Lang lebe Ned Devine!

Komödie | Großbritannien/Irland/USA 1998 | 91 Minuten

Regie: Kirk Jones

Zwei irische Rentner versuchen, den Lottogewinn eines aus Freude über sein Glück verstorbenen Freundes zu erschleichen. Als der Betrug aufzufliegen droht, bitten sie ihr Dorf, die Lottogesellschaft zum Wohle aller gemeinschaftlich irrezuführen. Ein ideen- und temporeich inszeniertes, stets die richtige Balance zwischen Komik und Melancholie findendes Filmdebüt, das auf warmherzig-amüsante Weise Werte wie Liebe, Freundschaft und Solidarität zelebriert. Glänzend fotografiert, herausragend auch das Spiel der beiden perfekt harmonierenden Hauptdarsteller. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
WAKING NED DEVINE
Produktionsland
Großbritannien/Irland/USA
Produktionsjahr
1998
Regie
Kirk Jones
Buch
Kirk Jones
Kamera
Henry Braham
Musik
Shaun Davey
Schnitt
Alan Strachan
Darsteller
Ian Bannen (Jackie O'Shea) · David Kelly (Michael O'Sullivan) · Fionnula Flanagan (Annie O'Shea) · Susan Lynch (Maggie) · James Nesbitt (Pig Finn)
Länge
91 Minuten
Kinostart
13.11.2018
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Kinowelt (16:9, 2.21:1, DS engl./dt.)
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Diskussion

Warmherzige Komödie um zwei irische Rentner, die den Lottogewinn eines verstorbenen Freundes erschleichen wollen.

Woche für Woche das gleiche Spiel: Millionen von Menschen werden vom „Saturday Night Fever“ erfaßt – nicht etwa auf dem Tanzparkett, sondern vor dem heimischen Fernsehgerät. Und alle bewegt nur die eine Frage: Was wäre, wenn...?

Auch der Rentner und leidenschaftliche Lottospieler Jackie O’Shea aus dem kleinen südirischen Dorf Tullymore hat an diesem Samstag wie immer keine sechs Richtige. Nicht einmal drei oder überhaupt nur einen. Als er am nächsten Morgen aber im Lokalblättchen liest, daß jemand aus seiner 52-Seelen-Gemeinde den Jackpot geknackt hat, fühlt er sich so, als hätte er selbst das große Los gezogen. Schließlich ist man im ländlichen Irland, wo unter Freunden geteilt wird – und befreundet ist Jackie mit (fast) jedem, mehr oder weniger zumindest.

So gilt es also nur, den Glückspilz unter den 18 regelmäßigen Lottospielern des Örtchens zu finden und sich mit ihm gutzustellen – auch wenn es nur für die nächsten Runden bei „Fitzgerald’s“ am Tresen ist. Nach einigen kostspieligen, aber vergeblichen „Einzelverhören“ mit potentiellen Hauptgewinnern heckt Jackie mit seinem engsten Vertrauten Michael, einem Kopf „voll feinsten irischen Verstandes“ einen Plan aus: Bei einer Party mit reichlich zungenlösendem Whiskey, Bier und Brathuhn sollte sich der schweigsame Neureiche spielend outen lassen. Doch auch hier droht Fehlanzeige. Bis Ehefrau Annie entdeckt, daß ein einziger der großzügigen Einladung nicht Folge leistete: der alte Ned Devine. Die Abwesenheit des ansonsten keiner Feier abgeneigten Fischers aber hat einen triftigen Grund: Im Augenblick seines größten Glücks ereilte den „nettesten Menschen der Welt“ der Tod.

Alle außer der Dorfhexe sind begeistert

Nach Stunden der Trauer und einem visionären Traum faßt Jackie einen Entschluß. Der großherzige, alleinstehende Ned hätte gewiß nicht gewollt, daß das viele Geld verfällt – warum also nicht selbst den Gewinn unter seinem Namen anmelden? Alles scheint reibungslos zu funktionieren, bis Jackie und Michael die tatsächliche Höhe erfahren: 500.000 Pfund wären noch zu akzeptieren gewesen, aber fast sieben Millionen? Von moralischen Bedenken geplagt, weihen sie die Dorfgemeinschaft ein, um die Summe gleichmäßig aufzuteilen. Alle sind begeistert – bis auf die griesgrämig-gemeine „Dorfhexe“ Lizzie, die die verhaßten „Verschwörer“ wegen Betrugs anzeigen will.

Der Ex-Werbefilmer Kirk Jones hat bei seinem mit leichter Hand und viel Gespür für Situationskomik inszenierten Spielfilmdebüt zweifellos alles richtig gemacht. Dabei ist die außerordentliche Qualität des bis in die kleinsten Nebenrollen (zum Teil mit Laiendarstellern) exzellent besetzten und hinreißend gespielten Films keine reine Glückssache: Deutlich trägt er die Handschrift der Produzenten Murray, Peplow und Holmes („Shooting Fish“, fd 32 782), wobei das englische Publikum letzterem und seiner auf humorvoll-romantische „Feel-Good-Movies“ spezialisierten Produktionsfirma „The Gruber Brothers“ bereits das Komödienjuwel „Soft Top, Hard Shoulder“ verdankt. Faszinierend auch die – aus steuerlichen Gründen – ausschließlich auf der Isle of Man fotografierten CinemaScope-Bilder Irlands, denen allerdings das voller kindlicher Spiellust und Liebe zu ihren Figuren agierende Darstellergespann Ian Bannen und David Kelly die Show stiehlt.

Glückseliges Grinsen, bewegende Trauerrede

Das perfekt getimte Zusammenspiel der beiden altgedienten Theatermimen erreicht zwei Höhepunkte: den komischsten, als beide versuchen, dem bereits erstarrten Leichnam das glückselige Grinsen aus dem Gesicht zu „drücken“, den anrührendsten mit der wohl herzergreifendsten Trauerrede, die je auf einen Freund gehalten wurde.

Vieles in diesem neuesten Beispiel blühenden britischen Filmschaffens, mit dem sich der nächste Lotto-Frust sicherlich aufs Vergnüglichste verschmerzen läßt, funktioniert nach dem altbewährten Prinzip von Bill Forsyths „Local Hero(fd 24 263). Und nicht zuletzt spielt auch hier eine einsam in der Gegend stehende Telefonzelle eine entscheidende Rolle.

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