Die Kirche bleibt im Dorf

Komödie | Deutschland 2011 | 95 Minuten

Regie: Ulrike Grote

Die Bewohner zweier benachbarter schwäbischer Dörfer liegen im Dauerclinch. Da die Kirche auf dem Gebiet des einen Dorfs, der Friedhof auf dem des anderen liegt, kommt es über die Nutzung der geweihten Stätten immer wieder zum Streit. Schwankartige Komödie, gedreht im schwäbischen Dialekt, deren Handlung mehr Posse als realitätsnahes Regionalkino ist. Die spielfreudigen Darsteller sorgen trotzdem für Elan. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2011
Regie
Ulrike Grote
Buch
Ulrike Grote
Kamera
Robert Berghoff
Musik
Jörn Kux
Schnitt
Tina Freitag
Darsteller
Natalia Wörner (Maria Häberle) · Karoline Eichhorn (Christine Häberle) · Julia Nachtmann (Klara Häberle) · Christian Pätzold (Gottfried Häberle) · Elisabeth Schwarz (Elisabeth Rossbauer)
Länge
95 Minuten
Kinostart
26.05.2022
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Universum (16:9, 1.78:1, DD5.1 dt.)
Verleih Blu-ray
Universum (16:9, 1.78:1, dts-HD dt.)
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Komödie um die Bewohner zweier benachbarter schwäbischer Dörfer, die im Dauerclinch liegen.

Diskussion

Die deutschen Dialekte sterben aus, lautet eine regelmäßig wiederkehrende Meldung. Vor einigen Jahren führte die UNESCO „Kölsch“ und „Bayerisch“ als bedrohte Mundarten auf. Doch die Globalisierungsskepsis scheint die Sehnsucht nach dem Regionalen zu fördern. Der Mut zur Mundart ist inzwischen schon keiner mehr; regionale Produkte lassen sich immer besser vermarkten. Das gilt für Lebensmittel wie für Bücher und Filme.

Die Renaissance des Dialekts in Kino und Fernsehen und damit auch die Renaissance eines deutschen Heimatfilms schwappte aus Bayern in andere Bundesländer über. Im Fernsehen gerne als Heimatkrimi (die „Spreewald“-Reihe im ZDF, der Allgäuer Grantler-Kommissar Kluftinger in der ARD), im Kino als Komödie oder historischer Stoff: etwa „Wer früher stirbt, ist länger tot“ von Marcus H. Rosenmüller oder „Hierankl“ von Hans Steinbichler.

Ein Preuße darf auch nicht fehlen

Nun kommt „der erste schwäbische Westernstreich mit Dialekt-Showdown“ (Produktionsfirma) ins Kino, zumindest in Baden-Württemberg. Außerdem wird der Film in Berlin und in Hamburg in je einem Kino laufen. Regie führte die in Pforzheim aufgewachsene Ulrike Grote.

„Die Kirche bleibt im Dorf“ erzählt von den fiktiven Nachbardörfern Unter- und Oberrieslingen, irgendwo tief im „Ländle“. Hüben liegt der Friedhof, drüben steht die Kirche und dazwischen eine pittoreske Burgruine. Sanft gewellte Weinhügel machten die schwäbische Idylle perfekt, würden sich nicht die urigen Bewohner in einem erbitterten Dauerstreit aufreiben. Das Schlagloch an der Grenze zwischen den beiden Orten wird jeweils dem unliebsamen Gegenüber zugeschrieben, die Oberrieslinger Oma wird auf dem Unterrieslinger Friedhof neben den Komposthaufen gebettet und schließlich zu allem Überfluss exhumiert. Es gibt eine „verbotene“ Liebe; der obligatorisch begriffsstutzig-steife Preuße (aus Winterhude) darf auch nicht fehlen. Der Preuße bringt einen US-Amerikaner mit, der aus nebulösen Gründen die Kirche kaufen will. Darüber entbrennt der Streit erst recht.

Fröhlich fleddert Grote, die auch das Drehbuch geschrieben hat, Klassiker von „Fitzcarraldo“ bis „Romeo und Julia“. Die Regisseurin hat ein durchweg schwäbisches Ensemble besetzt. Es wird angeführt von Natalia Wörner, Karoline Eichhorn und Julia Nachtmann, die drei Oberrieslinger Schwestern spielen. Die Spielfreude und die Lust am Dialekt ist den Darstellerinnen anzumerken. Wo die Geschichte in allzu freundlich-biederer Harmlosigkeit zu versanden droht, wirkt dieser schauspielerische Elan wie ein Motor. Der Witz ist schwankartig gestrickt, die Geschichte treibt Blüten fern der Lebensrealität. Die Verankerung in derselben geht dem Film ziemlich ab, was den possenhaften Eindruck befördert.

Der Pilotfilm zur Serie

„Die Kirche bleibt im Dorf“ ist der Pilotfilm zur gleichnamigen Fernsehserie, die 2013 ausgestrahlt werden soll. Anrührender, komischer und bissiger ist allerdings die Dokumentarkomödie „Schotter wie Heu“ der Filmemacherinnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler; auch dies ein schwäbischer Heimatfilm, um den Filialleiter einer kleinen Sparkasse, der sich der Globalisierung verweigert.

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