© Kerry Brown/Netflix (aus „Rebecca“)

Netflix im Oktober 2020

Dienstag, 29.09.2020

Redaktionelle Tipps für neue Filme und Serien, die im Oktober 2020 auf Netflix starten

Diskussion

Grusel-Stoff passend zu Halloween, eine Neuverfilmung von Hitchcocks „Rebecca“, die erste Netflix-Serie zum Corona-Lockdown und ein Courtroom-Drama nach realen Ereignissen von Aaron Sorkin: Neue Filme & Serien im Oktober auf Netflix.


Kaum naht der Oktober, tauchen die ersten ausgehöhlten Kürbisse auf – und das schlägt sich auch im Programm von Netflix nieder. Ähnlich wie Weihnachten ist Halloween nicht nur ein Fest, sondern auch eine Genre-Steilvorlage für Filme und Serien. Deshalb steht das Monatsangebot des Streamingriesen im Zeichen des wohligen Grusels.

Zu den interessantesten Neustarts in dieser Hinsicht gehört das Remake eines Alfred-Hitchcock-Klassikers: „Rebecca“ (1940) entstand nach einem Roman der Schriftstellerin Daphne Du Maurier, von der auch die Vorlagen für Hitchcocks „Die Vögel“ und „Riff-Piraten“ stammen. Das Buch entfaltet eine geschickt zwischen Schauerelementen, Krimi und psychologischem Drama oszillierende Geschichte um eine frisch verheiratete Frau, die sich im noblen Anwesen ihres Mannes vom Schatten seiner verstorbenen ersten Ehefrau erdrückt fühlt, nicht zuletzt weil eine sinistre Haushälterin fanatisch das Andenken der Toten pflegt.

„Rebecca“ war Hitchcocks erste Hollywood-Arbeit und gewann prompt einen „Oscar“ als bester Film; die Dreharbeiten blieb für den Briten aber trotzdem eine eher desillusionierende Erfahrung, weil der „Master of Suspense“ sich über die Einmischungen von Hollywood-Mogul David O. Selznick ärgerte, der den Film produzierte. Regisseur Ben Wheatley, der nun die Netflix-Neuverfilmung besorgt hat, dürfte solche Probleme wohl kaum gehabt haben. Schließlich ist Netflix dafür bekannt, seinen Filmemachern weitgehend freie Hand zu lassen. Und da Wheatley in seinen bisherigen Werken wie „A Field in England“ und „High-Rise“ eine markante Handschrift bewiesen hat, lässt das hoffen, dass sein Zugriff auf „Rebecca“ ähnlich fesselnd wird. In die Rollen, die damals Joan Fontaine, Laurence Olivier und Judith Anderson spielten, schlüpfen nun Lily James, Armie Hammer und Kristin Scott Thomas.


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Eine Halloween-Komödie von Adam Sandler

Einschlägiges zu Halloween gibt es außerdem von Adam Sandler. Als „Hubie Halloween“ verkörpert er einen Kleinstadt-Pedanten, der seine Mitbürger und die örtliche Polizei Jahr für Jahr damit nervt, an Halloween ein Auge auf die öffentliche Ordnung zu haben und mit schwachsinnigen Warnungen und Anzeigen um sich zu werfen – weswegen ihm der verantwortliche Polizeichef (Kevin James) und auch sonst niemand glaubt, als er eines 31. Oktobers tatsächlich über finstere Umtriebe stolpert.

„A Babysitter’s Guide to Monster Hunting“ (© Justina Minz/Netflix)
„A Babysitter’s Guide to Monster Hunting“ (© Justina Minz/Netflix)

Auch mit Serien bedient Netflix seine Abonnenten im Oktober mit neuem Horrorstoff. „Spuk in Bly Manor“ baut als zweite Staffel die Serie „Spuk in Hill House“ zur Anthologie-Serie aus und widmet sich einem Klassiker der Schauerliteratur, Henry James’ psychologischer Novelle „Die Drehung der Schraube“ (1898). Darin kommt eine junge Frau als Erzieherin zweier Waisenkinder auf ein herrschaftliches Anwesen und gerät in einen nicht enden wollenden Albtraum.

Weniger ernst mit dem Grusel meint es die Jugendbuch-Adaption „A Babysitter’s Guide to Monster Hunting“. Der Film erzählt von einer Schülerin, die sich widerwillig darauf einlässt, an Halloween einen kleinen Jungen zu babysitten, worüber sie in haarsträubende Situationen gerät. Sie wird von einer Geheimgesellschaft engagiert, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, besondere Kinder vor Monstern zu beschützen. Zusammen mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft versucht sie ihren Schützling zu verteidigen, als ein Finsterling namens Grand Guignol, eine Hexe und deren dämonische Vasallen ihn bedrohen.


Polit-Kino von Aaron Sorkin

Doch auch jenseits von Halloween gibt es bei Netflix im Oktober einige interessante Neustarts. Dazu gehört der neue Film von Drehbuchautor Aaron Sorkin, von dem Skripts zu „The Social Network“, „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball oder „Steve Jobs“ stammen. Sorkin ist „der Martial-Arts-Künstler unter den Drehbuchautoren“ (Kathrin Häger in einem Porträt), „er macht aus Dialogen rasante Duelle“; außerdem arbeitet er sich dabei gerne an brisanten Stoffen und umstrittenen Persönlichkeiten ab. Auch „The Trial of the Chicago 7“ kreist um historische Fakten: Es geht um den Gerichtsprozess gegen Polit-Aktivisten, die 1968 an Großdemonstrationen gegen den Vietnamkrieg teilnahmen, verhaftet wurden und wegen Verschwörung und Aufhetzung zu einem Volksaufstand vor Gericht gestellt wurden. An Schauspielern fährt Sorkin, der wie schon in „Molly’s Game“ neben dem Drehbuch hier auch die Regie verantwortet, unter anderm Joseph Gordon-Levitt, Eddie Redmayne und Sacha Baron Cohen auf.

„The Trial of the Chicago 7“ (© Niko Tavernise/Netflix)
„The Trial of the Chicago 7“ (© Niko Tavernise/Netflix)

Ebenfalls interessant verspricht die Serie „Grand Army“ zu werden. Vom Genre her handelt es sich um einen Coming-of-Age- beziehungsweise High-School-Stoff; hellhörig wird man wegen der Showrunnerin Katie Cappiello, die auf ihr eigenes Bühnenstück „Slut“ zurückgreift, in dem es um einen sexuellen Übergriff ging, und auf andere Problemfelder rund um Schul- und Familienalltag sowie den Kampf um Zukunftsperspektiven erweitert.


Corona-Lockdown, Barbaren & ein Essayfilm

Ein reales Ereignis aus der jüngsten Vergangnheit hat ebenfalls Eingang ins Netflix-Programm gefunden: Die US-Serie „Social Distance“ entstand im Frühjahr 2020 unter Lockdown-Bedingungen. Das, was die Corona-Einschränkungen mit den Menschen und den Beziehungen untereinander machen, sind Thema der Anthologie-Reihe, die pro Folge unterschiedliche Geschichten über das Leben mit „Social Distancing“ erzählt und der Sehnsucht, trotzdem anderen Menschen irgendwie nahe zu sein.

Auf äußerste Feindberührung sind dagegen die Protagonisten der ersten Historienserie Barbaren aus, die in sechs Folgen rund um die Varusschlucht im Jahre 9 nach Christus eine Erzählung über die cheruskische Fürstentochter Thusnelda (Jeanne Goursaud), ihren Liebhaber aus dem einfachen Volk (David Schütter) und den römischen Offizier Arminius (Laurence Rupp) entspinnt, den mit beiden ein Geheimnis verbindet. Neben dem Drama um Loyalität und Liebe sind hier Kostümschauwerte und Schlachtenpanoramen zu erwarten.

„Barbaren“ (© HISTORY/Elena Nenkova)
„Barbaren“ (© HISTORY/Elena Nenkova)

Um nichts weniger als die letzten Dinge geht es hingegen in „Dick Johnson ist tot“, der beim Sundance Filmfestival die Kritik begeisterte. Die Dokumentarfilmerin Kirsten Johnson setzt sich darin mit dem nahenden Lebensende ihres 86-jährigen Vaters auseinander, des New Yorker Psychiaters Dick Johnson, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hat. Ein sehr persönlicher Essayfilm, in dem die Filmemacherin spielerisch die Mittel des Kinos in Stellung bringt, um ihrer Furcht vor dem Verlust beizukommen und über den Tod zu reflektieren; als Liebeserklärung an den Vater wird zugleich dessen Leben und Persönlichkeit gefeiert.


Neu auf Netflix im Oktober 2020 – Tipps der Redaktion


Ab 2. Oktober

Dick Johnson ist tot (Premiere)
Judy


Ab 6. Oktober

The Mule


Ab 7. Oktober

Hubie Halloween (Premiere)


Ab 9. Oktober

Serie: Spuk in Bly Manor (Premiere)

Mein 40-jähriges Ich (Premiere)

„Mein 40-jähriges Ich“ (© Jeong Park/Netflix)
„Mein 40-jähriges Ich“ (© Jeong Park/Netflix)

Ab 15. Oktober

A Babysitter’s Guide to Monster Hunting (Premiere)

Serie: Social Distance (Premiere)


Ab 16. Oktober

The Trial of the Chicago 7 (Premiere)

Serie: Grand Army (Premiere)


Ab 21. Oktober

Rebecca (Premiere)


Ab 22. Oktober

Serie: Die Einkreisung: Engel der Finsternis – Staffel 2 (Premiere)

„Social Distance“ (© Netflix)
„Social Distance“ (© Netflix)

Ab 23. Oktober

Serie: Barbaren (Premiere)

Die bunte Seite des Mondes (Premiere)

Lucy

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