Ulrich Kriest

1343 Beiträge gefunden.

Okay

  • Dänemark 2002
  • R: Jesper W. Nielsen

Eine Angestellte des Sozialamtes hat gelernt, den Alltag ihrer Familie zu organisieren. Sie wird auf eine Probe gestellt, als ihr nicht gerade geliebter Vater an Krebs erkrankt und sie beschließt, ihn im Kreise der Familie sterben zu lassen. Als sich sein Tod verzögert, treten weitere Probleme auf. Die in der Hauptrolle hervorragend gespielte Tragikomödie setzt auf überraschende Wendungen, die letztlich aber weniger der Geschichte als der Selbstdarstellung des Autors dienen. Im Blickfeld bleibt immerhin die Krise einer Kleinfamilie, deren strukturelle Probleme nicht bewältigt sind und die in reaktionärem Rollenverhalten stagniert.

FearDotCom

  • USA 2002
  • R: William Malone

Eine tödliche Website und ein Serienkiller, der vor laufender Webcam Frauen foltert und tötet, fordern ihre Opfer, bis unerschrockene Ermittler den Zusammenhängen auf die Spur kommen. Umständlich entwickelter (Computer-)Psychothriller, der seine abgedroschene Geschichte im neuen Medium zu etablieren versucht, letztlich jedoch uninspiriert und spannungslos bleibt und lediglich voyeuristische Schockeffekte aneinander reiht.

Naqoyqatsi

  • USA 2002
  • R: Godfrey Reggio

Letzter Teil der Trilogie (nach "Koyaanisqatsi - Prophezeiung" und "Powaqqatsi"), der sich mit einer aus den Fugen geratenen Welt befasst und in deren Zentrum der Krieg als Alltag und die zivilisierte Gewalt steht. Mit computermanipuliertem Filmmaterial aus allen Bereichen des täglichen Lebens wird ein Bildersturm entfacht, der die bildfixierte Medienrealität anprangern möchte, sie jedoch nur um einige Sensationen bereichert. Durch undifferenzierte Gleichsetzung und ohne überzeugende Definition, schlägt die beabsichtigte Aufklärung ins Gegenteil um und bleibt trotz des immensen technischen Aufwands substanzlos.

Ferkels großes Abenteuer

  • USA 2003
  • R: Francis Glebas

Anhand der Tagebuchaufzeichnungen von Ferkel erinnern sich die Freunde um den einfältigen Bären Winnie Pu an gemeinsame Abenteuer, wobei sie dem Autor Anerkennung und Lob zollen. Der Disney-Zeichentrickfilm entstand in Anlehnung an die "Winnie Puh"-Kinderbücher von A.A. Milne und stellt mit dem kleinen, stets an Selbstbewusstsein krankenden und Anerkennung im Freundeskreis suchenden Schweinchen Ferkel eine der liebenswerten Randfiguren in den Mittelpunkt der episodischen Handlung. Dabei wird auf ebenso kindgerechte wie sympathische Weise von Freundschaft und Solidarität erzählt.

Voll Frontal

  • USA 2002
  • R: Steven Soderbergh

Ein Tag im Leben von sieben Menschen in Hollywood, deren Wege und Geschichten sich kreuzen und die einander auf der Geburtstagsparty eines Filmproduzenten begegnen. Ein entspannter Reigen über Westcoast-Stadtneurotiker, angereichert mit einer selbstreferenziellen Prise "Film im Film", der eine Flut von intellektuellen Anspielungen und doppelbödigen Zitaten beschert. Von engagierten Darstellern und ihrem Improvisationstalent getragener Film, der geschickt die Grenzen zwischen Fiktion und (inszenierter) Realität verwischt, aber auch etwas selbstgefälliges erzählerisches Experiment in Szene setzt.

Auto Focus

  • USA 2002
  • R: Paul Schrader

Biografischer Film über das Leben des amerikanischen DJs Bob Crane, der Mitte der 1960er-Jahre als Hauptdarsteller der Fernsehserie "Hogan's Heroes" zum Star aufstieg, seiner Sex-Sucht erlag und 1978 ermordet wurde. Meisterliche Milieu- und Zeitstudie über den gesellschaftlichen Aufbruch der westlichen Welt und seine Kehrseiten, die am Schicksal Canes die Dialektik von Selbstfindung und Realitätsverlust entfaltet. Dabei kann die Roman-Adaption auch als verschlüsselte Parabel über die Geschichte des "New Hollywood" gelesen werden.

Stürmische Liebe - Swept Away

  • Großbritannien 2002
  • R: Guy Ritchie

Neuinszenierung einer pointierten Geschlechter- und Klassenkampf-Groteske von Lina Wertmüller ("Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August", 1974), in der sich eine arrogante Millionärsfrau nach einem Schiffbruch zusammen mit einem einfach gestrickten Fischer auf eine einsame Insel rettet, wo sie zu seiner Sklavin wird. Ebenso grobe wie hintersinnige Hanswurstiade, in der eine Art Bilanz bezogen wird, was sich seit den frühen 1970er-Jahren verändert hat. Die angedeuteten parabelhaften Züge werden zudem von der haarsträubenden deutschen Synchronisation verdeckt.

Halbtot - Half Past Dead

  • USA 2002
  • R: Don Michael Paul

Ein verdeckter Ermittler des FBI, der nach einer Schießerei bereits klinisch tot war, wird auf der US-Gefängnisinsel Alcatraz in eine Geiselnahme verwickelt. Trash-Spektakel, dessen absehbare Dramaturgie ein extremes Beispiel für uninspiriertes Zutatenkino bildet. Steven Segal agiert einmal mehr als alternder Actionheld in einem Film, der Themen wie Liebe, Tod und Sühne auf Nullniveau abhakt. (Lose Fortsetzung: "Halb tot 2 - Das Recht des Stärkeren")

Uttara

  • Indien 2000
  • R: Buddhadeb Dasgupta

Die Freundschaft zweier Männer im ländlichen Bengalen verändert sich durch die Anwesenheit einer schönen Frau. Ihr tägliches Ringkampf-Training wird zunehmend härter und verbissener. Ihre wachsende Rivalität verstellt auch die Sicht auf ihre Umwelt, in der fundamentalistische Tendenzen um sich greifen. Meditativ-poetisches Drama, das zwischen Metapher und Parabel changiert und mit einfachen stilistischen Mitteln eine doppelbödige Atmosphäre erzeugt, die das konkrete Geschehen transzendiert, ohne dass dadurch das engagierte Plädoyer für mehr Toleranz geschmälert würde. (O.m.d.U.)

City of God

  • Brasilien 2002
  • R: Fernando Meirelles

In Form einer subjektiven Chronik erzählte Geschichten aus dem Leben einer Barackensiedlung am Rande von Rio de Janeiro. Die ebenso eindrucksvolle wie bestürzende Adaption eines Romans erzählt in drei Kapiteln die Stationen eines mörderischen Cliquenkampfes unter Kindern und Jugendlichen, die den Drogenhandel in der Favela kontrollieren. Ein filmisches Meisterwerk voller Perspektivwechsel, deren unzählige Episoden präzise die sozialen Umstände und den Bandenalltag schildern, ohne den erzählerischen Faden aus den Augen zu verlieren. Der visuelle und akustische Einfallsreichtum speist sich dabei aus Anleihen bei der globalisierten Popkultur.

Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde

  • Deutschland 2002
  • R: Christian Klemke

Neun Stasi-Offiziere geben Auskunft über ihre ehemalige Tätigkeit und ihre Sicht der Dinge. Aufschlussreicher Dokumentarfilm, der ins Zentrum der DDR-Diktatur führt und Täter über ihre Arbeitstaktiken sprechen lässt. Durch die Konzentration auf die MfS-Mitarbeiter entlarvt sich der Alltag des Überwachungsstaates als Mischung aus Professionalität, Intelligenz und kleinbürgerlichem Untertanentum.

Gefühle, die man sieht - Things You Can Tell

  • USA 2000
  • R: Rodrigo García

Fünf sich reizvoll überlappende Kurzgeschichten über die Schicksale nicht mehr ganz junger Frauen in Los Angeles. Obwohl Motive wie Tod, Sterben, Selbstmord, Behinderung und Betreuung im Spannungsfeld zwischen Selbstbetrug und Selbsterfahrung behandelt werden, vermeidet die subtile Inszenierung jede oberflächliche Melodramatik und verdichtet sich dank einer überdurchschnittlichen Fabulierlust zur eindrucksvollen Studie über die existenziellen Probleme erwachsener Menschen.

Herr Wichmann von der CDU

  • Deutschland 2002
  • R: Andreas Dresen

Dokumentarfilm über den Wahlkampf eines Bundestagskandidaten der CDU, der in der brandenburgischen Uckermark auf verlorenem Posten steht und zunehmend verdrossen Werbung in eigener Sache macht. Der hellsichtige und zugleich erhellende Film ist ein Glücksfall für den politischen Dokumentarismus, der über den konkreten Einzelfall hinaus auch die fundamentale Krise der bundesdeutschen Demokratie reflektiert. (Fortführung:. "Herr Wichmann aus der dritten Reihe", 2012)

24 Stunden Angst (2002)

  • USA 2002
  • R: Luis Mandoki

Die Entführung der kleinen Tochter eines Arztes und die gleichzeitige Geiselnahme der Eltern sollen einem Verbrechertrio das perfekte Kidnapping und die absolute Kontrolle der Situation garantieren. Doch unter den sechs Beteiligten entsteht ein höchst labiles Machtgefüge, bei dem schon kleinste Veränderungen den ursprünglichen Plan durcheinander bringen. Ein durchaus klug angedachter Thriller, dessen Plot sich aber als wenig tragfähig erweist, sodass der Film in ein leicht zu durchschauendes Katz-und-Maus-Spiel mit sensationslüsternem Ende mündet.

Der Fluch von Darkness Falls

  • USA 2002
  • R: Jonathan Liebesman

Ein junger Mann, der durch die Ermordung seiner Mutter traumatisiert wurde, kehrt an den Ort seiner Kindheit zurück und findet sich unversehens im Mittelpunkt einer grausamen Mordserie, als deren Urheber er verdächtigt wird. Ideenarmer Horrorfilm, der aus dem Fundus des Allzubekannten schöpft und lediglich im stimmungsvollen Wechselspiel von Licht und Dunkel einige Spannungsmomente erzeugt. Immerhin ohne die üblichen Splatter-Effekte.

It's All About Love

  • Dänemark 2001
  • R: Thomas Vinterberg

Im von trostloser Weltuntergangsstimmung geprägten Sommer des Jahres 2021 verliebt sich in New York ein Mann erneut in seine von ihm getrennt lebende Frau, eine berühmte Eisläuferin, und muss erkennen, dass ihre Manager bereits drei Klone von ihr hergestellt haben, um auch nach ihrer Abdankung Profit zu machen. Ein Drama, angesiedelt in engen, dunklen Räumen, deren Kontrast zur trostlosen Weite der Außenwelt Spiegel der Verengungen, Ängste und Autismen ist, in denen die Charaktere gefangen sind. Erlesen inszeniert, vermittelt der Film ein verstörendes Gefühl für die leicht surreale Unwirklichkeit der rätselhaften Handlung, leidet aber an seiner allzu unorganischen, hölzernen Konstruktion.

Joe Jedermann

  • USA 2001
  • R: John Pasquin

Nach einer körperlichen Demütigung hinterfragt der kleine Angestellte einer Werbeagentur seine Bedürfnisse und arbeitet mit Hilfe eines heruntergekommenen Ex-Actionstars an seinem (nicht nur) körperlichen Selbstwertgefühl. Bald fliegen ihm Erfolg und Frauen zu, doch nun muss er wiederum lernen, sich auf seine inneren Werte zu besinnen. Hintergründige Komödie, die für die Widersprüche und Konflikte des Alltags sensibilisiert. Da sie dabei stets unterhaltsam und vergnüglich sein will, gerät sie phasenweise in die Zwickmühle, sich für die satirische Schärfe und Hellsicht der eigenen Analyse entschuldigen zu wollen.

Solaris (2002)

  • USA 2002
  • R: Steven Soderbergh

Neuverfilmung des gleichnamigen Science-Fiction-Klassikers von Stanislaw Lem, in dem die Bewohner einer Raumstation über dem Planeten Solaris von den Materialisationen ihres Unterbewusstseins heimgesucht werden. Dabei begegnet ein Psychologe seiner Frau, die einst Selbstmord verübte. Durch die kammerspielartige Inszenierung beharrt Regisseur Steven Soderbergh auf den philosophischen Dimensionen des Stoffes; der futuristische Genre-Rahmen dient lediglich als Einstiegshilfe für die Zuschauer. Im Zentrum der Adaption steht eine ebenso spielerische wie artifizielle Reflexion über eine historisch gewordene Phase der Filmgeschichte: der des intellektuellen Autorenkinos.