Björn Andrésen in "Tod in Venedig"
Björn Andrésen in "Tod in Venedig" (© Mario Tursi)

Der schönste Junge der Welt

Doku über den Darsteller Björn Andrésen und der Nachruhm von „Tod in Venedig“ - bis 31.12. in der arte-Mediathek

Veröffentlicht am
30.06.2026 - 09:22:58
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1971 spielte der 15-jährige Schwede Björn Andrésen die Hauptrolle des schönen Tazido in Luchino Viscontis Verfilmung der Thomas-Mann-Novelle „Tod in Venedig“. Durch den Erfolg des Films erfuhr auch der junge Darsteller weltweiten Ruhm, der zusehends bizarre Auswüchse annahm. So startete Andresen in Japan eine Karriere als androgyner Popstar, dessen makellose Züge auch in Animes und Mangas vermarktet wurden.

Die für die Fernsehausstrahlung gekürzte Dokumentation „Der schönste Junge der Welt“ zeigt aus dem Abstand von 50 Jahren, wie Andresen darum rang, die Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen. Der von Trauer und einem Gefühl der Unerlöstheit durchdrungene Film von Kristina Lindström porträtiert Andresen als einsiedlerisch lebenden, hochsensiblen Melancholiker. Das Doku-Essay erschöpft sich nicht in Schuldzuweisungen an eine brutale Entertainment-Industrie, sondern gewährt durch die Offenheit des Porträtierten beklemmende Einblicke in ein beschädigtes Leben.

Aus heutiger Sicht ist die Unbedarftheit, mit der die Filmemacher mit dem sensiblen Jungen umgingen, mehr als unverständlich. Dass Andrésen bereits vor seiner „Entdeckung“ traumatisiert war, weil seine Mutter eines Tages verschwand und ein Jahr später tot im Wald aufgefunden wurde, kümmerte anscheinend niemanden. Über die Mutter und ihren Tod wurde in Andrésens Familie fortan geschwiegen. Auf Super-8-Bildern sieht man sie lächelnd durch die Tür einer Holzhütte gehen, im langen, weißen Nachthemd, wie ein Geist. – Ab 16.

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