: Es kommt der Tag, da werdet ihr auf See Land riechen, wo keines ist. An diesem Tag wird Captain Ahab sein Grab finden. Aber er wird nach einer Stunde auferstehen und euch zuwinken! Und alle, außer einem, werden ihm ins Grab folgen!“ Es ist eine der ersten von vielen ikonischen Szenen in John Hustons Verfilmung von Herman Melvilles wegweisendem Stück Abenteuerliteratur. In ihr prophezeit ein Verrückter das katastrophale Ende einer Walfang-Expedition, für die der Protagonist Ismael gerade angeheuert hat. Eine Reise, die tatsächlich nur einem einzigen Zweck dient: Captain Ahabs Suche nach einem weißen Pottwal namens Moby Dick, der ihm einst ein Bein abbiss und an dem er sich unbedingt rächen will. Melvilles 900-seitiges Epos, das sich so vielschichtig, so analytisch, so autobiografisch und soziologisch komplex mit dem Walfang im 19. Jahrhundert auseinandersetzt, in einen knapp zweistündigen Film zu übersetzten, war für die Macher –John Huston, der beim Drehbuch Unterstützung von Ray Bradbury bekam – eine Mammutaufgabe.

Ihnen ist es gelungen, ein eigenständiges und dennoch den Geist Melvilles treffendes Werk zu schaffen, das zu den großartigsten Abenteuerfilmen aller Zeiten gehört. Eine deutsche Heimkinoveröffentlichung versucht, diesem Epos auch editorisch gerecht zu werden. Das Label Capelight hat ihn als Mediabook-Edition herausgebracht, deren Verpackung als Buchcover in Leinenoptik daherkommt und den Film auf DVD und Blu-ray, eine Bonusdisk und ein 24-seitiges, reich bebildertes, eingeheftetes Booklet umfasst, mit einem essayistischen Überblick von Ines Walk über die Vorlage, die Adaption und ihre Schöpfer.



Was den Film selbst angeht, ist die optische Qualität nicht überragend. Eigentümlich grob ist das Filmkorn, eigentümlich verwaschen sind die Farben, und auch der Ton ist im Deutschen wie im englischen Original nur Mono, sodass man sich fragt, warum die Filmmusik von Philip Stainton noch zudem als separate „Nur-Audio-Spur“ abrufbar ist. Dafür überzeugt der Audiokommentar der Filmexperten Julie Kirgo, Paul Seydor und Nick Redman, der über die Gründe solcher Qualitäts-Einschränkungen Auskunft gibt. Einem bebilderten Podcast gleich, führen die drei Vortragenden empathisch in das Geheimnis des Films ein und palavern nicht nur über ihre eigenen subjektiven Empfindungen und Kindheitserinnerungen an die erste Begegnung mit Hustons „Moby Dick“, sondern geben auch kundig Auskunft darüber, warum der Film so aussieht und so funktioniert, wie er es tut. Was hat es mit der desaturierten Textur des Filmmaterials auf sich, das mitunter dicht am Schwarz-weiß-Film ist und nichts mit der Anmutung des schreiend bunten Technicolor-Materials gemein hat, auf dem Regisseur Huston seinen Film gedreht hat? Wie gehen Regisseur und Autor mit der Vorlage um? Was ist ihre Vorstellung von Dramaturgie?

„Moby Dick“ ist ein wegweisendes, ja unerhörtes Werk. Sowohl die Vorlage als auch deren filmische Umsetzung stießen nicht sofort auf einhellige Begeisterung. Der Audiokommentar, der 2016 für eine US-amerikanische, inzwischen längst vergriffene und hoch gehandelte Blu-ray eingesprochen wurde und hier deutsch untertitelbar vorliegt, kann vielleicht helfen, auch dieses Mysterium zu entschlüsseln. Aber auch ohne ihn kann man erleben, wie Huston aus Melvilles ausuferndem Abenteuerroman einen dichten, ja geradezu monströsen Monsterfilm gemacht hat, in dem der Mensch trotz der grauenhaften Kreatur, die ihn in die Schranken weist, das größere Monster ist.

Auf der Bonusdisk findet sich zudem noch eine 90-minütige Dokumentation über den „Mythos Wal“. Die kritische Naturdoku beschäftigt sich nur am Rand mit Melville und gar nicht mit der „Moby Dick“-Verfilmung, ist aber eine schöne motivgeschichtliche Ergänzung über den sanften Riesen, der bei Huston endgültig zum Leviathan avancierte.


"Der Tod eines Killers" - 4k-Edition

Es sieht so aus, als hätte ein französischer Journalist mit seinem Kameramann einen älteren, untersetzten Mann gerade davon abgehalten, auf dem Supermarktparkplatz irgendwo im US-amerikanischen Kaff Los Osos, Kalifornien, in sein Auto zu steigen. „Hallo, Mister Don Siegel? – Ja! – Wie würden Sie ihren Stil beschreiben?“ Es ist sonnig und heiß im Juni 1984! Daher fängt der ältere Herr mit Sonnenbrille am Auto einfach zu erzählen an…

Es braucht keine stundenlangen Porträts über den Regisseur oder große „Making ofs“, manchmal reichen zehn Minuten auf einem Parkplatz aus – und alles ist gesagt über einen Regisseur und sein Werk! So zu sehen in einem Interview, das in der Bonussektion einer „Special Edition“ zu „Der Tod eines Killers“ enthalten ist.

„Eigentlich habe ich keinen eigenen Stil. Stil hemmt nur!“, sagt Siegel beiläufig, und er ist dabei nicht die Spur prätentiös. „Viele Filme, die ich gemacht habe, sind unerheblich. Ich habe sie nur gemacht, weil ich – verzeihen Sie meine Ausdrucksweise – eine Hure bin. Ich hab’ für Geld gearbeitet.“

Don Siegel ist eine der prägenden Figuren im US-amerikanischen Actionkino der 1960er- und 1970er-Jahre – oder was man seinerzeit so nannte. Es waren eher Filme über Männer, die ihren eigenen Sturkopf hatten und ein paar Waffen, um ihrer Sturheit Nachdruck zu verleihen. Clint Eastwood wäre ohne Siegel kaum denkbar. Sam Peckinpah war sein Schüler. Mehr muss man nicht sagen.




Sicher, es wäre sehr interessant, noch mehr über den Regisseur zu erfahren, der „Nur noch 72 Stunden“ und „Dirty Harry“ gemacht hat. Aber manchmal reicht auch einfach das Filmeschauen. „Der Tod eines Killers“ ist erstaunlich unaufgeregt, wenn man bedenkt, dass es am Ende kaum einen Überlebenden gibt. Lee Marvin als Auftragskiller, John Cassavetes als potentielles Opfer und Angie Dickinson als zwielichtige Frau. Eigentlich eine Liebesgeschichte, wäre da nicht diese eisige Kälte und Siegels Art, mit einer gewissen Strenge alles ins Tragische kippen zu lassen. Heute würde man sagen: Ein cooler Film. Siegel würde sagen: ein effizienter Film.

Wunderbar, dass der Film nun in 4K erhältlich ist, sodass die Farben und die verhaltene Dynamik des 57 Jahre alten Films perfekt zur Geltung kommen. Nie sah „Der Tod eines Killers“ besser aus. Wunderbar auch, dass die Verantwortlichen vom Label Koch Media als „Bonus“ noch eine Blu-ray zu „Rächer der Unterwelt“ beigelegt haben, der später auch „Die Killer“ hieß und dieselbe Geschichte (nur ganz anders) erzählt. 1947 hatte der „Film noir“ seine Hoch-Zeit. Burt Lancaster und Ava Gardner spielten die Rollen, die in Don Siegels Remake Cassavetes und Dickinson verkörperten, Robert Siodmak führte Regie. Wunderbar, beide Filme hintereinander zu schauen und zu verstehen, wie Filmgeschichte entsteht.

Für eventuelle Fragen zu Siegel oder seinen Filmen enthält die Edition zudem noch ein 20-seitiges Booklet mit einem Essay des österreichischen Regisseurs Paul Poet. Und ansonsten reicht das zitierte Interview. Eigentlich wollte Siegel ja nur Liebesfilme drehen! Aber es ist eben anders gekommen. „Der Tod eines Killers“ ist keine schlechte Alternative.


"Donnie Darko" - 4k-Edition

Trotz einer hymnischen Presse in den USA, guter Einspielergebnisse in englischen Großstädten und einer illustren Besetzung (Jake & Maggie Gyllenhaal, Drew Barrymore, Patrick Swayze) ist „Donnie Darko“ (2001) in Deutschland zur Entstehungszeit nie ins Kino gekommen. So galt es, das Meisterwerk des US-amerikanischen Independent-Kinos erstmals zwei Jahre nach seiner US-Premiere hierzulande 2003 auf DVD zu entdecken. Zumindest hierbei hatte sein damaliger, inzwischen längst nicht mehr existenter Vertrieb den Stellenwert des ungewöhnlichen Familien-/Fantasy-/Psychothriller-Dramas erkannt und ihm einen aufwändigen „Special Edition“-Auftritt gegönnt. Weit vor dem Hype mit teuren Steelbooks hatten die deutschen Lizenznehmer die Doppel-DVD in einem schmucken Blech-Cover versteckt und waren damit Trendsetter. Nicht nur ein informatives 16-Seiten-Booklet legten sie bei, sondern auch reichlich Sekundärmaterial auf einer Bonus-DVD, damit der beim ersten Sehen recht kryptische Film nicht zu viel Ratlosigkeit hinterlässt. Und ganz nebenbei findet sich auch der Soundtrack von Michael Andrews, dessen düster melancholische „Tears for Fears“-Coverversion „Mad World“ einer der eindringlichsten Filmsongs des neuen Jahrtausends wurde. Inzwischen sind viele Jahre ins Land gezogen, nach DVDs kräht kein Hahn mehr, und die verbliebenen Fans mit bibliophiler Filmsammel-Leidenschaft verlangt es, neben reichlich Bonusmaterial zum Filmverstehen, vor allem nach audiovisueller Meisterschaft.

Besonders bei einem Film wie „Donnie Darko“ macht das auch Sinn, beeindruckt er doch nicht zuletzt durch ambitionierte Klangausarbeitung und exzentrische Bilderwelten. Wagt man den Einblick in das Leben des vermeintlich schizophren veranlagten Einzelgängers Donnie (empfindsam düster: der junge Jake Gyllenhaal) und sein verkorkstes Erwachsenwerden, so sieht man sich in eine von Regisseur Richard Kelly virtuos komponierte „Twilight Zone“ verstrickt: als hätte David Lynch eine Mischung aus „Mein Freund Harvey“ und „American Beauty“ inszeniert. Dazu gehören nicht nur Donnies (imaginierter) Wegbegleiter im Ganzkörperkostüm eines Horrorhasen sowie chronisch drohende CGI-Wolkenphänomene am Himmel und wunderbar ausgeleuchtete Vorstadtszenerien in Zweitlupe, sondern auch ein ausgeklügeltes Sounddesign aus dräuenden Demutsbässen und eine für das Teenage-Angst-Genre stilbildende Musikauswahl aus originalen und gecoverten 1980er-/1990er-Jahre-Hits.

Der Film ist 2021 zu seinem Jubiläum in Deutschland erstmals mit einem kleinen Kinostart gefeiert worden. Zu diesem Zweck wurde eine vom Master in 4K restaurierte, technisch angemessene Fassung erstellt. Die Ehre ist allerdings nur der Kinofassung zuteilgeworden; die 2005 erschienene, vom Regisseur autorisierte, gut 20 Minuten längere Festivalfassung gilt es weiterhin nur im Heimkino zu entdecken. Die aktuelle Ausgabe von StudioCanal beendet aber in jedem Fall die Sucherei, auf welcher der vergangenen Heimkino-Ausgaben welche Filmversion und welches Bonusmaterial zu finden sein könnte.




Wer nicht eine der schwer zu findenden (nur über die Shop-Internetseite des Verleihs erhältliche) „4 Disk-Collector’s Edition“ ergattert, muss sich nur entscheiden, ob die „normale“ Blu-ray ausreicht oder es die qualitativ hochwertigere 4k UHD sein soll. In beiden Editionen finden sich die Kinofassung und der „Director’s Cut“. Zudem sind auf beiden alle drei bislang verstreuten Audiokommentare versammelt: mit Maggie Gyllenhaal, Drew Barrymore und ihren Kollegen, mit dem Regisseur Richard Kelly und Darsteller Jake Gyllenhaal sowie einer mit dem Regisseur und seinem Freund und Regiekollegen Kevin Smith (extra erstellt für den Director’s Cut). Die neu produzierte Dokumentation „Deus ex machina” geht in 90 Minuten abendfüllend auf die gesamte Produktionsgeschichte und die philosophischen Aspekte der komplexen Story ein. Ergänzt wird alles durch 33 Minuten geschnittene Szenen (vom Regisseur kommentiert), durch die Kurzdokus zum Film aus den älteren Editionen sowie Kellys Kurzfilm „The Goodbye Place“ (9 Min.).

Schon damals sind die DVD- und Blu-ray-Ausgaben mit dem Silberling ausgezeichnet worden. Selbstverständlich tun es nun auch diese mustergültigen Doppel- und Vierfach-Editionen des Jahres 2021 ihren Vorgängern gleich.


"Die Abenteuer des Robin Hood"

Die Abenteuer des Robin Hood bleiben unerreicht! Michael Curtiz’ Klassiker von 1938 hat nicht nur im Vergleich zu anderen Robin-Hood-Filmen die spielwütigsten Darsteller, die schönsten Farben, die spannender erzählte Geschichte, er ist einfach zeitloses romantisches Abenteuerkino. Die 2021 beim Label Pidax erschienene Edition des Klassikers, die den Film auf DVD und erstmals auf Blu-ray dem deutschen Heimkino-Publikum zugänglich macht, würdigt ihn entsprechend mit grandiosem Bonusmaterial. Man erhält nicht nur einen erschöpfenden Einblick in die Filmgeschichte des furchtlosen Rächers aus Sherwood Forest (inklusive zweier „Looney Tunes“ mit Bugs Bunny beziehungsweise Daffy Duck in der Titelrolle); mit der einstündigen Dokumentation „Glorious Technicolor“ erfährt man nebenbei auch etliches über den filmhistorischen Kampf der Schwarz-weiß- gegen die Farbfilmlobby in Hollywood und den schlussendlichen Siegeszug des Regenbogens.

Die Pidax-Veröffentlichung folgt einer schon achtzehn Jahre alten Heimkino- Edition von „Die Abenteuer des Robin Hood“ durch das „Mutterschiff“ des Films, Warner Bros., die damals in technischer und inhaltlicher Hinsicht Maßstäbe setzte. Inzwischen hat sich die Verleihpolitik des Verleihs jedoch geändert. Großartige Editionen zu Filmklassikern aus dem Hause Warner sind rar geworden, sodass „Die Abenteuer des Robin Hood“ in Deutschland nie auf Blu-ray, sprich in High Definition erschien – bis nun das deutsche Label Pidax die Lücke geschlossen hat, das ansonsten in erster Linie auf Veröffentlichungen alter einheimischer und europäischer Filme spezialisiert ist.

© Pidax/Warner Bros.

Die HD-Aufwertung ist dem 83-jährigen Film gut bekommen, denn die prächtigen Technicolor-Farben sind nun noch ein wenig mehr gesättigt und kantenscharf. Neues Bonusmaterial sucht man zwar vergebens, aber dafür gelang die Lizenzübernahme des gesamten Materials der Warner-Doppeldisk. Dass die Edition den Film lediglich mit einer Tonspur nur mit der Orchestermusik von Erich Wolfgang Korngold präsentiert, mag sich als Mehrwert zwar allenfalls Studenten der Film- und Musikakademien vermitteln, aber der englische (nicht untertitelbare) Audiokommentar von Filmwissenschaftler Rudy Behlmer ist für alle interessant, die sich für Hollywood am Vorabend des Zweiten Weltkriegs interessieren, eine Ära der Traumfabrik, in der einige der besten Filme aller Zeiten das Licht der Leinwand erblickten. „Die Abenteuer des Robin Hood“ gehört dazu.

Das „Making of“-Feature „Welcome to Sherwood! The Story of the Adventures of Robin Hood“ gibt in 55 Minuten einen guten Eindruck, wie bereits Ende der 1930er-Jahre die Hitmaschinerie Hollywood funktionierte. Ein kleines, skurriles Extra ist schließlich die Option, den Film auf eine Weise anzusehen, die dem Heimkinopublikum so authentisch wie möglich einen Filmbesuch anno 1938 vorzugaukeln: Im „Warner Night at the Movies“-Modus kann man das Hauptprogramm mit einem 23-minütigen Vorprogramm ergänzen, Newsreels, Musik-Cartoons und Swingmusik-Gesangseinlagen inklusive.


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