Der Käfer mit dem knackenden Geräusch verheißt nichts Gutes. Tante Jet (Dianne Wiest) bereitet er darauf vor, ihr irdisches Dasein bald hinter sich zu lassen. Aber auch nach ihrem Tod verschwindet das Insekt nicht. Als hätten die Owens-Frauen als Nachkommen von Hexen nicht genug Ärger, sind sie auch noch mit einem Fluch belegt. Sobald sich eine von ihnen verliebt, scheidet der Betroffene durch einen plötzlichen Unfall aus dem Leben. Sally (Sandra Bullock) hat dadurch bereits zwei Männer verloren. Nun ist es ihre erwachsene Tochter Kylie (Joey King), die nichts von diesem scheußlichen Fluch ahnt, aber starke Gefühle für ihren Freund entwickelt. Der hartnäckig ratternde Käfer verrät, wie die Beziehung bald enden wird.
Haus und Garten sehen noch wie früher aus
Fast drei Jahrzehnte nach „Zauberhafte Schwestern“ kehrt die Fortsetzung in das beschauliche Küstendorf Dryden in Massachusetts zurück. Das verschachtelte, aus der Zeit gefallene Haus der Owens-Frauen mit dem markanten Turm, aber auch der liebevoll gepflegte Garten sehen noch genau wie früher aus. Auch sonst konzentriert sich die von Susanne Bier inszenierte Fortsetzung auf das Vertraute. Ein Großteil der Originalbesetzung tritt wieder an, Kultszenen werden neu interpretiert, und auch Stevie Nicks erklingt erneut auf dem Soundtrack, wenn auch mit einem anderen Lied.
Was „Zauberhafte Schwestern“ (1998) von Griffin Dunne auszeichnete, war sein ständig wechselnder Erzählton und das schamlose Durcheinander an Genres. Erstaunlich daran war, dass es funktionierte. „Zauberhafte Schwestern“ war energetisch, lustig, düster, brutal und herzerwärmend zugleich. Was an der Handlung weniger glaubwürdig wirkte, machte Dunnes lebendig-verspielte Inszenierung vergessen. Die auf grellen Gegensätzen basierenden, einnehmend charismatischen Darbietungen von Bullock und Nicole Kidman in der Rolle von Sallys Schwester Gillian taten ihr Übriges.
Susanne Bier verengt diese erzählerische Bandbreite für „Practical Magic 2 - Zauberhafte Schwestern“ auf eine rührselige Geschichte über Verlust, Schicksal und familiären Zusammenhalt. Kaum hat die junge Kylie erfahren, dass sie eine Hexe ist, reist sie auch schon mithilfe eines alten Zauberbuchs nach England, um den Fluch zu bannen und ihren im Koma liegenden Freund zu retten. Die grüblerisch gehemmte Sally und ihre hyperaktiv kindische Schwester sind ihr dabei auf den Fersen.
Gespräche sind wichtiger als Schauwerte
Gehext wurde schon im Original recht wenig, aber die Fortsetzung hält sich nun auch bei anderen Schauwerten bedeckt. Statt turbulenter Wendungen und körperlicher Dynamik hält der zweite Teil viele Gespräche über Traumata und unerfüllte Sehnsucht bereit. Anders als im Vorgängerfilm spielen Männer nur eine sehr untergeordnete Rolle, ohne dass der Film von der Konzentration auf die Protagonistinnen profitieren würde.
Gab es in „Zauberhafte Schwestern“ noch einen gewalttätigen Serienmörder, der aus dem Jenseits zurückkehrte, und einen Polizisten, der sowohl Love Interest als auch Bedrohung war, hat die Fortsetzung lediglich einen zwar attraktiven, aber reichlich blassen Professor für Magie (Lee Pace) sowie einen nicht sonderlich markanten Bösewicht zu bieten, die beide kaum eine Rolle für die Handlung spielen. Stattdessen wird häufig in Küchen gestanden oder in Betten gelegen und dabei viel über Gefühle gesprochen. Mit dem Professor gibt es ein paar witzige Peinlichkeiten, und auch ein wenig Magie kommt zum Einsatz, doch ausgerechnet auf der Gefühlsebene, auf der sich Bier einrichtet, bleibt „Practical Magic 2 - Zauberhafte Schwestern“ schwunglos. Manchmal kippen die oft statisch inszenierten Dialogszenen fast ins Seifenopernhafte.
Bullock und Kidman bleiben die Stars
Die Möglichkeit der Geschichte, einen neuen erzählerischen Pfad einzuschlagen, indem sich die Aufmerksamkeit stärker auf Kylie verlagert, wird lediglich angedeutet. Am Ende bleiben Bullock und Kidman die unangefochtenen Stars, die sich zumindest gelegentlich so aneinanderreiben, dass etwas von ihrer schauspielerischen Vitalität durchscheint. Ihre Figuren fühlen sich diesmal aber ungleich flacher an. Sally, die sich aus Enttäuschung und Angst in die Rolle der immer etwas zwanghaft ihre Sorgen weglächelnden, asexuellen Mutter zurückzieht, besäße eigentlich genug dramatisches Potenzial. Doch Bullocks Nuancenreichtum bleibt begrenzt, nicht nur wegen ihres mittlerweile stark gelifteten Gesichts. Kidman dagegen wird weitgehend zum überdrehten Pausenclown degradiert.
So behäbig wie der Film voranschreitet, so naheliegend ist es auch, dass er sich immer wieder in fantasieloses Fantum flüchtet. Ikonische Szenen aus dem ersten Teil werden lieblos aufgewärmt, während das Timing in der letzten halben Stunde endgültig verloren geht. Das Finale zieht sich zäh in die Länge, so dass man hofft, Sally möge in der Zukunft nicht auch noch Enkelinnen bekommen.