Jörg Taszman

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Mehr als ein Relaunch

Nach einem Jahr „on location“ haben das Kino Arsenal und der dazugehörige Verein Arsenal Filminstitut e.V. im Kulturquartier Silent Green in Berlin Wedding ein neues Zuhause gefunden. Damit sind das Kino, die Festivalarbeit, Distribution und Archiv sowie der Arsenal Campus zum ersten Mal unter einem Dach vereint. Die beiden Leiter Stefan Aue und Stefanie Schulte Strathaus sprechen über die Ideen, die sich mit diesem Umzug verbinden.

Im Aufbruch - Ungarisches Kino vor Neuorientierung

Das ungarische Kino steht nach dem Ende der Fidesz-Ära vor grundlegenden Reformen. Einen Tag nach Viktor Orbán trat auch Csaba Kaél zurück, der Leiter des Nationalen Filminstituts. Damit ist der Weg frei für eine Neuausrichtung der ungarischen Filmförderung. Vor allem das junge, unabhängige Filmschaffen hofft jetzt auf tatkräftige Unterstützung. Die Euphorie des Neuanfangs ist nicht nur in Budapest mit Händen zu greifen.

Cannes 2026: Das Programm

Die Auswahl des 79. Filmfestivals in Cannes (12.-23.5.2026) holt die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach mit „Das geträumte Abenteuer“ in den Wettbewerb, wo sie unter anderem mit neuen Filmen von Andrey Zvyagintsev, Pedro Almodóvar, Marie Kreutzer und Pawel Pawlikowskis „Vaterland“ über Thomas und Erika Mann konkurriert. Premiere feiert in Cannes auch Volker Schlöndorff mit „Heimsuchung“. Während große US-Produktionen fehlen, setzt Cannes auf jüngere Autorenfilmer und hat das osteuropäische Kino wieder mehr im Blick.

After Benjamin

  • Norwegen 2025
  • R: Mikael Diseth

Am 26.1.2001 ermordeten Neonazis im Osloer Vorort Holmlia den 15-jährigen Benjamin Hermansen, nur weil er als Kind einer norwegischen Mutter und eines ghanaischen Vaters anders aussah. Der Todesfall löste eine Schockwelle aus, führte zu einem riesigen Fackelzug mit über 40.000 Demonstranten in Oslo in Anwesenheit des Königshauses und wichtiger Politiker wie Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Was aber geschah danach? Das beleuchtet diese sechsteilige, sehr unausgewogene norwegische Miniserie. Überzeugend sind die unbekümmert aufspielenden jugendlichen Darsteller und der Look der Serie, der sich an der gängigen Videoästhetik zu Beginn der 2000er Jahre anlehnt. Problematischer sind dramaturgische Luftlöcher, historische Auslassungen und Vereinfachungen. Hinzu kommt eine schlechte deutsche Synchronfassung, die der Serie viel von ihrer Natürlichkeit nimmt.

Das Inter kehrt zurück - Über das Kino International in Berlin

In der DDR war das Berliner Kino International seit der Eröffnung 1963 das wichtigste Premierenkino. Auch nach der Wende behauptete es sich als eines der markanten Arthouse-Kinos in Berlin, musste aber 2024 für eine Generalsanierung schließen. Mit einem Festakt wird es am 3. März 2026 offiziell wiedereröffnet. Die sorgsame Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes macht sogar Hoffnung auf eine Zukunft des Kinos.

In der Grauzone - Boris Lojkine über „Souleymans Geschichte“

Der französische Filmemacher Boris Lojkine begann als Dokumentarfilmer, was auch seine Herangehensweise an Spielfilme prägt. Sein neuer Film „Souleymans Geschichte“ (jetzt im Kino) kreist um einen Migranten aus Guinea, der in Paris als Fahrradkurier arbeitet und der zwei Tage später ein entscheidendes Gespräch bestehen muss, in dem über seinen Asylantrag entschieden wird. Das fast ausschließlich mit Laien besetzte Drama schöpft aus wahren Schicksalen und gelangt damit zu einer besonderen Realitätsnähe.

Die 38. Europäischen Filmpreise

Am 17. Januar 2026 wurden in Berlin die Europäischen Filmpreise 2025 vergeben. Erstmals fand die Gala nicht im Dezember, sondern Anfang des kommenden Jahres statt, mitten in der Preisverleihungssaison, kurz vor Bekanntgabe der „Oscar“-Nominierungen. Das soll zu mehr medialer Aufmerksamkeit führen. Große Gewinner waren die Filme „Sentimental Value“ von Joachim Trier mit sechs Preisen und „Sirât“ von Óliver Laxe, der fünf Preise auf sich vereinte.

Zwischen Stamm und Seele - Ildikó Enyedi über „Silent Friend“

Seit dem Gewinn des „Goldenen Bären“ für „Körper und Seele“ (2017) steht die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi wieder im Fokus der medialen Öffentlichkeit. In den Jahren nach ihrem furiosen Debüt „Mein 20. Jahrhundert“ (1988) war es recht still um die eigensinnige Regisseurin geworden. Nun startet ihr neues Drama „Silent Friend“, das auf drei Zeitebenen spielt und das Verhältnis zwischen Menschen und der Natur sehr spielerisch verhandelt.

Smillas Gespür für Schnee

  • Großbritannien 2025
  • R: Amma Asante

Eine sechsteilige Serienverfilmung eines erfolgreichen Romans der 1990er-Jahre verlegt die Handlung in ein dystopisches Dänemark einer nahen Zukunft: Eine Mathematikerin und frühere Ökoaktivistin freundet sich mit einem Inuitjungen aus der Nachbarschaft an. Als dieser durch einen Sturz vom Dach stirbt, glaubt sie nicht an einen Unfall, sondern deckt eine Verschwörung bis in höchste Gesellschaftskreise auf. Die Serie überzeugt optisch und zumindest in den Hauptrollen auch darstellerisch, wird durch eine sich nur langsam entwirrende, äußerst klischeebeladene Handlung aber schnell zu einer meist zähen Seherfahrung. Zu viele Themen wie Neofaschismus und Klimawandel werden eher angerissen als wirklich vertieft.

Was zwischen den Zeilen passiert - Interview mit Enno Trebs

Enno Trebs’ Gesicht mit den hohen Wangenknochen und dem kräftigen Kinn ist im deutschen Kino nicht zu übersehen; der 1995 geborene Schauspieler, der schon als Jugendlicher für „Das weiße Band“ vor der Kamera stand, war in den letzten Jahren unter anderem in „Roter Himmel“ und "Köln 75" zu sehen. Nun hat er bei „Miroirs No. 3“ (aktuell im Kino) zum dritten Mal mit Christian Petzold zusammengearbeitet.

Vom Fortleben des Vergangenen - Interview mit Cédric Klapisch

Cédric Klapisch hat seit den 1990ern nicht nur in Frankreich mit Filmen wie „…und jeder sucht sein Kätzchen“, der „Auberge Espagnole“- Trilogie oder „Mein Stück vom Kuchen“ das Publikum begeistert. Er gilt als Schauspieler-Regisseur und Entdecker heutiger Stars wie Romain Duris oder François Civil, und auch in seinem neuen Film „Die Farben der Zeit“ (Kinostart am 14. August) erweist er sich als souveräner Dirigent eines starken Darsteller-Ensembles.

Filmklassiker: „Die geheimnisvolle Insel“

Noch zu Lebzeiten des französischen Schriftsteller Jules Verne (1828-1905) erschienen die ersten Verfilmungen seiner Werke, darunter „Reise zum Mond“ von George Méliès aus dem Jahr 1902. Zu Vernes Romanen, die gleich mehr als ein Dutzend Mal verfilmt worden sind, gehört die Robinsonade „Die geheimnisvolle Insel“. Beim Label Ostalgica ist nun eine sowjetische Adaption von Eduard Penzlin aus dem Jahr 1941 erschienen, in einer restaurierten Fassung auf Blu-ray. 

Das Attentat - Geheimoperation Belgrad

  • Serbien 2024
  • R: Goran Stankovic

Nach dem Wahlsieg der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS) im Winter 2000 über das Regime unter Slobodan Milošević wurde im März 2003 der neue Ministerpräsident Zoran Đinđić von einem Attentäter erschossen. Eine Untersuchung namens „Operation Säbel“ soll das Verbrechen aufklären, doch auch eine engagierte Journalistin versucht Licht in die Hintergründe zu bringen. Die packende Miniserie setzt dem einstigen politischen Hoffnungsträger Zoran Đinđić (1952-2003) ein Denkmal und beleuchtet die gesellschaftlichen Erschütterungen nach seinem Tod, die bis in die Gegenwart reichen. Die Hintergründe und Strippenzieher der politischen Morde werden dabei beim Namen genannt. Eine souverän inszenierte, inhaltlich wie ästhetisch außergewöhnliche Politserie, die nicht nur historische Vorgänge aufarbeitet, sondern auch als Metapher für aktuelle Ereignisse funktioniert.

Rise of the Raven

  • Ungarn 2024
  • R: Robert Dornhelm

Im 15. Jahrhundert dringt das Osmanische Reich immer weiter nach Osteuropa vor. Ein junger Mann aus dem niederen Adel in Siebenbürgen wird in das Ringen mit den Invasoren, aber auch in die Machtkämpfe der europäischen Königshäuser untereinander verstrickt und steigt zum wichtigen Feldherrn auf. Das zehnteilige Historienepos um den ungarischen Nationalhelden János Hunyadi (1387-1456) wartet mit grandios inszenierten Schlachten, facettenreichen Charakteren und eindrucksvollen Drehorten auf. Eine vielschichtige, mit ungewöhnlichen Frauenfiguren ausbalancierte Heldensaga vor dem Hintergrund einer politisch unruhigen Zeit. Obwohl der ungarische Filmfonds als wichtigster Geldgeber fungiert, bleibt die im Original multilinguale Serie frei von nationalistischen Untertönen und bemüht sich um eine angemessen komplexe Darstellung der Zeit und ihrer Protagonisten.

Das Programm des Cannes-Festivals 2025

Endlich sind auch deutsche Filmschaffende wieder in Cannes vertreten. Im Wettbewerb läuft „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski, „Amrum“ von Fatih Akin ist in der Nebenreihe „Cannes Premiere“ zu sehen, und August Diehl spielt Josef Mengele. Doch auch Cannes-Veteranen wie die belgischen Dardenne-Brüder oder Wes Anderson sind in diesem Jahr erneut dabei. Juliette Binoche steht der Jury vor, und zu den wenigen US-amerikanischen Superstars, die man an der Croisette erwartet, zählt einmal mehr Tom Cruise.

Sowjet Jeans

  • Lettland 2024
  • R: Stanislavs Tokalovs

1979 veräußert ein junger Kostümbildner in Riga westliche Produkte auf dem Schwarzmarkt, träumt von einem freieren Leben und reibt sich am Druck des Sowjet-Regimes. Seine erblühende Liebe zu einer finnischen Regisseurin wird schmerzhaft gestört, als er wegen eines rebellischen Liedes in die Psychiatrie eingewiesen wird. Doch auch dort findet er Wege, sich durchzuschlagen, indem er für den korrupten Oberarzt Jeans zu nähen beginnt, die sich teuer auf dem Schwarzmarkt verscherbeln lassen. Der KGB sieht das aber gar nicht gern. Die Serie fängt eindrucksvoll das Lebensgefühl lettischer Jugendlicher in der Spätphase der Sowjetunion ein. Komplex erzählt, im Tonfall überzeugend schwankend zwischen Realsatire und Drama und stark besetzt, erzählt die Serie packend von den Zwangsmechanismen einer Diktatur und der hartnäckigen Sehnsucht nach Freiheit.

Der Meister und Margarita (2023)

  • Russland 2023
  • R: Michael Lockshin

Opulente Neuverfilmung des gleichnamigen Romans von Michail Bulgakow über einen russischen Schriftsteller, dessen Theaterstück über Pontius Pilatus in die Mühlen des Stalinismus gerät. Darüber verliert auch sein Autor den Boden unter den Füßen, bis er sich in eine verheiratete Frau verliebt und einen neuen Roman zu schreiben beginnt, mit dem er sich an all seinen Feinden rächen will. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch eine seiner Romanfiguren, die sich nicht aufs Reich der Fantasie beschränken lassen will. Die meisterhafte Adaption bewahrt den Geist der literarischen Vorlage, versteht ihn aber filmisch zu erweitern. Die sinnlich-humorvolle Satire auf Stalinismus, Zensur und hierarchische Inkompetenz entpuppt sich als beißende Kritik an den aktuellen Zuständen in Russland.

Der Teufel spricht deutsch - Michael Lockshin über „Der Meister und Margarita“

Der 1981 geborene Regisseur Michael Lockshin begann mit Werbefilmen und drehte 2019 seinen ersten Spielfilm. Seine zweite Kinoarbeit ist eine eindrucksvolle Adaption von Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“. Der bereits 2021 entstandene Film sorgte in Russland für Aufregung, weil die Darstellung der stalinistischen Unterdrückung auch auf das Putin-Regime zielt. Trotzdem oder gerade deswegen avancierte er nach dem Start 2024 mit sechs Millionen russischen Zuschauern zum Kassenschlager.

In die Bilder eindringen - Interview mit Raoul Peck

Raoul Peck, bekannt für Filme wie „Der junge Karl Marx“ oder „I Am Not Your Negro“, ist ein Filmemacher mit großem Interesse an Befreiungsbewegungen und Revolutionären. Nun erinnert er in seinem neuen Dokumentarfilm „Ernest Cole: Lost and Found“ an einen lange in Vergessenheit geratenen südafrikanischen Fotografen. Ein Gespräch.

Riff Raff - Verbrechen ist Familiensache

  • USA 2024
  • R: Dito Montiel

Ein Mann, seine Frau und ihr halbwüchsiger Sohn verbringen den Winterurlaub in einem luxuriösen Ferienhaus im Wald, als ein anderer Sohn des Mannes inklusive seiner Mutter und seiner hochschwangeren Geliebten auftaucht, die vor Gangstern auf der Flucht sind, die auf blutige Rache aus sind. Das geschwätzige Drama um eine dysfunktionale Familie wandelt sich schnell zur blutigen Gangsterfehde auf den Spuren von Quentin Tarantino. Allerdings fehlt dem Thriller ein schlüssiges Konzept, in dem der lakonische Humor und die gallige Komik ihren Platz fänden.

Wie vom Blitz getroffen - Gilles Lellouche über „Beating Hearts“

Kino ist Fiktion, Übersteigerung, pure Fantasie. Davon ist der französische Regisseur und Schauspieler Gilles Lellouche überzeugt, weshalb er in seinem Werken aufs Imaginäre setzt. Doch ohne in eine pure Traumwelt abzugleiten, die nur Frust und Enttäuschung hinlassen würde. Dazu gehört dann auch ein schlüssiges Finale, das nicht zu düster ausfallen darf. In „Beating Hearts“ (jetzt im Kino) löst er das in einer energetischen Liebesballade im Gangstermilieu ein.


Families Like Ours

  • Dänemark 2024
  • R: Thomas Vinterberg

Da Dänemark schon in wenigen Wochen vom Meer überflutet wird, versucht eine Patchwork-Familie, mit den damit verbundenen extremen Herausforderungen umzugehen. Die Serie beschreibt sehr anschaulich, wie unterschiedlich die Menschen auf eine solche Krise reagieren. Dabei geht es weniger um ein apokalyptisches Spektakel, sondern um eine komplexe Familiengeschichte in hochdramatischen Zeiten. Das ist trotz mancher Schwächen emotional packend erzählt und durch seine Reflexionen über die zersplitternde Einigkeit in Europa durchaus politisch und schmerzlich aktuell.

Die Schreibmaschine und andere Scherereien

  • Frankreich 2024
  • R: Nicolas Philibert

Im dritten und abschließenden Teil seiner Trilogie über Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen begleitet der Filmemacher Nicolas Philibert einige Protagonisten, die man schon aus den Vorfilmen „Auf der Adamant“ und „Averroès und Rosa Parks“ kennt, nach Hause. Dort kommen ihnen bei Problemen aller Art psychiatrische Pfleger zu Hilfe und bieten verschiedene Formen von Unterstützung. Voller Empathie stellt der kurzweiligste und zugänglichste Teil der Trilogie dar, wie sich der Alltag der Patienten mit Hilfe der ambulanten Betreuung gestaltet. Dabei leistet das Personal nicht nur ganz praktische sowie emotionale Hilfe, sondern steht auch für eine humane und hierarchielose Psychiatrie.

Der Graf von Monte Christo (2024)

  • Frankreich 2024
  • R: Alexandre de la Patellière

Ein Seemann wird Anfang des 19. Jahrhunderts Opfer einer Intrige und zu lebenslänglicher Kerkerhaft verurteilt. Nach Jahren kann er entkommen, wird durch einen Schatz steinreich und geht daran, die Verantwortlichen für sein Unglück zur Rechenschaft zu ziehen. Eine opulente Neuverfilmung des Romans von Alexandre Dumas mit enormem Aufwand in der Gestaltung und großer Sorgfalt bei der Umsetzung der aktionsreichen, aber auch emotionsgeladenen Handlung. Der Film bleibt inhaltlich eng an der Vorlage, setzt mit facettenreichen, hervorragend gespielten Charakteren aber neue Akzente und hinterfragt durchaus kritisch die Rache-Mission der Titelfigur.

Uppercut

  • Deutschland 2023
  • R: Torsten Rüther

Eine aufstrebende deutsche Boxerin setzte alles daran, in New York von einer echten Boxlegende trainiert zu werden. Zwischen den beiden entwickelt sich nach anfänglicher Ablehnung eine von gegenseitigem Respekt getragene Freundschaft. Parallel dazu zeigt der Film die Boxerin acht Jahre später als Managerin, die einen talentierten Nachwuchsboxer zu seinem ersten Titelkampf führt. Das US-amerikanische Remake des deutschen No-Budget-B-Movies „Leberhaken“ vermag dem Genre des Boxerfilm nichts hinzuzufügen, da seine banalen Dialoge die Dramaturgie ebenso ausbremsen wie die ungeschickten Wechsel zwischen den Erzählebenen.

Die Rückkehr des Rächers - Matthieu Delaporte zu „Der Graf von Monte Christo“

Als Team haben Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière erfolgreiche Theaterstücke wie „Der Vorname“ und Drehbücher geschrieben. Nach den Skripten für die zweiteilige Neuverfilmung der „Drei Musketiere“ haben sie mit „Der Graf von Monte Christo“ einen weiteren Romanklassiker von Alexandre Dumas adaptiert und auch selbst Regie geführt. Ein Gespräch mit Matthieu Delaporte über den Film, der fast zehn Millionen Zuschauer in Frankreich hatte, und den Spagat zwischen Originaltreue und Modernisierungen.

Whiskey on the Rocks

  • Schweden 2024
  • R: Björn Stein

1981 standet in schwedischen Hoheitsgewässern ein sowjetisches U-Boot, das mitten im Kalten Krieg eine diplomatische Krise zwischen den Blöcken auslöst. Während Ronald Reagan und Leonid Breschnew als cholerische Weltenlenker die Lage eskalieren lassen, versuchen der bedächtige schwedische Premierminister Thorbjörn Fälldin, eine sowjetische Botschafterin in Stockholm, die U-Boot Mannschaft und Fischer die Wogen zu glätten. Die satirische Serie setzt primär auf Klamauk und vermag das politische Potenzial des Stoffes nicht auszuschöpfen. Vor lauter Retroverliebtheit gelingt es auch nicht, den Bogen zu aktuellen Bedrohungen zu schlagen.

Independent-Filmer gegen Viktor Orbán

In den letzten Jahren ist in Ungarn der Druck gegen Filmemacher:innen, die nicht auf Linie mit der rechtspopulistischen Fidesz-Partei unter Viktor Orbán liegen, immer größer geworden. Der Druck ist vor allem finanzieller Natur: Wer Kritik übt, wird nicht gefördert. Dennoch existiert eine vitale Szene unabhängiger Filmschaffender, die kreativ dagegenhalten. Ein Streifzug anlässlich des deutschen Kinostarts von „Eine Erklärung für alles“.

Interior Chinatown

  • USA 2024
  • R: Taika Waititi

Ein junger sinoamerikanischer Mann, der als Kellner im Restaurant seines Onkels in Chinatown arbeitet, leidet darunter, sich als Statist im eigenen Leben zu fühlen. Doch dann beobachtet er eine Entführung und lässt sich von einer Polizistin in die Ermittlungen verwickeln. Seine Wirklichkeit und die einer beliebten Polizeiserie schillern mehr und mehr ineinander, während er einem kriminellen Netz nachzuspüren beginnt, das auch mit dem Rätsel um seinen verschwundenen älteren Bruder zu tun hat. Eine spielerisch-skurrile, komödiantische Krimiserie, bei der es nicht nur um die Aufklärung eines Falls, sondern auch um die Sehnsucht nach einem bedeutungsvolleren, erfüllteren Leben geht, eingebettet ins Milieu der chinesisch-stämmigen Community. Dabei verheddert sich die Serie mitunter in ihren vielen Handlungsfäden, punktet aber mit einer originellen stilistischen Umsetzung, liebevollen Figurenzeichnungen und einer pointierten Auseinandersetzung mit asiatisch-amerikanischer Identität.

Extreme Herausforderung - Jorgo Narjes über „Zeit Verbrechen“

Um die vierteilige Anthologie-Serie „Zeit Verbrechen“ hat es in den letzten Monaten viel Aufsehen gegeben. Nach ihrer gefeierten Premiere bei der Berlinale versanken die jeweils rund einstündigen Filme im Nirwana, als Paramount+ seine europäischen Aktivitäten einstellte. Jetzt sind die vier „True Crime“-Filme als Streaming bei RTL+ zu sehen. Ein Gespräch mit dem Produzenten Jorgo Narjes über die Schwierigkeiten einer unkonventionellen Adaption.