Filmliteratur: Ingmar Bergman

Freitag, 20.07.2018

Filmbuch-Tipps im Juli anlässlich des 100. Geburtstags von Ingmar Bergman am 14.7.2018: Publikationen zur schwedischen Regie-Ikone

Diskussion

Am 14. Juli 2018 wäre einer der wirkungsmächtigsten Autorenfilmer aller Zeiten einhundert Jahre alt geworden: Ingmar Bergman (1918-2007). Anlässlich der weltweiten Feierlichkeiten zum laufenden Bergman-Jahr sind auch auf dem Buchmarkt zahlreiche Titel erschienen. Unter Ihnen drei sehr unterschiedliche persönliche Annäherungen an den Künstler: eine erweiterte Neuauflage von Bergmans Autobiografie, ein Reisebuch und ein Roman von Bergman-Tochter Linn Ullmann.



Ingmar Bergman. Laterna Magica. Mein Leben (erweiterte Neuauflage)

Der legendäre schwedische „Palme der Palmen“-Preisträger Ingmar Bergman war nicht nur ein grandioser Kino- und Bühnenzauberer, sondern ein ebenso großartiger Literat, wie die erweiterte Neuausgabe seiner berühmten Lebenserinnerungen „Laterna Magica. Mein Leben“ beweist.

Ingmar Bergman war ein Sonntagskind im Wortsinn – und trug doch schon den „Ernst“ im Namen: „Als ich im Juli 1918 geboren wurde, hatte die Mutter die Spanische Grippe, und da es nicht danach aussah, als wenn ich überleben würde, erhielt ich noch im Krankenhaus die Nottaufe“, beginnt der schwedische Regie-Titan Ernst Ingmar Bergman (14. Juli 1918–30. Juli 2007) höchst deprimierend im Tonfall seine faszinierende Lebensrückschau zwischen zwei Buchdeckeln, die im September 1986 zum ersten Mal unter dem Titel „Laterna Magica“ publiziert worden war und nun zum 100. Geburtstag des Jahrhundertkünstlers in einer überaus lesenswerten Neuausgabe erschienen ist.

Was hier auf über 350 selbst formulierten Seiten folgt, ist glücklicherweise keine geschönte oder allzu selbstherrliche Autobiografie, wie man sie parallel zu Bergmans Memoiren aus der jüngeren (Film-)Vergangenheit von unzähligen Schauspielern wie Curd Jürgens („...und kein bisschen weise“/1976) über Klaus Kinski („Ich brauche Liebe“/1991) bis hin zu Helmut Berger („Ich: Die Autobiographie“/1998) kennt, die allesamt wenig lesbar sind, dazu kaum einen filmhistorischen Mehrwert enthalten. Ingmar Bergmans Schreibstil ist dagegen alles andere als ideenlos, sondern schon von den ersten Seiten an ungemein fesselnd. In der literarischen Tradition hochambitionierter Bewusstseinsströme voller Rückblenden und Traumsequenzen sowie in bewusst unchronologischer Reihenfolge und mit einem offenem Ende hat der Schriftsteller Bergman „seinen“ ganz persönlichen Lebensroman kreiert: Eben in genau jener rätselhaft-offenen Struktur, die auch vielen seiner großen Leinwand-Meisterwerke (wie „Persona“/„Wilde Erdbeeren“/„Passion“) unverkennbar zu eigen ist.

Einen wesentlichen Teil dieses wunderbar assoziativ montierten Buches widmet Bergman dabei seiner eigenen, nicht gerade einfachen Kindheit als „missratener“ Pfarrerssohn aus Uppsala. Bergmans junge Jahre steckten voller Demütigungen, und das literarische Ich geht unverblümt auf das drakonische Strafregister eines wenig empathischen Vaters ein, mit dem der reale Bergman jahrzehntelang unversöhnt blieb. Nicht minder schwierig gestaltete sich die Beziehung des scheinbar ewig kränkelnden Kindes zu seiner Mutter, die Frostigkeit versprühte und Gefühle im Alltag kaum zuließ: „Mein vierjähriges Herz verzehrte sich in hündischer Liebe. Das Verhältnis war trotzdem nicht unkompliziert: Meine Ergebenheit störte und irritierte sie, meine Zärtlichkeitsbezeugungen und heftigen Ausbrüche beunruhigten s

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