© KGP Filmproduktion ("Moneyboys")

Das 43. Filmfestival Max Ophüls Preis

Freitag, 28.01.2022

Beim hybrid-dezentralen 43. MOP-Festival wurden die Filme freundlich bis enthusiastisch diskutiert. Eine Übersicht über die Preisträger

Diskussion

Gender, Queerness und Gewalt zwischen den Geschlechtern dominierte in den Filmen des 43. Max Ophüls Preis Festivals, aber so richtig anstößige Werke waren nicht darunter. Mitunter wünschte man sich etwas mehr Risikobereitschaft und nicht nur die Demonstration eines „woken“ Bewußtseins.


Das 43. Filmfestival Max Ophüls Preis (16.-26.1.2022) fand in diesem Jahr als Hybrid und dezentral statt. Das verschlankte Programm wurde vor Publikum in den Kinos und zugleich online präsentiert. Man konnte den Festivalmachern dabei zusehen, wie sie im Studio bei Filmgesprächen versuchten, eine Art Festival-Atmosphäre zu simulieren.

Ähnlich hybrid wie das Festival fielen auch die unterschiedlichsten Mischungsverhältnisse zwischen dem Fiktionalen, dem Dokumentarischen, dem Theaterhaften und dem Filmischen in den gezeigten und freundlich bis enthusiastisch diskutierten Filmen aus. Konnte man im Festivaljahrgang 2021 noch bemängeln, dass die jungen Filmemacher und Filmemacherinnen sich lustvoll der Rubrizierung drängender globaler Gegenwartsprobleme widmeten, so fiel der Festivaljahrgang 2022 deutlich selbstbezogener aus.


Der Einspruch der Jurys

Zwar widmete sich der Eröffnungsfilm „Everything will change“ dystopisch dem Klimawandel und dem Schwinden der Artenvielfalt, doch sonst herrschten eher Beziehungsfilme vor, die sich Themen wie Gender, Queerness oder auch struktureller Gewaltverhältnisse zwischen den Geschlechtern widmeten. Das ist richtig und wichtig. Doch mitunter wünschte man sich etwas mehr Risiko im Formalen und nicht lediglich ein Bewusstsein für die Präsentation der „woken“ Sensibilität.

"Soul of a beast" von Lorenz Meier (Hesse Film/8horses)
"Soul of a Beast" von Lorenz Meier (© Hesse Film/8horses)

Provokationen, die dem „politisch korrekten“ Mainstream einmal sperrig kämen, sind nicht zu fürchten, aber man kann auch nicht damit rechnen. Insofern kann man die prämierten Filme wie „Moneyboys“, „Soul of a Beast“ und „Anima – Die Kleider meines Vaters“ durchaus auch als unbequemen Einspruch der Jurys gegenüber zu viel bescheidener und vorsichtiger Selbstbezogenheit des Nachwuchses werten. Querdenken war einmal als Kompliment zu verstehen gewesen.


Die Preisträger des 43. Festival Max Ophüls Preis


Bester Spielfilm: „Moneyboys“ von C.B. Yi (Österreich, Frankreich, Belgien, Taiwan 2021)

Beste Regie: Lorenz Merz für „Soul of a Beast“ (Schweiz 2021)

Bestes Drehbuch: „Moneyboys

Beste Schauspieler: Pablo Caprez für „Soul of a Beast“

Beste Schauspielerin: Julia Windischbauer in „Para:dies“ von Elena Wolff (Österreich 2022)

Beste Musik in einem Dokumentarfilm: Julia Kent für „Stories from the sea“ von Jola Wieczorek (Österreich 2021)

Bester Dokumentarfilm: „Anima– Die Kleider meines Vaters“ von Uli Decker (Deutschland 2022)

Preis für den gesellschaftlich relevantesten Film: „Ladybitch“ von Laura Knüpling & Marina Prados (Deutschland 2022)

Publikumspreis - Dokumentarfilm: „Anima – Die Kleider meines Vaters

Publikumspreis - Spielfilm: „Every Thing will change“ von Marten Persiel (Deutschland/Niederlande 2021)

Preis der Jugendjury: „Risse im Fundament“ von Genia Leis, Gerald Sommerauer (Deutschland 2022)

Preis der Filmkritik - Bester Spielfilm: „Soul of a Beast

Preis der Filmkritik - Bester Dokumentarfilm: „Mayor, Shepherd, Widow, Dragon“ von Eliza Petkova (Deutschland, Bulgarien 2021)

"Moneyboys" von C.B. Yi (MOP 2022/KGP Filmproduktion)
"Moneyboys" von C.B. Yi (© MOP 2022/KGP Filmproduktion)

Preis der Ökumenischen Jury: „Moneyboys

„Moneyboys“ spielt im gegenwärtigen China. Protagonist ist der junge Fei, der vom Land in die Großstadt zieht, um dort auf dem Straßenstrich Geld zu verdienen. Obwohl er seine Familie finanziell unterstützt, lehnen ihn seine Verwandten wegen seiner Homosexualität ab. Sein Job als „Moneyboy“ stürzt ihn in einen Strudel der Gewalt. In der Jury-Begründung heißt es: „Der Film überzeugt durch seine chronologische Erzählweise und die Inszenierung der Gegensätze zwischen traditioneller ,Landidylle‘ und anonymer Großstadt. Der Rhythmus der geräuschvollen Stadt wird durch ein vermeintlich ruhiges und harmonisches Heimatdorf aufgefangen. Die Suche nach der schmerzlich vermissten Geborgenheit im Schoß der Familie endet in der gewaltsamen Wucht an Schuldzuweisung, die den Protagonisten auf unbarmherzige Weise zurück in die Anonymität der Stadt verbannt. Der bewusste Einsatz von Farben, Musik und Ästhetik unterstreicht kraftvoll die Dynamik des schnellen Geldes mit dem eigenen Körper auf einem prekären Weg in die chinesische Upper Class.“

Mitglieder der Jury waren Wolf-Dieter Scheid (Saarbrücken), Sabrina Maas (Saarbrücken), Tom Damm (Schwerte) und Alexandra Palkowitsch (Wien).

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