Ein Fels mit tiefen Rissen

Donnerstag, 22.03.2018

Ein Porträt von Josef Bierbichler zum Kinostart von „Zwei Herren im Anzug“

Diskussion

Es gibt zwei Darstellertypen, die sich fundamental unterscheiden: den Verwandlungskünstler und den Sich-selbst-Spieler. Einerseits die Lust an der Verwandlung, andererseits die Überzeugungskraft physischer Präsenz. Einer von denen, die egal in welcher Rolle zuerst einmal als sie selbst in Erscheinung treten, ist Josef Bierbichler, der am 26. April seinen 70. Geburtstag feiert, mit jeder Faser seiner wuchtigen, gern als „bajuwarische Urgewalt“ charakterisierten Erscheinung. Aktuell läuft sein Film „Zwei Herren im Anzug“ im Kino (hier unsere Kritik).


Eigentlich hätte Josef Bierbichler mit seiner Statur folkloristisch fabelhaft den bayrisch Bodenständigen repräsentieren können, wie in seiner Rolle als herzoglicher Jäger Simmerl in der „Brandner Kaspar“-Fernsehfassung von 1975. Aber das sollte nicht sein Weg werden. Klischees und gängigen Rollenbildern hat er sich immer verweigert. Immer wieder hat der Sohn von Land- und Gastwirten aus Ambach am Starnberger See erklärt: „Ich spiele grundsätzlich nur mich selbst!“

Als er in Jan Schüttes „Abschied. Brechts letzter Sommer“ (2000) den alten Brecht spielte, war von vornherein klar, dass es keine Anstrengung der Masken- oder Kostümbildnerei zur Herstellung äußerer Ähnlichkeiten geben sollte. Was ja auch bei dem Kontrast von Bierbichlers Massigkeit und Brechts fragiler Erscheinung ein vergebliches Unterfangen gewesen wäre. Derart entstand ein hübscher Verfremdungseffekt. Nicht um Verwandlung sollte es gehen, sondern um Verkörperung, das heißt um die Verkörperung einer Gestalt, die in ihrer genialischen Dominanz alle Welt, besonders die Frauen, fasziniert, und zugleich achtlos über Schicksale hinwegtrampelt.


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