Im Interview: Jacques Audiard

Dienstag, 05.03.2019

Zum Kinostart von „The Sisters Brothers“

Diskussion

Mit „The Sisters Brothers“ (zur FILMDIENST-Kritik) präsentiert der Franzose Jacques Audiard seinen ersten Film in englischer Sprache. Für den visuell starken Western mit John C. Reilly und Joaquin Phoenix erhielt er den „Silbernen Löwen“ für die Beste Regie bei den Filmfestspielen in Venedig 2018. Ein Gespräch über die Risse in den Fassaden von Männlichkeit, das Spiel mit Genrevorgaben und Utopien.


Ich hätte alles von Ihnen erwartet, nur keinen Western. Haben Sie eine Affinität gegenüber diesem Genre?

Audiard: Überhaupt nicht. Das Kino prägt uns in einem bestimmten Alter, zwischen elf und fünfzehn dreht sich alles nur um das eine: um Mädchen, eine fremde Spezies, die es zu erobern gilt. Und die fehlten einfach im Western, deshalb fühlte ich mich da auch nicht aufgehoben und deshalb interessierte mich John Wayne als Sheriff, Marshall oder Kavallerie-Offizier nicht besonders. Diese Machos waren überhaupt nicht mein Ding. Jean-Louis Trintignant dagegen mit seinen Frauengeschichten im Film entsprach da schon eher meinem Schauspiel-Idol.

Und wie kam es dann zu „The Sisters Brothers“?

Audiard: Die Idee stammt von John C. Reilly und seiner Frau Alison Dickey, der Produzentin. Wir trafen uns 2012 beim Toronto-Filmfestival und John schlug mir vor, Patrick DeWitts Roman zu lesen, für den er die Rechte besaß. Ich war sofort begeistert von dem cinematografischen Potenzial, konnte mir aber auf Anhieb keine Verfilmung vorstellen, da der Anstoß – ganz ungewohnt für mich – erstmals von außen kam. Das Genre selbst war nicht ausschlaggebend, sondern

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