Star Trek: Strange New Worlds

Abenteuer | USA 2022 | Minuten

Regie: Chris Fisher

Eine Science-Fiction-Serie aus dem „Star Trek“-Universum, die die Vorgeschichte der Originalserie aus den 1960ern beleuchtet: Im 23. Jahrhundert startet das Forschungsschiff USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike zu einer Weltraummission, um neue Welten zu erkunden. Trotz einer düsteren Prophezeiung, die auf dem Captain lastet, verzagt er nicht, und bei den Abenteuern, die auf das Schiff warten, hat er eine kompetente, freundschaftlich verbundene Crew um sich. Die Serie schließt an eine 1965 gesendete Pilotfolge der legendären Serie an und besinnt sich sowohl mit ihrer „Ein Abenteuer pro Folge“-Dramaturgie als auch mit ihrem optimistisch-humorvollen Tonfall auf die Wurzeln des Franchise. Ein an die 1960er angelehnter, technisch aber auf der Höhe der Zeit umgesetzter retrofuturistischer Look, ein liebeswertes Ensemble, das nicht zuletzt von starken Frauenfiguren geprägt wird, und überbordender erzählerischer Einfallsreichtum in der Gestaltung der Episoden machen die Serie zu schönster eskapistischer Unterhaltung. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
STAR TREK: STRANGE NEW WORLDS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Chris Fisher · Amanda Row · Andi Armaganian · Christopher J. Byrne · Sydney Freeland
Buch
Akiva Goldsman · Alex Kurtzman · Jenny Lumet · Henry Alonso Myers · Davy Perez
Kamera
Magdalena Górka · Glen Keenan · Benji Bakshi
Musik
Nami Melumad
Schnitt
Andrew Coutts · Dana Gasparine · John Wesley Whitton
Darsteller
Anson Mount (Captain Christopher Pike) · Melissa Navia (Erica Ortegas) · Ethan Peck (Spock) · Jess Bush (Schwester Christine Chapel) · Christina Chong (La'an Noonien-Singh)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Abenteuer | Action | Science-Fiction | Serie

Eine gelungene Prequel-Serie, die die Vorgeschichte der originalen "Raumschiff Enterprise"-Serie aus den1960ern beleuchtet und zu deren Charme zurückfindet.

Diskussion

„Strange New Worlds“ lautet der Titel der neuen „Star Trek“-Serie – ein Rückgriff auf den Urtext der Serie schlechthin. Entnommen ist er dem Intro der legendären Originalserie, die im Jahr 1966 das Raumschiff Enterprise auf seine erste Mission entsandte. Der Vorspann beginnt berühmt-berüchtigt mit den Worten „Der Weltraum, unendliche Weiten …“ Seit den von William Shatner gesprochenen Worten sind Generationen von Zuschauer:innen mit der ein oder anderen Form der Serie groß geworden. Nun gibt es im Jahr 2022 einen neuen Commander auf der Brücke des Sternenflotten-Flaggschiffs: Captain Christopher Pike (Anson Mount).

Rückgriff auf eine „Star Trek“-Pilotfolge von 1965

Beim Namen Christopher Pike werden Kenner des „Star Trek“-Universums aufhorchen. Mit ihm wird eine alte Pilotfolge wiederbelebt, die im Jahr 1965 den Episodentitel „The Cage“ trug. Das Prinzip solcher Pilotfolgen ist im heutigen Streamingzeitalter so obsolet geworden, dass man es fast schon erklären muss. In grauen TV-Vorzeiten waren sie eine Art Testballon, mit denen die Beliebtheit eines anvisierten Serienprojekts getestet wurde. Kam eine Pilotfolge beim Publikum gut an, ging die Serie in Produktion; floppte sie, wurde das Projekt eingestellt. Meistens für immer.

Die erste „Star Trek“-Episode erwies sich 1965 als veritabler Flop. Der Schauspieler Jeffrey Hunter verkörperte damals Captain Pike, der einer Raumfahrer-Crew voranstand, die die Herzen der Zuschauer:innen nicht so recht erobern konnte. Dabei waren einige spätere Publikumslieblinge bereits mit dabei: der Vulkanier Mister Spock etwa, ikonisch-spitzohrig gespielt von Leonard Nimoy, und auch die smarte Kommunikationsoffizierin Lieutenant Uhura (Nichelle Nichols).

Eine entscheidende Zutat fehlte der Protoserie jedoch: Charisma. Dieses brachte 1966 der markante William Shatner mit, der fortan in seiner Rolle als Weltraum-Herzensbrecher und Macher vom Dienst das Kommando übernahm. An seiner Seite: Leonard Nimoy sowie der Schiffsarzt mit dem Spitznamen „Bones“ (dt. „Pille“), legendär missgelaunt gespielt von DeForest Kelley. Das Trio wurde zum Herzen und Motor der Serie. Auch heute noch ist es ein Genuss, den dreien dabei zuzusehen, wie sie sich komödiantische Bälle zuspielen.

Das 78-minütige Material der Pilotfolge wurde in einer späteren Episode („The Menagerie“) zweitverwertet. Hier hatte Jeffrey Hunter nochmals einen großen Auftritt als Captain Pike, schwer gezeichnet von den Folgen eines Unglücks, das jetzt auch für den neuen Pike-Darsteller Anson Mount eine entscheidende Rolle spielt.

Das Prinzip der Wahlverwandtschaften

In der Neuauflage und Anknüpfung an den gescheiterten Pilotfilm von damals erzählt „Strange New Worlds“ die Vorgeschichte der originalen „Star Trek“-Serie im 23. Jahrhundert. Der Rolle von Captain Pike fällt hierbei eine Schlüsselrolle zu. In Form einer Prophezeiung erfährt Pike von seinen düsteren Zukunftsaussichten. Der Kommandant hadert mit seinem Schicksal, ohne darüber zu verzagen. An der Seite von Captain Pike schlagen sich unter anderem Mister Spock (Ethan Peck), die Erste Offizierin des Schiffs, Una (Rebecca Romjin), Jess Bush als Krankenschwester Christine Chapel sowie Celia Rose Gooding als Nyota Uhura durch die ersten Folgen.

Die Besatzung in „Strange New Worlds“ verbindet dabei nicht nur, dass sie Crew-Angehörige eines Schiffes sind, sondern auch ein Freundschaftsband, was in guten Momenten des „Star Trek“-Universums stets zum Grundpfeiler des Storytellings gehörte. Anders als in der anderen großen Science-Fiction-Saga, dem Weltraum-Märchen „Star Wars“, das sich an den Themen Familienzugehörigkeit und Abstammung abarbeitet, herrschte im erwachsenen, Metaphysik-befreiten „Star Trek“-Kosmos immer schon ein Prinzip der Wahlverwandtschaften, das kunstvoll die widerspenstigsten Charaktere (und Spezies) zusammenbrachte. Und das unter zivilisatorisch günstigen Voraussetzungen, denn der „Star Trek“-Schöpfer Gene Roddenberry hatte stets eine betont zukunftsoptimistische Vision der Menschheit vor Augen.

Rückkehr zu humorvoller Leichtigkeit

„Star Trek“ stand in dieser Hinsicht immer auch für ein utopisches Potenzial. Die jüngsten Neuauflagen der Serie, „Star Trek: Discovery“ und „Star Trek: Picard“, haben sich von diesen Grundoptimismus allerdings teilweise verabschiedet. Ihre staffellangen Erzählungen handelten bleischwere Plots ab, die finster vom drohenden Untergang des Planeten oder gleich des ganzen Kosmos erzählten. Mit „Strange New Worlds“ kehrt „Star Trek“ jetzt wieder zu einem optimistischeren Weltbild und auch zu einer humorvolleren Leichtigkeit zurück. Entgegen dem Trend der vieler aktueller Fernsehserien, die auf horizontales Erzählen und einen Plot setzen, der sich über eine ganze Staffel hinzieht, baut „Strange New Worlds“ auf ein vermeintlich überkommenes Handlungsprinzip: Woche für Woche wird eine neue abgeschlossene Episode präsentiert. (Der deutsche Veröffentlichungsturnus bei Paramount Plus sieht jeweils eine Doppelfolge vor). Auch das ist eine Rückkehr zum „Star Trek“-Original.

Die Retrobewegung der neuen Serie zeigt sich vor allem auch in ästhetischer Hinsicht. „Strange New Worlds“ reproduziert den ikonischen Look der 1960er-Jahre auf fast schon unverschämte Weise, inklusive der einschlägigen Uniformen (Gelb, Rot, Blau), Gerätschaften (Phaser, Tricorder, Kommunikatoren) und Interieurs (Transporterraum, Maschinendeck, Brücke). Da hierbei aber auch für die notwendigen Updates gesorgt wurden, erstrahlt „Strange New Worlds“ in einem Glanz, den so noch keine „Star Trek“-Serie besaß. Die in jüngster Zeit immer beliebteren virtuellen Produktionssets verleihen dem Inneren der Enterprise eine beeindruckende Tiefe. Und auch der Gestaltung fremder Planeten sind heute weit weniger Grenzen gesetzt als in Zeiten von William Shatner und Leonard Nimoy, die sich bei ihren Außenmissionen häufig in den ausrangierten Kulissen zeitgleich produzierter Sandalenfilme bewegten.

Ein Mann führt und die Frauen geben den Ton an

Für Fans waren es oftmals gerade diese schrulligen Elemente, die den besonderen Reiz von „Star Trek“ ausmachten, sich nicht immer hundertprozentig ernst zu nehmen. Einen Wink in Richtung dieser Goofyness (für dieses schöne englische Wort gibt es kein wirkliches deutsches Pendant) hält auch die neue Serie in mancherlei Hinsicht parat. Gleich in der Auftaktfolge gilt es, die Erste Offizierin der Enterprise aus der Gefangenschaft auf einem fremden Planeten zu befreien. Die Crew lernt unter der Anleitung ihres Captains, dass man sich die vermeintlich starren Sternenflotten-Statuten bei Bedarf zurechtbiegen muss, um ans Ziel zu gelangen. Im überwiegend weiblichen Ensemble der neuen „Star Trek“-Serie ist Pike aber beileibe kein Hahn im Korb. Mit der großen Gelassenheit eines in sich ruhenden Mannes spielt Anson Mount gegen den aus der Zeit gefallene Machismo von William Shatners Captain Kirk an, der seinerzeit davon ausging, alle Frauen des Weltalls beglücken zu müssen.

Überhaupt geben die Frauen in „Strange New Worlds“ den Ton an. Eine spielt dabei alle anderen an die Wand. Jess Bushs als Krankenschwester Christine Chapel ist eine Liebeserklärung an ihre Vorgängerin aus der Originalserie, die von Roddenberrys Ehefrau Majel Barrett verkörpert wurde und in vielen Folgen der Serie und in zwei Kinofilmen zumeist nur als stiller Sidekick agierte. Die fabelhafte Jess Bush darf nun so viel mehr aus dieser Rolle machen. Wissenschaftlich ausgebufft, ist sie gemeinsam mit dem Schiffsarzt Joseph M’Benga (Babs Olusanmokun) für das gesundheitliche Wohl der Crew verantwortlich. Nebenher hat sie einen herrlich nerdigen Crush auf ein gänzlich unerreichbares Liebesobjekt: den grünblütigen Logik-Freak Spock, dem seine Vulkanier-Prinzipien über alles gehen. Für das kleine Wunder aber, das sich fortan zwischen den beiden Figuren abspielt, gibt es vielleicht erst im 23. Jahrhundert ein passendes Wort.

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