Banksters
Drama | Deutschand 2026 | (sechs Folgen)
Regie: Cüneyt Kaya
Filmdaten
- Produktionsland
- Deutschand
- Produktionsjahr
- 2026
- Produktionsfirma
- W&B Television
- Regie
- Cüneyt Kaya · Gregor Schnitzler
- Buch
- Bernd Lange
- Kamera
- Ralf Noack
- Schnitt
- Jens Klüber · Yvonne Tetzlaff
- Darsteller
- Eren M. Güvercin (Yusuf Arslan) · Merlin Goller von Garnier (Malte Kaiser) · Michelangelo Fortuzzi (Steven Wedemeyer) · Maria Dragus (Melanie Hübner) · Anna Bardavelidze (Selda Arslan)
- Länge
- (sechs Folgen)
- Kinostart
- -
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 16.
- Genre
- Drama | Serie
Deutsche Miniserie über eine Gruppe von Bank-Azubis, die zu Räubern werden, bis ihr Anführer festgenommen wird und rätselt, wer der Verräter sein könnte.
Das ging schnell: Schon gut einen Monat nach dem Deutschland-Start von HBO Max buhlt der neue Streamer mit seiner ersten hiesigen Exklusivproduktion um zahlendes deutsches Publikum. Mit dabei: ein Ensemble aus vielversprechenden Jung-Schauspielern, ein Thema, das sich dank „Haus des Geldes“ einiger Popularität erfreut, und ein versiertes Produktionsstudio (W&B Television GmbH), das unter anderem für „Dark“ und „4 Blocks“ verantwortlich zeichnete. Kann doch eigentlich nichts schiefgehen, oder? Oh doch, wie „Banksters“ tragischerweise zeigt.
Das etwas bemühte Kofferwort im Titel gibt bereits die Marschrichtung vor: Es geht um Banken und Gangster. Genauer: Gangster, die die Banken ausrauben, bei denen sie selbst arbeiten. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Berliner Bank-Azubis rund um Yusuf Arslan (Eren M. Güvercin), die Anfang der 2000er-Jahre interne Sicherheitslücken ausnutzen, um ans große Geld zu kommen. Was mit Kreditkartenbetrug beginnt, mündet bald in klassische Überfälle. Und schließlich in die Festnahme Yusufs.
Wer ist der Verräter?
Los geht es auch nicht von vorne, sondern bei ebendieser Festnahme. Die sechs Folgen sind nämlich nicht schnöde chronologisch erzählt, sondern setzen stattdessen auf einen Wechsel aus Yusufs U-Haft und ausschweifenden Rückblenden auf die eineinhalb Jahre vor der Festnahme. In den ersten fünf der sechs Folgen steht dabei die Frage im Mittelpunkt: Wer hat den Strippenzieher verraten und der Polizei den entscheidenden Hinweis geliefert?
Yusufs Schwester Selda (Anna Bardavelidze) versucht, dem auf den Grund zu gehen und kontaktiert dazu seine Mitstreiter Malte (Merlin von Garnier), Steven (Michelangelo Fortuzzi) und Melanie (Maria Dragus). Doch auch die stehen vor einem Rätsel. Derweil sucht die Polizei unter Leitung des bärbeißigen Kommissars Kramer (David Ruland) nach weiteren Beweisen, um Yusuf nicht nur mit dem ersten, sondern auch den weiteren fünf Überfällen in Verbindung zu bringen, bei denen insgesamt zwei Millionen Euro entwendet wurden.
Das Drehbuch schlägt mehr Haken als ein Hase
Eine vielversprechende Ausgangslage, die angeblich auf einer (nicht näher genannten) realen Begebenheit basieren soll – vermutlich einem Fall im Jahr 2011. Allerdings: Drehbuch und Inszenierung wollen einfach viel zu viel. Ersteres schlägt mehr Haken als ein Hase auf der Flucht vor einem Fuchs und verhoppelt sich dabei ordentlich. Was Spannung aufbauen und überraschen soll, mündet immer wieder in erzählerische Sackgassen und sorgt für manche Unglaubwürdigkeit.
Am Ende von Episode 3 etwa wird plötzlich ein zuvor nie erwähntes weiteres Mitglied der Banküberfall-Gang aus dem Hut gezaubert, an das bislang niemand als potenziellen Verräter gedacht hatte. Obwohl, wie sich nach dem obligatorischen Cliffhanger herausstellt, er sich im Streit von der Gruppe trennte.
Die Inszenierung ist nicht so fresh, wie sie gern wäre
Die Inszenierung pendelt derweil zwischen langweilig und anstrengend. Einerseits ist „Banksters“ mit einer flachen Beleuchtung und grau-braunen Farbpalette ausgesprochen hässlich, andererseits will die Serie total cool und fresh und TikTok-tauglich wirken. Schon in den ersten 15 Minuten wird das gesamte Arsenal an Inszenierungstricks ausgepackt: ultraschnell geschnittene Montagen, Lens Flares, Superzeitlupen, Jump-Scare-artige Zwischenschnitte. Und da hört es lange noch nicht auf. Dazu ein dauerdudelnder Hip-Hop-Soundtrack, der gern auch mal die Dialoge überlagert. Als wären die, weil sie gern genuschelt statt gesprochen werden, nicht eh schon schwer genug zu verstehen.
Zumindest versucht „Banksters“, über seinen Kriminalplot auch eine größere Geschichte zu erzählen: eine über Diskriminierung und ein Finanzsystem, das darauf abzielt, Menschen in die Schuldenspirale zu treiben, um dauerhaft an ihnen zu verdienen. Yusuf wird zum heimlichen Robin Hood, der von den Reichen raubt, um es den Armen (in diesem Fall seinem hochverschuldeten Vater) zu geben. Eine nachvollziehbare Motivation, und doch bleibt Yusuf reichlich unnahbar, weil ihm das Skript so gar keine Makel und damit kaum Menschlichkeit zugestehen will: Natürlich hat er ein perfektes 0,9er-Abi, natürlich ist er der Topstürmer in seinem Fußballteam, und natürlich läuft alles genauso ab wie von ihm geplant.
Den eigentlichen Reiz von Gangster-Geschichten, dem Publikum einen Blick auf die „dunkle“ Seite zu gewähren, entwickelt „Banksters“ deshalb nicht. Ein moralischer Zwiespalt, mit Kriminellen mitzufiebern, will sich einfach nicht auftun, weil die Charaktere einfach zu blass bleiben. Weil die Hauptfiguren charakterliche und emotionale Tiefe lediglich vortäuschen. Weil das alles trotz bemühter Plottwists letztlich so egal und ja, auch ziemlich nervig ist.