Das Beste kommt noch

Drama | Frankreich 2019 | 117 Minuten

Regie: Matthieu Delaporte

Ein Arzt will seinem besten Freund die schlimme Botschaft überbringen, dass dieser unheilbar an Krebs erkrankt ist, wird jedoch durch ein Missverständnis selbst für den Todkranken gehalten. Der Freund tut daraufhin alles, um dem Mediziner die vermeintlich letzten Monate zu verschönern, was beiden zugutekommt, aber die Enthüllung der Wahrheit immer weiter hinauszögert. Amüsante und in den Hauptrollen gut gespielte Tragikomödie, die vor allem in der Ausmalung einer auf Entgegenkommen beruhenden Freundschaft überzeugt. Die Einlassung auf die Unausweichlichkeit des Todes wird dabei allerdings ganz auf die Dialogebene abgeschoben und bleibt so eher oberflächlich. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
LE MEILLEUR RESTE À VENIR
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2019
Regie
Matthieu Delaporte · Alexandre de la Patellière
Buch
Matthieu Delaporte · Alexandre de la Patellière
Kamera
Guillaume Schiffman
Musik
Jérôme Rebotier
Schnitt
Célia Lafitedupont · Sarah Ternat
Darsteller
Fabrice Luchini (Arthur Dreyfus) · Patrick Bruel (César Montesiho) · Zineb Triki (Randa Ameziane) · Pascale Arbillot (Virginie) · Marie Narbonne (Julie Dreyfus)
Länge
117 Minuten
Kinostart
09.07.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Komödie

Amüsante Tragikomödie um zwei Freunde, die im Glauben, dass der jeweils andere auf den Tod erkrankt ist, sich gegenseitig die vermeintlich letzten Monate verschönern.

Diskussion

Prinzipien führen nicht unbedingt schneller zum Ziel. Der Mediziner Arthur Dreyfus könnte ohne weiteres seine Beziehungen spielen lassen, um im Krankenhaus vorgelassen zu werden, lehnt dies jedoch kategorisch ab. So muss sein Freund César Montesiho mit Arthur in der Schlange der Notaufnahme warten – für den hyperaktiven César eine Qual, auch wenn er nach einem Sturz aus dem ersten Stock seine Schmerzen nicht ableugnen kann. Prinzipien hat César eher nicht, und auch eine Carte Vitale kann er nicht vorweisen, als sie schließlich dran sind; so zieht er kurzerhand seinem Freund die Krankenversicherungskarte aus der Brieftasche.

Der brüskierte Arthur weiß nach dieser Aktion einmal mehr nicht, warum er den Kumpel aus Internatstagen immer noch toleriert, César hingegen verbucht den Abend als Zeitverschwendung, da die Untersuchung keine Brüche ergeben hat. Ihre Wege könnten sich nun trennen, wenn Arthur nicht am nächsten Tag einen Anruf erhalten würde. Ein genauerer Blick auf die Röntgenbilder hat eine unheilbare Lungenkrebserkrankung sichtbar gemacht, und Arthur sieht sich nun in der unangenehmen Pflicht, seinem Freund die verheerende Diagnose mitzuteilen.

Patrick Bruel & Fabrice Luchini als ungleiches Duo

Zwei ungleiche Freunde von Kindesbeinen an sind ein zentrales Paar, wie es das französische Autoren-Team Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière auch schon in seinem Theaterhit „Der Vorname“ verwendete. In dessen von den Autoren selbst inszenierter  Verfilmung (2012) spielte Patrick Bruel bereits die Rolle des Hallodris mit Hang zur Provokation, an den er nun in Delaportes und de la Patellières zweiter gemeinsamer Regie-Arbeit „Das Beste kommt noch“ anknüpfen darf; den Gegenpart des Pedanten hat Fabrice Luchini bereits des Öfteren mit Bravour verkörpert.

Die Besetzung ist also nicht unbedingt originell, aber sehr effektiv für die Handlung, die durch ein Missverständnis in Gang kommt: Arthur stellt sich als Überbringer der Krankheitsnachricht so ungeschickt an, dass César glaubt, sein Freund sei der Todkranke. Einmal davon überzeugt, legt César jeden Versuch Arthurs, die Angelegenheit klarzustellen, als Hinweis auf Verdrängung aus, sodass dieser die Situation schließlich akzeptiert. Da César entschlossen ist, Arthur die vermeintlichen letzten Monate so angenehm wie möglich zu machen, handelt dieser aus, dass sie sich gegenseitig ihre geheimen Wünsche erfüllen wollen; so will er dem unsteten Freund insgeheim helfen, dessen unerledigte Angelegenheiten ins Reine zu bringen, bevor sich die Wahrheit über die Krankheit nicht mehr verheimlichen lässt.

Das Regie-Duo legt den Humor vor allem auf die Reibungen an, die zwangsläufig zwischen Menschen mit gegensätzlichen Charakteren entstehen: Arthurs Vorlieben sind intellektueller Natur und entsprechen einem soliden, risikoarmen Lebenswandel mit Furcht vor Veränderungen. César lebt hingegen in den Tag hinein und sucht das Abenteuer. Dass beide sich verpflichtet fühlen, für den Freund ihre Vorstellung eines erfüllten Lebens zurückzustellen, führt zu einigen witzigen Situationen, wenn sie gemeinsam Dinge unternehmen, an denen sichtlich nur einer von ihnen Freude hat. So quält sich Arthur mit chinesischem Essen oder einer Rollerfahrt, César lässt sich zu einer 400-Kilometer-Fahrt überreden, um ihr verhasstes Internat noch einmal zu sehen – das allerdings längst abgerissen worden ist.

Dialogische Stärken, pointierte Streitgespräche

Immer wieder kommt es auch zu pointierten Streitgesprächen, bei denen sich die Dialogstärke der Autoren zeigt: Arthur und César halten einander ihre Verantwortungslosigkeit respektive Zögerlichkeit vor, gestehen sich durchaus aber auch ihre Fehler ein. Die Enthüllung von Césars Zustand zögert sich dabei immer weiter heraus, was zusehends die Glaubwürdigkeit strapaziert, in dem an sich eher leicht gestimmten Film aber zumindest eine ethische Grundsatzfrage anklingen lässt: Müsste einem Todgeweihten nicht seine Lage enthüllt werden, damit er die Chance hat, sich auf den Tod vorzubereiten, oder sollte es vielmehr darum gehen, ihn so lange wie möglich zu schonen?

Am stärksten ist „Das Beste kommt noch“, wenn der Film die Bereitschaft der Hauptfiguren ausmalt, sich für den Freund in die Bresche zu werfen, selbst wenn das heißt, der eigenen Wesensart zuwiderzuhandeln: César sorgt sich mit rührender Ungeschicklichkeit um Arthur, dieser taut allmählich auf. Durch diese Momente gerät das Thema des unausweichlichen Todes fast in den Hintergrund; zunehmend erweist sich jedoch, dass Delaporte und de la Patellière sich ohnehin um den Ernst der Situation herumlavieren. Die „hässlichen“ Elemente eines Sterbeprozesses wie Schmerzen, Einsamkeit und Angst bleiben ausgespart, dem dialogkonzentrierten Gespann würde dafür auch schlicht die visuelle Ausdruckskraft fehlen – wie es aus den unauffällig bleibenden Filmbildern abzuleiten ist, die selbst Abstecher nach Biarritz und Indien kaum für Schauwerte nutzen.

Der Weg ist das Ziel

„Das Beste kommt noch“ ist insofern weniger die auf den sauberen Abschluss zutreibende Lebensbilanz, die der Titel vermuten lässt; vielmehr ist es hier einmal mehr der Weg, der das Ziel ist – mit einem unbestritten amüsanten Verlauf, aber eben auch mit einer Tendenz zur Kreisbewegung.

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