Denis Sasse

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Zauberhafte Schwestern

In „Practical Magic 2“ (seit 10.9. im Kino) steht einmal mehr eine Familie von Hexen im Zentrum, die sich als zauberbegabte Frauen in der Moderne durchschlagen müssen – und keine schlimmen Absichten gegen die Menschen hegen. Das Bild der bösen Märchenhexe hat im Kino ausgedient. Moderne Filme ersinnen Biografien für ihre Hexen-Figuren oder lassen sie in Allianzen mit anderen Frauen männliche Einschränkungsversuche kontern. Eine Passage durch die Kinogeschichte der emanzipierten Hexen.

Denis Sasse | 18.09.2026

Mit He-Man die Welt erkunden - Über die Spielzeugwelten des Kinos

Erich Kästners Einsicht, dass Erwachsene nur dann echte Menschen sind, wenn sie zugleich Kinder bleiben, findet im Kino vielfach Widerhall. Auch in Filmen um Spielzeugfiguren wie He-Man oder Buzz Lightyear, die dazu einladen, eingefahrene Muster aufzubrechen und sich einer frei entfaltbaren Fantasiewelt hinzugeben. Denn in Spielzeugfilmen geht es immer um Veränderungen, Aufbrüche und die Frage, was von der Kindheit übrigbleibt, wenn man die Spielfiguren aus der Hand gelegt hat.

Denis Sasse | 05.06.2026

Wenn Filme über Filme erzählen

Wenn Filme über Filme erzählen, erlebt man das Kino bei der Arbeit an sich selbst. So spielt etwa der Film „The Ordinaries“ (2022) in einer Filmwelt voller Haupt- und Nebenfiguren, die streng hierarchisch geordnet ist. Menschen außerhalb „der Storyline“ tauchen darin nur an den Rändern auf. Bis eine junge Frau auf ein dunkles Geheimnis stößt. In solchen Selbstreflexionen geht es weniger um Nostalgie; es sind eher Rituale der Vergewisserung, um in herausfordernden Zeiten bei sich zu bleiben.

Denis Sasse | 22.05.2026

Mein Nachbar Totoro

  • Japan 1988
  • R: Hayao Miyazaki
Zwei Mädchen ziehen mit ihrem Vater aufs Land, um näher bei der Mutter zu sein, die im Krankenhaus liegt. Sie machen die Bekanntschaft des großen, gutmütigen und katzengesichtigen Waldgeistes Totoro, der sich nur zu erkennen gibt, wenn er es selbst will. Als die kleinere Schwester spurlos verschwindet, sucht sie die Ältere zusammen mit dem freundlichen Totoro. Ein wunderbar beschwingter Zeichentrickfilm, der weniger eine zielgerichtete Geschichte verfolgt, als vielmehr Episoden eines Sommer erzähl. Der Übergang in die Welt des Wundersamen geschieht so beiläufig und selbstverständlich, dass kindliche Fantasie und mythologische Fabelgestalten nahezu miteinander verschmelzen. Auf sehr sympathische Art geht der Film zu Herzen, wobei er auf Schreckmomente gänzlich verzichtet.
Denis Sasse | 23.04.2026

Generation: Schuld & Scham - Die „Generation“-Sektion der Berlinale

Bei den „Generationen“-Filmen der Berlinale wurden Kinder und Jugendliche immer wieder mit schwierigen Problemen konfrontiert, in denen sie mit Schuld- und Schamempfindungen umgehen mussten. Die Filme porträtierten die Heranwachsenden dabei nicht als passiv Leidtragende, sondern zeigten sie als reflektierende junge Menschen, die lernen, mit komplexen und widersprüchlichen Situationen umzugehen.

Denis Sasse | 06.03.2026

Shintoistische Motive in den Filmen von Hayao Miyazaki

Auf den ersten Blick sind die Filme des japanischen Anime-Regisseurs Hayao Miyazaki vor Fantasie überbordende Abenteuerfilme oder Märchen. Doch das ist nicht alles. Sensibel wird darin beobachtet und bewertet, wie die Menschen sich in diesen Welten verhalten. Und wie sehr dieses Verhalten vom Shintoismus geprägt ist. Denn diese Form japanischer Spiritualität ist in den Filmen aus dem Studio Ghibli unaufdringlich immer da – und universell verständlich.

Denis Sasse | 05.03.2026

Gewählte Nähe: Über Found-Family-Filme

In der Tragikomödie „Rental Family“ (aktuell im Kino) springt ein Schauspieler im Auftrag einer Agentur dort in die Bresche, wo fehlende Väter oder andere Familienmitglieder verkörpert werden müssen. Der Film ist ein neuer Vertreter der Spielform des „Found-Family-Films“, die im Kino immer wieder anzutreffen ist. Denn viele Kinofilme sind sich darüber im Klaren, dass Familiengefüge brüchig und angreifbar sind. Aus der Suche nach Nähe, Stabilität und Geborgenheit entstehen Wahlverwandtschaften, in denen sich die gesellschaftlichen Verschiebungen spiegeln.

Denis Sasse | 18.01.2026

Im urbanen Tierreich - Die „Zoomania“-Filme

Die beiden „Zoomania“-Animationsfilme, die von einer Stadt voller vermenschlichter Tiere und ihrem Zusammenleben erzählen, liefern nicht nur schwungvolle Familienunterhaltung, sondern haben es auch gesellschaftsanalytisch in sich. Verlegt ins Tierreich, geht es um sehr menschliche Fragen nach gelebter Diversität, Integration, Stereotypisierung und struktureller Diskriminierung.

Denis Sasse | 28.11.2025

Mehr Thrill, mehr Spektakel - Das „The Running Man“-Prinzip

Im Remake „The Running Man“ (jetzt im Kino) rennt ein Mann um sein Leben, weil er und zwei andere Teilnehmer sich bei einer Show als Beute in einem Menschenjagd-Spiel verdingt haben. Das tödliche Spektakel dient einem autoritären System zum Machterhalt, spiegelt aber auch die Komplizenschaft des Publikums wider, das es erst durch seine Teilnahme zum medialen Großereignis macht. Gedanken über das Wechselspiel von Macht, Gewalt und Unterhaltung.

Denis Sasse | 17.11.2025

Der Geschmack des Lebens - Über das Kulinarische Kino

Im Kulinarischen Kino geht es nicht alleine um verlockende Speisen oder betörende Mahlzeiten. Vielmehr nutzen Filme wie „The Lunchbox“ oder „Julie & Julia“ die Ästhetik des Kochens und Genießens, um tiefergehende Geschichten zu erzählen. Dabei kann es verspielt oder nachdenklich, lustvoll oder poetisch zugehen. Im besten Fall wird dabei sichtbar, dass in einem geteilten Bissen mehr Menschlichkeit liegen kann als in tausend Worten.

 

Denis Sasse | 01.09.2025

Von der Kunst, sich selbst zu zähmen - Drachen und andere Fabelwesen im Kino

Fantastische Wesen sind aus Kinderzimmern nicht wegzudenken. Sie bieten sich als spielerische Brücke an, um mit unbekannten Seiten des Lebens zu experimentieren. Seit dem Animationsstoff „Drachenzähmen leicht gemacht“, der am 12. Juni als Realverfilmung neu in die Kinos kommt, gehören dazu auch Drachen. Sie helfen Kindern als emotionale Projektionsflächen beim Größerwerden, weil sie das verkörpern, was sich nur schwer in Worte fassen lässt: Ängste, Sehnsüchte, Mut oder Zweifel.

Denis Sasse | 09.06.2025