In den 1990er-Jahren
entfaltete der katholische Gemeindepfarrer Michael Graff in Alpirsbach im
Schwarzwald eine kreative Filmarbeit, die bald über das kleine Städtchen
hinausstrahlte, an anderen Orten Wurzeln schlug und die kirchliche
Beschäftigung mit Film nachhaltig inspirierte. Im Alter von 74 Jahren ist Graff
am 19. August 2023 in Kempten gestorben.
Wenn einer den Titel
eines „Kinopfarrers“ je zu Recht hätte führen wollen, wäre das Michael Graff (4.1.1949-19.8.2023)
gewesen. Der aus Weil der Stadt stammende katholische Priester pflegte von
frühen Jahren an ein so inniges Verhältnis zur Siebenten Kunst, dass er öfters
freimütig bekannte, „aus ernsthaften Filmen andächtiger hervorzugehen als aus
mancher Predigt“. Seinen Amtsbrüdern empfahl er deshalb immer wieder, sich
intensiver mit dem Kino in all seinen Formen zu beschäftigen, weil sich in
dessen Traumgespinsten tiefe Sehnsüchte und geheime Wünsche offenbaren, von
denen die meisten zuvor nichts gewusst hätten.
Seine Neugier
beflügelte den kulturell wachen und vielseitig interessierten Theologen zu
einer innerhalb der Katholischen Kirche singulären Karriere. Nach dem Studium
und ersten Tätigkeiten als Jug