Tatort - Angriff auf Wache 08

Mittwoch, 09.10.2019

Thriller um den Angriff schwerbewaffneter Gangster auf eine abgelegene ehemalige Polizeiwache

Diskussion

Im Frühjahr huldigte der Hessische Rundfunk mit der „Tatort“-Folge Murot und das Murmeltier bereits dem Zeitschleifen-Klassiker Und täglich grüßt das Murmeltier, für die 8. Folge mit Ulrich Tukur als Kommissar Felix Murot haben sich Regisseur Thomas Stuber und Drehbuchautor Clemens Meyer nun einen weiteren Hollywood-Film als Blaupause ausgesucht: „Angriff auf Wache 08“ ist über lange Strecken ein sehr dicht am Original bleibendes Remake von John Carpenters Assault – Anschlag bei Nacht (für den sich der US-Regisseur bekanntlich seinerseits am Western Rio Bravo und an Die Nacht der lebenden Toten orientierte).

Statt eines fast verlassenen Polizeireviers in Los Angeles, das von einer schwerbewaffneten kriminellen Gang angegriffen wird, steht im „Tatort“ eine alte Polizeiwache irgendwo in der Pampa zwischen Frankfurt und Offenbach unter Beschuss. In dem Haus, das als Museum genutzt wird, dienen nur noch die Verkehrspolizistin Cynthia (Christina Große) und der frühere BKA-Mitarbeiter Walter Brenner (Peter Kurth), ein alter Freund und Kollege von Murot. Letzterer besucht Brenner ausgerechnet an dem Tag, als eine Gang aus Rache für einen eskalierten Polizeizugriff auf der Straße bereits mehrere willkürlich ausgewählte Menschen erschossen hat. Eine Jugendliche konnte ihnen gerade noch entkommen und flüchtet nun in die Wache, kurz nachdem auf dem Parkplatz ein Gefangenentransport mit einer Panne Halt gemacht hat. Gleich darauf beginnt der Beschuss des Hauses, in dem die Eingeschlossenen kaum Widerstand leisten und mangels funktionierender Telefone auch keine Hilfe rufen können. Dazu kommt: Unter den Strafgefangenen befindet sich der schwer einzuschätzende, von Murot geschnappte Kannibale Kermann (Thomas Schmauser), und obendrein ist für den brütend heißen Sommertag eine Sonnenfinsternis angekündigt.

Stuber und Meyer geben zu keiner Zeit vor, dass ihr Szenario etwas anderes ist als die Übertragung US-amerikanischer Filmbilder auf deutsche Verhältnisse. Das Duo, das bislang für seine realitätsnahen Werke wie Herbert bekannt war, tobt sich in all den Überstilisierungen und Logik ausklammernden Spannungsszenen aus, dass es (meist) eine wahre Freude ist. Die Angreifer sind dabei ebenso wie bei Carpenter eine gesichtslose Armee, unter der sich offenbar Islamisten ebenso finden wie Neonazis, Profil gewinnt dafür die süffig charakterisierte und ausgezeichnet besetzte Schar in der Wache: Vom beständig Zigarren rauchenden Brenner über die emsige Cynthia bis zum hochpräzisen Psychopathen. Für puristische „Tatort“-Zuschauer sicher eine (neue) Herausforderung, für alle anderen ein bemerkenswert gelungenes Experiment in Sachen Action und Spannungsaufbau. – Ab 16.

Hier geht es zum Film in der ARD Mediathek



Foto: hr/Bettina Müller

Filmdetails
Kommentar verfassen

Kommentieren